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Milchwirtschaftlichen Kundgebung Schleswig-Holstein

Die Folgen der Dürre und sinnvolle Reaktionsstrategien

In Rendsburg erläuterten Experten aus der Milchbranche, wie sich die Dürre auf den Milchmarkt auswirken wird und mit welchen Strategien Milchkuhbetriebe jetzt ökonomisch sinnvoll auf die dürrebedingte Grundfutterknappheit reagieren sollten.

Die Folgen der langen Trockenheit und betriebliche Lösungen bei Grundfutterknappheit wurden bei der Milchwirtschaftlichen Kundgebung am vergangenen Mittwoch (29.8.2018) in Rendsburg im Rahmen der Norla thematisiert. Die Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein und der Landesbauernverband konnten als Veranstalter der Kundgebung rund 150 Teilnehmer begrüßen.

Wie dramatisch die Ertragseinbußen durch die Dürre in dem Bundesland für Futterbaubetriebe sind, erläuterte der Präsident des Landesbauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz: „Der dritte Schnitt im Grünland fällt komplett aus und der Mais zeige ein ähnlich prekäres Bild mit Verlusten von bis zu 60 %". Für einige Landwirte seien dies Schäden in existenzbedrohenden Größenordungen.

Die Auswirkungen der Dürre auf den Milchmarkt, Fütterungsansätze zum Ausgleich fehlender Grundfuttermengen sowie ökonomische Entscheidungshilfen in puncto Bestandsgröße vs. Futterzukauf erläuterten die Experten Monika Wohlfarth (ZMB), Prof. Katrin Mahlkow-Nerge (FH Kiel) sowie Prof. Falk Mißfeldt (Fachhochschule Kiel) und Jan Oke Sacht (Agrarberatung Mitte) im Rahmen der Kundgebung. Auszüge daraus lesen Sie im Folgenden:

Milchanlieferungen reagieren wohl erst im Winter/Frühjahr

Dass sich die Folgen der Dürre im Sommer 2018 in der Höhe der Milchanlieferungsmengen vermutlich erst im Winter bzw. nächsten Frühjahr zeigen werden, erklärte die Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB), Monika Wohlfarth.

Die Auswirkungen der Dürre seien in den aktuellen Halbjahreszahlen noch nicht enthalten, erläuterte die Marktexpertin. So hatte im ersten Halbjahr 2018 - trotz der um knapp 2 % gestiegenen Kuhschlachtungen - die Milchanlieferungsmenge gegenüber der ersten Jahreshälfte 2017 um 3,3 % zugenommen. Auch das Rohstoffaufkommen auf Ebene der Europäischen Union habe bislang über dem Vorjahresniveau gelegen.

Der kurzfristige Rückgang des Milchaufkommens im August sei durch Hitzestress ausgelöst worden und sei nicht den längerfristigen Folgen der Trockenperiode zuzuordnen, so Monika Wohlfarth. Sie verwies auf das Dürrejahr 2003, als sich die Anlieferungsmengen aufgrund schlechter Futterqualitäten erst im Folgejahr verringert hatten. Nach ihrer Einschätzung werden sich die Konsequenzen der Dürre auf die Milchproduktion in Deutschland voraussichtlich erst noch zeigen.

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern sei die Bundesrepublik insgesamt von einer stärkeren und länger anhaltenden Trockenheit betroffen gewesen, stellte die Analystin zudem fest. Der Rückgang der Erzeugung im August und die Unsicherheiten bezüglich der weiteren Anlieferungsmengen hätten bereits zu festeren Preistendenzen bei Butter, Käse und Milchpulver geführt. Wohlfarth geht für den weiteren Jahresverlauf von moderat steigenden Milchpreisen aus.

Grundrationen mit Stroh "strecken"

Um der knappen Grundfutterversorgung in der Produktions-Praxis zu begegnen, ist laut Tierernährungsexpertin Prof. Katrin Mahlkow-Nerge (Fachhochschule Kiel) ein höherer Strohanteil in den Futterrationen eine Möglichkeit. Grundsätzlich sei dabei eine intensive Kontrolle der Strohqualitäten zu empfehlen, um sich über die Inhaltsstoffe und die spätere Rationsgestaltung im Klaren zu sein. Was bei strohreichen Rationen zu beachten ist, damit diese "funktioniere", erläuterte sie zudem:

  • Je höher der Strohanteil, desto mehr Getreide müsse in der Ration verwendet werden, denn „irgendwo muss die Energie herkommen".
  • Wenn Rationen mit Stroh gestreckt würden, sei zudem eine kurze Häcksellänge von 1 cm vorteilhaft.
  • Außerdem müsse so viel Wasser zugegeben werden, dass das Stroh an den schmackhafteren Teilen der Futterration haften bleibe und nicht von den Tieren aussortiert werde.
  • Bei entsprechenden Anpassungen könne der Strohanteil bis zu 13 % der Gesamttrockenmasse der Futterration betragen.

Prof. Katrin Mahlkow-Nerge empfahl den Betriebsleitern außerdem, eine ausführliche Bilanzierung der eigenen Futterreserven vorzunehmen und gegebenenfalls schon jetzt die Ration mit Blick auf mögliche Engpässe anzupassen.

Kühe länger melken ist ökonomisch sinnvoll

Ob es ökonomisch sinnvoll ist, Kuhbestände wegen höherer Futterkosten abzustocken, haben Prof. Falk Mißfeldt (Fachhochschule Kiel) und Jan Oke Sacht (Agrarberatung Mitte) untersucht.

In ihrer Modellrechnung gehen die beiden Fachleute von 30 % weniger Grundfutter aus und kalkulieren die Beschaffungskosten für Mais auf 90 €/t und für Gras auf 57 €/t. Eine weitere Annahme ist unter anderem, dass die Kuh nach 150 Laktationstagen anschließend noch 200 Tage länger gemolken wird.

Es werde laut Mißfeldt und Sacht deutlich, dass eine Bestandsabstockung bei einem Auszahlungspreis von 33 Cent/l Milch nicht wirtschaftlich ist, denn nach den 200 Tagen würde sich im Vergleich zum Szenario mit Abgabe der Kuh die Liquidität um 563 € je Kuh verbessern. Mißfeldts Empfehlung an die Milchkuhhalter lautete daher: Kühe so lange wie möglich zu melken, auch wenn das zunächst Liquidität binde.

Beim Gespräch über Darlehen mit Bankberatern sollte der Landwirt diese Zusammenhänge erklären. Auch die Geldinstitute hätten schließlich ein Interesse an einem stabilen Betrieb. Ferner sollten die Landwirte sich insbesondere über Euribor-Darlehen informieren, da diese zu günstigen Konditionen zu haben seien, so der Rat der Fachleute.

Quelle: AgE