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JAM 2015

Dairy Science: Die wichtigsten Trends vom JAM 2015

Auf dem Jahrestreffen der Milchkuh-Wissenschaftler (JAM) wurden in dieser Woche in Orlando (Florida) rund 2.000 Forschungsergebnisse präsentiert. Die wichtigsten Trends im Überblick.

Jährlich rufen die beiden größten Wissenschafts-Organisationen der USA, die sich mir Rindern und Kühen beschäftigen (American Dairy Science Association und die American Society of Animal Sciences), zum Erfahrungsaustausch bzw. zur Präsentation der neuesten Forschungsergebnisse auf. In diesem Jahr fanden 3.320 Wissenschaftler den Weg nach Orlando (Florida), wo das Jahrestreffen (JAM 2015) ausgerichtet wurde – ein neuer Teilnehmer-Rekord.

Während der viertägigen Session (zuvor hatte bereits INTERBULL geladen) wurden rund 2.500 „Poster“ präsentiert. Rund 85 bis 90 Prozent davon entfallen auf den Rinderbereich, davon wiederum der Großteil auf die Milchproduktion.

Während fast 2.200 der Kongressteilnehmer in den USA leben, kommen 210 aus Asien sowie 259 aus Mittel- und Südamerika. Zudem haben einige Afrikaner und Europäer den Weg in die USA gefunden (aus Deutschland u.a. von der FU Berlin und der TiHo Hannover). Insgesamt waren 58 Länder, 375 Universitäten, 412 Unternehmen, 76 Regierungsstellen sowie 56 Verbände in Orlando vertreten.

Relevante Trends aus Sicht der Praxis

Foto: Veauthier
Aus Sicht der Praxis wurden etliche interessante Themenbereiche diskutiert; zudem wurden auch viele praxisrelevante Forschungsergebnisse präsentiert.

Aufzucht: Sehr intensiv widmeten sich gleich mehrere Forschungsgruppen der Aufzucht, vor allem die Tränkephase scheint zunehmend in den Fokus der Wissenschaft zu rücken. Ein besonderes Augenmerk gilt hier dem Einfluss der Ernährung und Haltungsbedingungen vor dem Absetzen auf die weitere Entwicklung (bis hin in die Laktation). Es deutet sich an, dass hier ein Umdenken erfolgt. Wurde während der letzten Jahre doch verstärkt die rationierte Milchtränke und die Igluhaltung propagiert, scheint jetzt die Empfehlung in Richtung ad libitum-Tränke (Vollmilch bzw. hochwertiger MAT) sowie Kleingruppenhaltung (Socializing) zu gehen. Zudem stand im Fokus mehrerer Studien der Einfluss von Hitzestress bei un- bzw. neugeborenen Kälber auf deren Entwicklung.

Gesundheit: Auffällig war, dass bei den US-Forschungsteams mittlerweile die Prophylaxe bzw. die Früherkennung von (Stoffwechsel)Erkrankungen stärker in den Fokus rückt. Eine große Rolle spielt dabei sicherlich die mittlerweile ausgereifte Sensortechnik (Dairy Precision Farming), die es erlaubt, über 24 Stunden täglich die Aktivitäten der Kühe aufzuzeichnen. Vor allem die Vorgänge im Pansen (Wiederkauverhalten, Temperatur) scheinen Aufschluss über den Gesundheitsstatus der Kuh zu offenbaren. Aber auch mit Hilfe anderer Biomaker lässt sich das Auftreten von Krankheiten frühzeitig vorhersagen.

Reproduktion: Bahnbrechende Erkenntnisse wurden in diesem Bereich nicht präsentiert. Allerdings konnte in einigen Studien aufgezeigt werden, wie sich die Trächtigkeitsraten sowohl bei Rindern als auch bei Kühen noch steigern lassen (u.a. durch Anpassung von Ovsynch-Programmen). Zunehmend mehr Wissenschaftler suchen im Erbgut nach Auslösern von Fruchtbarkeitsstörungen, wie die zahlreich vorgestellten „Poster“ belegen. Hier wird es in den kommenden Jahren wohl noch etliches zu berichten geben (programmierte Kuh).

Fütterung: Zwei Themenkomplexe haben die Fütterungs-Session dominiert: Die Minderung von Emissionen (insbesondere von Methan) durch die Zugabe von bestimmten Stoffen (ja, es geht!) und die höhere Ausnutzung der Nährstoffe (Erhöhung der Verdaulichkeit). Daneben wurden auch noch einige interessante Studien zum Thema Einfluss der Rationsgestaltung auf die Stoffwechselgesundheit diskutiert. Es scheint, als würden stärkeärmere Futterrationen hier Vorteile bringen. Weitere interessante Ergebnisse brachten Fütterungsversuche mit geschützten Aminosäuren und Hefen.

Umwelt/Haltung: Dieser Themenkomplex zog sich nahezu durch alle Session, da die Haltungsbedingungen naturgemäß die Leistungsbereitschaft und die Tiergesundheit beeinflussen. Interessant ist, dass sich die „Dairy Science-Wissenschaftler“ hier ihr Augenmerk mehr und mehr auf die Transitphase, insbesondere auf die Trockenperiode richten. Allerdings dürften die Ergebnisse der Praxis nicht unbedingt schmecken, denn die Aussagen sind eindeutig: mehr Platz = höhere Leistungen + bessere Tiergesundheit! Schon eine 100%ige Belegung der Ställe (bei Kühen eine Kuh pro Liegebox, bei Kälbern ca. 3 m²) scheint abträglich zu sein.

Offizielle Infos zum JAM 2015 finden Sie hier

Wir werden die wichtigsten (praxislevanten) Ergebnisse in den kommenden Wochen für unsere Leser aufbereiten und Ihnen in den kommenden Elite-Ausgaben präsentieren!