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AMS: Hohe Milchleistungen verringern Stress beim Herdenbetreuer Digital Plus

Wissenschaftler der Universität Guelph haben die Strukturen kanadischer AMS-Farmen untersucht. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf dem Western Canadian Dairy Seminar 2020. Es zeigte sich etwa, dass Melkroboter Stress bei Milchkuhhaltern reduzieren.

Melkroboter sind mittlerweile auch in Kanada auf dem Vormarsch. Waren noch vor wenigen Jahren – insbesondere wegen des fehlenden Service vor Ort - nur wenige Melkboxen in den Kuhställen anzutreffen, hat sich das Bild mittlerweile grundlegend geändert. Insbesondere die größeren, äußerst leistungsstarken Milchfarmen setzen verstärkt auf das automatische Melken und die Automatisierung von Fütterung und Herdenmanagement. Das hat vor allem zwei Gründe:

  • Gute Mitarbeiter für den Stall (Herdenmanagement) sind nur schwer zu finden und zudem teuer!
  • Die größeren Farmen sind in der Regel liquide, da die hohen Land- und Milchquotenpreise die Kreditaufnahme doch deutlich erleichtern.

In Gesprächen mit den Milchfarmern kann man denn auch durchaus den Eindruck gewinnen, dass es bei den Investitionen auf ein paar hunderttausend Dollar nicht ankommt. Das Thema Automatisches Melken spielt denn auch eine immer gewichtigere Rolle in Beratung und Wissenschaft. An fast allen Universitäten wird inzwischen intensiv untersucht, wie sich das Produktionssystem noch verbessern lässt.

  • Demnach werden in den kanadischen Milchfarmen, die auf Melkroboter setzen im Durchschnitt 111 Kühe (38 – 1.000 Kühe) gehalten. 90 % der Kühe sind Holsteins.
  • In jeder Farm sind im Durchschnitt 2,4 AMS installiert; umgerechnet werden 47,3 Kühe pro Melkbox (36 - 62) gemolken. Interessant ist, dass bei einer höheren Auslastung der Melkbox die tägliche Milchleistung abnimmt (+ 10 Kühe führt zu -0,76 kg Milch). Das mittlere tägliche Herdengemelk beträgt 36,6 kg Milch pro Kuh mit 4,12 % Fett und 3,41 % Eiweiß.
  • 71 % der Melkboxen stehen in neu errichteten Kuhställen, 29 % der Melkboxen wurden in Altgebäude eingepasst. 88 % der Farmer setzen auf freien Kuhverkehr.
  • 93 % der Ställe sind als Liegeboxenlaufställeausgeführt. In 35 % der...

