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DBV und ALDI: Mehr monetäre Wertschätzung für Milch

Angesichts der Preisforderungen, mit der Aldi letzte Woche die Milchbranche gegen sich aufgebracht hat, gab es ein Gespräch zwischen DBV und Aldi Nord. Man sei sich einig, dass höhere Milchqualität auch eine höhere Vergütung braucht. Mit Kommentar.

Nachdem es vergangene Woche aufgrund der neu angedachten Verhandlungsstrategien und Preissenkungen der Aldi-Gruppe im Segment Milchprodukte zu Ärger, Irritationen und Protestaktionen kam - siehe hier, "Aldi fordert Milchbranche mit Preissenkungen heraus" -, trafen sich die beteiligten Parteien am 11.03. kurzfristig zur Aussprache. Beteiligte Parteien waren in diesem Fall Spitzenvertreter des Deutschen Bauernverbands (DBV) sowie von Aldi Nord: DBV-Präsident Joachim Rukwied, DBV-Milchbauernpräsident Karsten Schmal und der Gesamtverantwortliche des Verwaltungsrats der Unternehmensgruppe Aldi Nord, Torsten Hufnagel und der Leiter des internationalen Einkaufs von Aldi Nord, Jürgen Schwall kamen in Berlin zusammen.

DBV: Milch aus Deutschland hat einen Wert

Aus der Pressemitteilung des DBV vom 11.03.2020 geht hervor, dass Rukwied und Schmal den Aldi-Vertretern im Treffen die aktuell sehr angespannte Situation in der Landwirtschaft beschrieben haben und forderten, dass bei den anstehenden Preisabschlüssen im Bereich Milch die wirtschaftliche Situation der deutschen Milcherzeuger bzw. die gestiegenen Produktionskosten berücksichtigt werden müssen.

Wer Milch aus Deutschland haben will, der müsse auch bereit dazu sein, deren Qualität mit einem angemessenen Preis zu honorieren, so der Tenor. Der DBV-Präsident sprach dabei jedoch nicht allein die Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels an, sondern auch die Molkereien: Als Vertragspartner von Aldi Nord haben auch die Molkereien gegenüber ihren Milchproduzenten, den Landwirten, eine Verantwortung zu tragen.

Die Aldi-Vertreter forderten ihrerseits in dem Gespräch Verständnis für die insgesamt angespannte Lage auf dem Milchmarkt ein.

Aldi: Ja, zu mehr monetärer Wertschätzung

Zudem machten die Vertreter von Aldi Nord das Angebot von Offenheit dafür, eine Kampagne für mehr Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft umzusetzen. So könne man ein deutliches Zeichen in der Vermarktung setzen.

Die DBV-Vertreter begrüßten diesen Schritt, stellten aber gleichzeitig klar, dass Wertschätzung auch im ökonomischen Bereich stattfinden müsse. Dazu gehöre es, ein Modell zu finden, in dem höhere Qualitätsstandards auch eine finanzielle Anerkennung erhalten. In diesem Zusammenhang seien sich die Gesprächspartner einig gewesen, dass diese auch höher vergütet werden müssen. (!)

Beide Seiten unterstrichen auch, dass nur ein konstruktiver Dialog zu vernünftigen Lösungen führt. Die Themen des heutigen Gesprächs will man gemeinsam fortführen.

Nimmt man es beim Wort, klingt es toll!

Ein Kommentar: Nach meinem (hoffentlich) gesunden Menschenverstand müsste das "einig darüber, dass höhere Qualitätsstandards auch höher vergütet werden müssen" heißen, dass Aldi Nord bereit ist, die Produktionskosten für Milch aus Deutschland angemessener zu honorieren. Das klingt toll und macht mich sehr gespannt auf die Ergebnisse aus den aktuellen Verhandlungen!

Denn das Wort "höhere" bezeichnet in meinen Augen den aktuellen Qualitätsstandard für Milch aus Deutschland. Der ist "höher" als in vielen anderen EU-Ländern und ist dies insbesondere in den vergangenen drei, vier Jahren geworden. Dabei ist er nicht nur wegen der Milchgüte und der verhältnismäßig "alten" GVO-Freiheit höher, sondern auch aufgrund der, für die Verbraucher "unsichtbaren" Faktoren in Tier- und Umweltschutz, die die Milcherzeuger in Deutschland leisten. Und alle leisten müssen - denn sie sind gesetzlich verordnet. Und sie führen nicht einfach nur zu allumfassend betrachtet höheren Qualitätsstandards, sondern lassen gleichsam die Produktionskosten "höher" werden! Das dürften Rukwied und Schmal den Aldi-Vertretern dem Wortlaut der "angespannten Lage" nach ja erklärt haben.

Mehr Platz und Komfort für die Kühe, aber vor allem mehr Platz für Güllelagerraum, mehr Platz für Wasser aus den Lagerflächen für Silage kosten viel Geld. Die dabei mit den Wirtschaftsdüngern und Sickersäften verbundenen Investitionen haben dazu den riesigen Nachteil, dass sie keine Produktionssteigerung mit sich bringen! Hier ist es nicht mehr akzeptabel, dies "einfach" als neuen Qualitätsstandard hinzunehmen, der nicht kostendeckend honoriert wird - so wie im Zuge der GVO-Freiheit geschehen.

Denn ein wertvolleres Produkt erzeugen zu müssen, ohne das es entsprechend höher vergütet wird, dass kann kein Unternehmen wirtschaftlich aushalten, egal was es produziert.

K. Berkemeier