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Milchmarkt

Faire Milch in NRW gescheitert

Mit der "Fairen Milch" des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) sollten die Milcherzeuger einen kostendeckenden Auszahlungspreis erhalten. Zumindest in NRW ist dieses Vorhaben nun gescheitert. Denn die "Milcherzeugergemeinschaft Sauerland und Umgebung" hat beschlossen, die Lieferungen auf Grund der schlechten Auszahlungsleistung einzustellen.

Ziel der "Fairen Milch" des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist es, dass Milcherzeuger einen kostendeckenden Milchpreis erhalten (40 Cent). In NRW konnte dieses Ziel jedoch nicht erreicht werden. Im Gegenteil! Im Mai lag der Basis-Auszahlungspreis der Milchvermarktungs GmbH Süddeutschland (MVS, Vermarkter der Fairen Milch) bei 25,0 Ct/kg Milch (4,0 % Fett), im Juni sogar nur noch bei 23,80 Ct/kg Milch. Der Faire Milch-Zuschlag betrug im Juni umgerechnet nur ca. 3,16 Ct/kg. Dieser Zuschlag ist allerdings mit hohen Auflagen verbunden. So dürfen die Milcherzeuger höchstens 1.500 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr und einen maximalen Maisanteil in der Ration von 30 % einsetzen. Durch den höheren Grasanteil in der Ration soll sich der Anteil der Omega-3-Fettsäuren im Milchfett erhöhen. Viele NRW-Lieferanten konnten die festgelegten Schwellenwerte für Omega-3-Fettsäuren jedoch nicht erreichen, so dass sie nur den Basispreis erhielten.

Aufgrund der verheerenden Preisentwicklung für die Faire Milch und der höheren Produktionskosten haben jetzt die NRW-Lieferanten die Notbremse gezogen und die Lieferung an die MVS eingestellt. Bisher stellten die rund 35 Betriebe etwa 10 Mio. kg Milch pro Jahr zur Verfügung. Seit dem 01. August geht die Milch nun nach Informationen des Wochenblatts Westfalen-Lippe an die Molkerei Wiegert in Velen (Kreis Borken). Einige Milcherzeuger sollen auch ihre Mitgliedschaft gekündigt haben und bei den Genossenschaftsmolkereien Hochwald und Deutsches Milchkontor untergekommen sein. Damit gibt es in NRW keinen Faire Milch-Produzenten mehr.

Aber nicht nur in NRW scheinen schwierige Zeiten auf die Faire Milch zuzukommen. Denn inzwischen gibt es auch eine juristische Auseinandersetzung zwischen dem BDM, als Initiator der Fairen Milch und der MVS, dem Vermarkter des Produkts; u.a. deshalb, weil nur ein Bruchteil der Milch höherpreisig verkauft wird und die Jahresbilanz 2010 deutlich höhere Verbindlichkeiten als Vermögen ausweist. Daher hat der BDM angekündigt, den Geschäftsbereich übernehmen zu wollen.