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Melkroboter sind mittlerweile auch in Kanada auf dem Vormarsch. Waren noch vor wenigen Jahren – insbesondere wegen des fehlenden Service vor Ort - nur wenige Melkboxen in den Kuhställen anzutreffen, hat sich das Bild mittlerweile grundlegend geändert. Insbesondere die größeren, äußerst leistungsstarken Milchfarmen setzen verstärkt auf das automatische Melken und die Automatisierung von Fütterung und Herdenmanagement. Das hat vor allem zwei Gründe: Gute Mitarbeiter für den Stall (Herdenmanagement) sind nur schwer zu finden und zudem teuer! Die größeren Farmen sind in der Regel liquide, da die hohen Land- und Milchquotenpreise die Kreditaufnahme doch deutlich erleichtern. In Gesprächen mit den Milchfarmern kann man denn auch durchaus den Eindruck gewinnen, dass es bei den Investitionen auf ein paar hunderttausend Dollar nicht ankommt. Das Thema Automatisches Melken spielt denn auch eine immer gewichtigere Rolle in Beratung und Wissenschaft. An fast allen Universitäten wird inzwischen intensiv untersucht, wie sich das Produktionssystem noch verbessern lässt. Demnach werden in den kanadischen Milchfarmen, die auf Melkroboter setzen im Durchschnitt 111 Kühe (38 – 1.000 Kühe) gehalten. 90 % der Kühe sind Holsteins. In jeder Farm sind im Durchschnitt 2,4 AMS installiert; umgerechnet werden 47,3 Kühe pro Melkbox (36 - 62) gemolken. Interessant ist, dass bei einer höheren Auslastung der Melkbox die tägliche Milchleistung abnimmt (+ 10 Kühe führt zu -0,76 kg Milch). Das mittlere tägliche Herdengemelk beträgt 36,6 kg Milch pro Kuh mit 4,12 % Fett und 3,41 % Eiweiß. 71 % der Melkboxen stehen in neu errichteten Kuhställen, 29 % der Melkboxen wurden in Altgebäude eingepasst. 88 % der Farmer setzen auf freien Kuhverkehr. 93 % der Ställe sind als Liegeboxenlaufställeausgeführt. In 35 % der Ställe sind die Liegeboxen mit Sägespänen eingestreut, in 28 % mit Sand, in 22 % mit Stroh und in 15 % der Ställe findet sich sonstiges Material in den Boxen. Nur 8 % der Ställe sind rein natürlich belüftet, in 61 % der Ställe sind Ventilatoren installiert (in 29 % ausschließlich Deckenlüfter); 31 % der Kuhställe werden konstant durchgeblasen (Tunnellüftung). In 72 % der AMS-Farmen wird das Futter automatisch ran geschoben. Interessant ist, dass ein häufigeres Anschieben die Trockenmasseaufnahme deutlich erhöht. Wird das Futter 12 bis 24 Mal innerhalb von 24 Stunden (jede zweite bzw. jede Stunde) nachgeschoben, steigt die Futteraufnahme um 1,8 kg pro Tag im Vergleich zum ein- bis fünfmaligen Nachschieben. Zellzahl: Im Durchschnitt beinhaltete die Milch der Kuhherden 201.000 Zellen/ml (± 94.000). Die geringsten Zellgehalte finden sich bei Sandeinstreu. Sägespäne lassen den Zellgehalt im Vergleich zu Sand um 80.000 Zellen/ml ansteigen, Stroh sogar um 143.000 Zellen. Klauengesundheit noch ein Problem Auch der Einfluss der Klauengesundheit auf die Milchleistung, Milchqualität und Auslastung der Melkboxen wurde untersucht. Dabei wurden 30 % der Kühe auf ihren BCS und ihr Gangbild (Locomotion Score: 1 = gesund – 5 = schwer lahm) hin beurteilt. Es stellte sich heraus, dass im Durchschnitt 27 % (± 12 %) der Kühe einer Herde lahmten (LS Score ≥ 3), weitere 3 % sogar stark (LS Score ≥ 4). Verstärkt beobachtet wurden Lahmheiten in umgebauten Kuhställen und bei fehlender oder organischer Einstreu im Vergleich zur Sandeinstreu. Einen positiven Einfluss auf die Klauengesundheit hatte das regelmäßige „Glätten“ der Einstreu in den Liegeboxen. Unter den lahmen Tieren fanden sich oft viele unterkonditionierte Kühe (geringer BCS). Die fußkranken Kühe gaben im Durchschnitt 1,3 kg weniger Milch (0,3 weniger Melkungen), gleichzeitig stieg der Zellgehalt in der Milch an. AMS minimiert physischen Stress beim Farmer In einer weiteren Studie wurde der Einfluss des automatischen Melkens auf die Psyche (mentale Gesundheit) des Betriebsleiters bzw. des Herdenbetreuers untersucht. Dazu wurden 34 Milchfarmer aus Ontario online befragt. Stress nahm ab mit steigenden Milchleistungen auf sowie bei Einsatz einer automatischen Fütterung. Auffällig war, dass sich Frauen sich generell gestresster fühlten als Männer. Ähnlich verhielt es sich bei dem Merkmal Angst. Die besagten Faktoren führten bei den Milchfarmen/Innen vermehrt zu Angststörungen. Depressionen scheinen begünstigt zu werden durch alleiniges arbeiten im Kuhstall, durch geringe Milcheiweißgehalte (niedrigerer Milchpreis) sowie durch eine manuelle Futtervorlage (im Vergleich zur automatischen Fütterung). Vermehrt resilient („stressresistent“) scheinen führte dagegen Farmer zu sein, in deren Kuhherden die Zellgehalte auf einem höheren Niveau liegen oder/und die Milchleistung vergleichsweise gering ausfällt. Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass das automatische Melken weniger Stress auslöst. Farmer, die auf AMS setzen tendieren denn auch seltener unter Angststörungen und Depressionen zu leiden, sofern sie nicht alleine die Kuhherde versorgen. Führt die Automatisierung dazu, dass Mann/Frau sich alleine im Stall aufhält, kann sich der Effekt ins Gegenteil verkehren. Das Western Canadian Dairy Seminar wird alljährlich Anfang März in Red Deer, im Bundesstaat Alberta ausgerichtet wird. Auf dem dreitägigen Seminar treffen sich Milcherzeuger, Berater, Tierärzte und Wissenschaftler aus ganz Kanada, immer öfter trifft man dort mittlerweile auch Dairy Experten aus dem Ausland. Weitere Informationen unter https://wcds.ualberta.ca/