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Diskussion um Anbindehaltung flammt neu auf

Nachdem sich der Bund der Deutschen Landjugend für ein Ende der Anbindehaltung mit Übergangsfristen positioniert hat, distanzieren sich nun Organisationen aus Bayern, Baden sowie Brandenburg davon.

Am 10. August 2018 veröffentlichte der Bund der Deutschen Landjugend e.V. (BDL) ein vierseitiges Positionspapier, in dem er sich für eine Ausklingen sowohl der ganzjährigen als auch der saisonalen Anbindehaltung von Milchkühen und Rindern im Allgemeinen auspricht.

Der BDL sieht diese Haltungsform als nicht mehr zeitgemäß an. Nicht weil sie perse schädlich für das Tier sei, denn hierüber bestimme der Faktor Mensch, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Haltungsform sinkt. Zudem überwögen die Vorteile von Bewegungsmöglichkeiten in (Liegeboxen-)Laufställen.

Den BDL hat zu seiner Positionierung veranlasst, dass das bereits 2016 vom Bundesrat abgestimmte Verbot der Anbindehaltung an der damaligen Bundesregierung gescheitert war. Damals wurde entschieden den Umstieg aus der Anbindehaltung hinein in moderne Haltungssystem über positive Anreize in Form von Fördergeldern voranzutreiben. Das habe aber laut dem BDL nicht ausgereicht. Das prognostizierte, sich selbstregelnde Auslaufen der Anbindehaltung in Deutschland gelinge nicht.

Ausstieg nur mit Übergangsfristen

Um den Ausstieg aus der Anbindehaltung durch die Aufnahme anderer, zukunftsfähiger Haltungsformen zu garantieren, bedürfe es laut dem Landjungendbundes gesetzlicher Vorgaben und einer Förderung der Modernisierung von Stallbauten durch nationale und europäische Finanzmittel.

Der BDL hat dazu folgenden Forderungen gestellt:

  • die Anbindehaltung gesetzlich zu beenden,
  • eine Übergangsfrist von fünf Jahren bei der ganzjährigen Anbindehaltung und von zehn Jahren bei der saisonalen Anbindehaltung,
  • einheitliche Regelungen zur Tierhaltung auf europäischer Ebene zu finden.

Das komplette Positionspapier "Anbindehaltung von Rindern in der Landwirtschaft" des BDL finden sie unter diesem Link.

Süddeutsche distanzieren sich von Position des Dachverbandes

Nachdem das Positionspapier des BDL veröffentlicht wurde, distanzierten sich wenige Tage später einige Organisationen aus Süddeutschland davon. So die Bayerische Jungbauernschaft (BJB) mit dem Argument: "Für uns ist klar, dass ein Anbindeverbot in den nächsten fünf Jahren das Aus für viele bäuerliche Familienbetriebe bedeuten würde." Das bedeute für die BJB allerdings nicht, dass diese den Fortschritt in diesen Gebieten ablehnen. Vielmehr rufen sie jeden Betriebsleiter auf, an die Zukunft zu denken und sich ein Betriebsentwicklungskonzept auch ohne ganzjährige Anbindehaltung zu erarbeiten und so mittelfristig den Fortbestand seines Betriebes zu sichern.

Die Stellungnahme lesen Sie hier, "Anbindeverbot bedeutet Aus für viele bäuerliche Familienbetriebe!"

Ebenfalls ablehnend äußerte sich der Bund Badischer Landjugend (BBL). Während der BBL die ganzjährige Anbindehaltung ebenfalls als keine zukunftsfähige Haltungsform ansieht, sieht er die saisonale bzw. "Kombinationshaltung" sehr wohl als zukunftsfähig. Diese sei eine traditionelle und tiergerechte Haltungsform - vor allem in Bergregionen –, bei der die Rinder von Frühjahr bis Herbst Weidegang oder einen Laufhof zur Verfügung haben, was dem Bewegungsbedürfnis der Tiere entgegenkomme.

Als „fachlich unbegründet“ zurückgewiesen hat der Bauernbund Brandenburg das Positionspapier. "Die Anbindehaltung ist arbeitswirtschaftlich unrentabel und für die Tiere nicht optimal und deshalb ohnehin ein Auslaufmodell“, so Bauernbund-Vorstand Lutz-Uwe Kahn, dessen Mutterkühe im Winter im Anbindestall stehen: „Aber sie ist definitiv keine Tierquälerei. Wann wir zum Laufstall umbauen, möchte ich mir weder vom Staat noch von sonstwem vorschreiben lassen."

Die vollständige Stellungnahme des Bauernbundes Brandenburg finden Sie unter diesem Link "Bauernbund gegen Verbot der Anbindehaltung".

Quellen: BDL, BJB, BBL, BB