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Gestresste Kühe werden schlechter tragend

Verlassen Kühe wegen schlechter Fruchtbarkeit frühzeitig den Bestand, müssen hohe Milchleistungen nicht die Ursache dafür sein. Vielmehr unterliegen gerade frischmelkende Kühe vielen Stressoren, die Fruchtbarkeitsstörungen hervorrufen. Darauf wies Dr. Christian Koch, DLR Westpfalz, auf einem Fruchtbarkeitsseminar des Innovationsteams Milch Hessen hin.

Immer wieder wird die These aufgestellt, dass eine schlechte Fruchtbarkeit Folge hoher, ansteigender Milchleistungen in den Herden ist. Dieser Meinung widersprach Dr. Christian Koch, DLR Westpfalz, auf dem Fruchtbarkeitsseminar des Innovationteams Milch Hessen. Er konnte anhand verschiedener Studienergebnisse zeigen, dass hohe Leistungen nicht zwangsläufig die Fruchtbakeit verschlechtern. So stellte er eine Studie aus New York vor, bei der die Herden mit der höheren Leistung (11.250 l) fruchtbarer waren als die niedrigleistenden Bestände (7.800 l). Doch wenn hohe Leistungen, nicht ursächlich verantwortlich sind für eine reduzierte Fruchtbarkeit, was sind dann die auslösenden Faktoren?

Für Dr. Christian Koch steht fest, dass eine Reihe von Stressoren dafür verantwortlich sind, dass die Kühe schlechter tragend werden. Zu den möglichen Stressoren, die die Kühe besonders innerhalb der ersten Laktationswochen, unter Druck setzen gehören nach Kochs Meinung:

  • Geburtsstress (Schwergeburten etc.)
  • Sozialer Stress, neue Rangordnung bei der EIngliederung in die Herde
  • Metritis
  • Mastitis
  • Negative Energiebilanz (NEB)
  • Ketose, Pansenazidose, Milchfieber, Labmagenverlagerungen
  • Hitzestress
  • oxidativer Stress; Bildung reaktiver Sauerstoffprodukte, die schädlich für den Organismus sind und Zellschädigungen verursachen

Alle diese Stressoren haben einen negativen Einfluss auf die Leber (subklinisches Entzündungsgeschehen in der Leber). Sie aber ist die Stoffwechselzentrale des Körpers. Studien zeigen, dass mit steigendem Grad der Leberschädigung z.B. die Erstbesamungsrate sinkt. Wie wichtig die Leber für die Fruchtbarkeit ist, zeigt sich auch darin, dass sie u.a. für die Bildung einiger Hormone notwendig ist.

An welchen Stellschrauben drehen?

Dr. Christian Koch hob einige Punkte hervor, mit deren Verbesserung sich auch positiv auf die Fruchtbarkeit einwirken lässt. Dazu gehören:

- Negative Energiebilanz (NEB): Für  das Follikelwachstum und die Eireifung ist das LH-Hormon (Luteinisierendes Hormon) zuständig. Es wird in Wellen ausgeschüttet. Bei einer ausgeprägten NEB erreicht die Welle nicht den nötigen Peak für die Follikelreifung und verzögert damit den Eisprung. Deshalb ist eine der größten Stellschrauben, um Fruchtbarkeitsstörungen zu verhindern, die NEB so weit als möglich zu reduzieren. Auch die Eizellqualität hängt von den Hormonspiegeln für LH und Östradiol ab, die bei einer starken NEB niedrig sein können. Ansatzpunkte, um das Energiedefizit am Laktationsstart zu reduzieren, sind u.a.

  • Die Körperkondition der Kühe bis zu Abkalbung steuern und überwachen;
  • höchst mögliche Futteraufnahmen in der Vorbereitung, rund um die Kalbung und in der Frühlaktation erreichen;
  • ausreichende Strukturwirksamkeit der Ration (Azidoseprophylaxe);
  • bedarfsgerechte Fütterung und Kontrolle der Fütterung (stimmt gerechnete und gefressene Ration überein);
  • eventuell Verfütterung von glucoplastischen Substanzen (z.B. Propylenglycol). Dies kann zur Ketoseprophylaxe beitragen.
  • Nur hygienisch einwandfreie Futtermittel verfüttern.

- Geburtsstress: Nach neuesten Forschungsergebnissen geht man davon aus, dass die erhöhte Stoffwechselbelastung, verbunden mit einer gesteigerten Bildung von reaktiven Sauerstoffprodukten u.a. auch durch Geburtsstress verursacht wird. Um den Stresssymptomen entgegenzuwirken wurde in einer Studie, die am Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Westpfalz, Hofgut Neumühle, durchgeführt wurde Transitkühen Futterzusatzstoffe mit Traubenkern- und Traubentresterextrakt  (Polyphenolhaltige Pflanzenextrakte im Traubentrester sollen Entzündungen verhindern) gefüttert. Der Leberfettgehalt und der Cholesterolgehalt lagen in der Versuchsgruppe niedriger. Der hormonelle Regulator FGF21, der bei Entzündungen aktiv ist, war in der Versuchsgruppe um 60 % signifikant reduziert.