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Das Geheimnis alter Kühe

Sowohl die LLG Iden als auch die Meutes GbR beeindrucken durch hohe Leistungen und besonders viele alte Kühe. Im Rahmen der RUW-Schau konnten wir ein Stück weit vom Erfolgsrezept und der Bedeutung von Zucht in beiden Betrieben erfahren.

In der vergangenen Woche fand die Verbandsschau der Rinder-Union West eG (RUW) statt. Erstmalig wurde den Besuchern vor dem klassischen Schauprogramm ein Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde geboten. Zu Beginn stellte Herdenmanager Hilmar Zarwel den bundesweit für hohe (Lebens)Leistungen bekannten landwirtschaftlichen Betrieb der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) in Iden vor. Darauf folgte die Diskussionsrunde zusammen mit Hilmar Zarwel, Betriebsleiter Peter Meutes und Zuchtberater Christoph Niehues-Pröbsting von der RUW.

Peter Meutes, Hilmar Zarwel und Christoph Niehues-Pröbsting betonten die große Bedeutung der Zucht.

Alt, älter, Iden!

Die LLG Iden liegt im nördlichen Sachsen-Anhalt und bietet die überbetriebliche Ausbildung, Fort- und Weiterbildungen sowie Praxisversuche an. Neben einer Fläche von insgesamt 1.218 ha, 120 Mutterkühen, 300 Mutterschafen und über 1.000 Schweinen gehören rund 420 Kühe inklusive der weiblichen Nachzucht zum "Milchsektor". Auf der diesjährigen German Dairy Show wurde der Betrieb mit dem Management-Award ausgezeichnet. Und das verdient, denn die Leistungsdaten der Milchkuhherde sind beeindruckend:

  • Eine durchschnittliche Milchleistung von 12.295 kg und eine Nutzungsdauer von 57 Monaten führten im Jahr 2018/2019 zu einer durchschnittlichen Gesamtleistung von 42.536 kg aller lebenden Kühe und einer durchschnittlichen Lebensleistung von 55.948 kg aller abgegangenen Kühe.
  • Im August 2018 sorgte zudem Carlotta, die in Iden beheimatete erste 200.000 Liter-Kuh Deutschlands, für Aufsehen. Bereits im Jahr 1976 stellte die LLG Iden mit der Kuh Calla die erste 100.000 Liter-Kuh in der DDR.
  • Im Zeitraum von 1976 bis 2018 erreichten insgesamt 120 Kühe die 100.000 Liter-Grenze im Idener Stall.

Die hohen Lebensleistungen resultieren laut Zarwel nicht nur aus dem hohen Alter der Kühe, sondern auch aus deren genetischem Potenzial. Zum einen müsse das Potenzial für eine hohe Milchleistung gegeben sein, zum anderen seien funktionale Merkmale wichtig, damit die Kühe alt werden können. Bereits im Jahr 2000 habe man sich in Iden auf das folgende Zuchtziel festgelegt:

  1. Leistung: 11.500 kg, 3,6 - 3,8 % Fett, 3,4 % Eiweiß
  2. Exterieur: mittelrahmig, funktionale Fundamente und Euter, > 4 Laktationen
  3. Mindest-Zuchtwerte: Milch > 800, Fundament > 115, Euter > 115, Nutzungsdauer (RZN) > 115

Neben der züchterischen Arbeit sind dem Herdenmanager eine intensive Kälberaufzucht, eine maximale Futteraufnahme in allen Laktationsstadien sowie ein komfortabler "Urlaub" für Trockensteher besonders wichtig.

Wenn Sie noch mehr über den Betrieb, das Management und die beeindruckende Herde in Iden erfahren möchten, finden Sie hier die Betriebsreportage " Alt, älter, Iden! "

Zucht spiegelt sich wider

In der Podiumsdiskussion stand die Bedeutung der Zucht im Fokus. Sowohl Hilmar Zarwel als auch Peter Meutes sehen in der Zucht einen entscheidenden Bestandteil des Betriebsmanagements. "Etwa 20 % des Betriebserfolges liegt in der Zucht", betont Zarwel. Dabei spielen genomische Zuchtwerte der weiblichen Tiere auf beiden Betrieben eine zunehmende Rolle. Züchter Peter Meutes ist "Herdentypisierer der ersten Stunde" und baut bei Anpaarungs- und Selektionsentscheidungen vor allem auf die Gesundheits- und Leistungszuchtwerte.

Dass sich die (positiven und negativen) genomischen Zuchtwerte der Nachzucht in den beiden Betrieben auch später im Stall bei der melkenden Kuh (positiv und negativ) widerspiegeln, zeigt sich in den folgenden Grafiken. Ein Vergleich der genomischen Zuchtwerte mit den tatsächlichen phänotypischen Daten bestätigt sich sowohl bei Leistungs- als auch bei Exterieur- und Gesundheitsmerkmalen. Übereinstimmend äußerten sich beide Züchter, dass man mit Hilfe der genomischen Zuchtwerte bereits im Kälberalter einen effizienten Selektionsschritt für die Remontierung der Herde machen kann. Darüber hinaus sei man in der Lage, die verbleibenden Tiere entsprechend dem eigenen Zuchtziel für die nächste Kuhgeneration im Stall viel exakter anzupaaren. Gleichzeitig bleibe aber natürlich das Management im Stall, vor allem bei sehr alten Kühen, von großer Bedeutung.


Ehren-Auftritt

Auch im Schauprogramm galt den älteren Damen besondere Aufmerksamkeit. Die Holsteinkühe mit den höchsten Lebensleistungen der diesjährigen Schau wurden vor der Wahl des Grand Champion noch einmal separat präsentiert. Die acht Kühe kamen im Durchschnitt auf eine Leistung von fast 100.000 Litern. Drei Kühe haben die Grenze von 100.000 Litern bereits überschritten. Mit 140.000 Litern Milch in nur sieben Laktationen bewies die Percy-Tochter Amercy (Volker Elsermann, Hamminkeln) die höchste Lebensleistung. Zur schönsten alten Dame wurde die Lauthority-Tochter Laura (Christoph Hamacher, Kürten) gekürt. Den Grand Champion Titel über alle präsentierten Kühe gewann in diesem Jahr die beeindruckende Impression-Tochter Lara (Köster KG, Steinfurt).