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B.M.G. beantragt vorläufige Insolvenz

Die Situation um den Milchhändler Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft B.M.G. spitzt sich zu, es wurde ein vorläufiger Insolvenzantrag gestellt. Die angespannte Lage der Milcheinfuhrgesellschaft versetzt Milcherzeuger sowie deren Verbände in Sorge.

Die Situation um den Milchhändler Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft (B.M.G.) spitzt sich zu. Das Unternehmen hat Freitag einen vorläufigen Insolvenzantrag stellen müssen. Der Insolvenzverwalter habe versichert, dass es im Interesse aller liegt, die Firma weiterzuführen und am Markt neu zu positionieren. Die B.M.G. hat gegenüber ihren Milcherzeugern erklärt, die Milch weiterhin abzuholen und zu verarbeiten. Weitere Informationen werde es am 12. oder 13. März geben.

Hintergrund: Basispreis von lediglich 20 Cent im Januar

Die B.M.G. steht bereits seit Januar 2018 in der Kritik. In einem Schreiben vom 11. Januar hatte das Unternehmen seinen Lieferanten mitgeteilt, dass „wir ab sofort einen einheitlichen Basispreis für alle Milchsorten von 20,0 ct/kg monatlich ausweisen und entsprechend den vertraglichen Gegebenheiten einen zusätzlichen Preisausgleich auszahlen.“ Dem in ganz Deutschland und einigen Nachbarländern tätige Milchhändler wird damit vorgeworfen, bestehende Lieferverträge nachweislich nicht eingehalten zu haben. Hier gibt es allerdings auch gegenteilige Meinungen.

Das Anschreiben führte dazu, dass sich B.M.G.-Lieferanten nach neuen Abnehmern umsehen. In einem Schreiben vom 28. Februar habe sich die B.M.G. für die Irritationen und verärgerten Reaktionen zum Januar-Auszahlungspreis entschuldigt.

Vergangene Woche Dienstag, 6. März, fand in Berlin eine Gesellschafterversammlung der B.M.G. statt. Über die Inhalte und Ergebnisse hat die Milcherzeugergemeinschaft NRW ihre Mitglieder in einem Schreiben informiert. Darin steht wörtlich: „Themen waren, wie und ob der Geschäftsbetrieb der B.M.G. weitergehen kann. Auch die Insolvenz stand zu Diskussion. Es wurde entschieden, dass bis zum 13.03.2018 ein Sanierungskonzept vorliegen muss, über das entschieden werden soll. Falls das Sanierungskonzept nicht angenommen wird, droht immer noch eine Insolvenz."

Bekannt ist jetzt auch, dass Peter Gerber aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist. Der frühere Geschäftsführer und aktuelle Aufsichtsratvorsitzende Erhard Buchholz sei dafür wieder aktiviert worden. Ihm wird zugetraut, das verlorengegangene Vertrauen bei Lieferanten und Banken zurückzugewinnen und das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Im Jahr 2016 hat die B.M.G. nach eigenen Angaben ca. 1.150 Mio kg Milch gekauft, aktuell sind Mengen von ca. 950 Mio. kg Milch im Gespräch.

MEG Milch Board fordert Rettung des Milchhändlers B.M.G.

Die angespannte wirtschaftliche Lage der Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft hat auch die Verbände der Milcherzeuger in Sorge versetzt. Eine Pleite der B.M.G. hätte nach Ansicht der MEG Milch Board katastrophale Folgen für viele Milcherzeuger und Erzeugerorganisationen und ist daher mit allen Mitteln zu verhindern. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die Milchkaufverträge von beiden Seiten erfüllt oder im Einzelfall geordnet beendet werden, erklärte die MEG Milch Board am vergangenen Donnerstag (8.3.) in einer Pressemitteilung.

Die MEG geht davon aus, dass die B.M.G. in diesem Jahr für rund 300 Mio. kg Milch aufgrund der aktuellen Marktsituation nur eine äußerst schlechte Verwertung habe – das entspräche rund 1 % der deutschen Milchmenge. „Diese Milch wird derzeit absolut nicht benötigt und sollte daher gar nicht erst produziert werden. Deswegen darf es nicht passieren, dass nun die Milcherzeuger wieder einmal allein die Zeche für einen schweren Systemfehler zahlen“, mahnte der MEG-Vorstandsvorsitzende Peter Guhl.

Der Milch Board-Vorstandsvorsitzende Peter Guhl hat selbst einige Jahre mit seiner lokalen MEG in Mecklenburg-Vorpommern Milch an die B.M.G. verkauft. Laut Guhl war es erstmals mit diesem Partner möglich, konkrete Mengen in Milchkaufverträgen festzulegen.
"Die Geschäftsbeziehung mit Herrn Buchholz war von gegenseitigem Respekt und Vertrauen gekennzeichnet. Daher vermute ich, dass dem nun abgesetzten Geschäftsführer Gerber wohl an der einen oder anderen Stelle taktische Fehler unterlaufen sind“, so Guhl.

Auch wenn die alte Geschäftsführung der B.M.G. selbst wohl „taktische Fehler“ begangen habe, sei die jetzige Situation auch ein trauriger Beweis für die fatale Tatenlosigkeit der Politik. „Gäbe es morgen ein Signal für ein weiteres Programm zur Mengenreduzierung, wäre die Misere augenblicklich beendet“, erklärte Guhl.

Hier finden Sie die original Pressemitteilung des MEG Milch Board.

BDM fordert die B.M.G. für mehr Wettbewerb zu Not mit Bürgschaften zu retten

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) gibt der strukturellen Schieflage am Milchmarkt eine Mitschuld an den Schwierigkeiten der B.M.G. „Noch immer wälzt die Molkereiwirtschaft das Marktrisiko in angespannten Milchmarktsituationen auf die ihnen vorgelagerten Lieferanten ab“, kritisierte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber. Der ins Trudeln geratene Milchhändler habe für die Milcherzeuger eine hohe Bedeutung, da er zumindest für ein bisschen mehr Wettbewerb im Milchmarkt sorge, indem er bundesweit Milch von Erzeugern aufnehme, die mit ihren regional ansässigen Molkereien unzufrieden seien.

Der BDM bedauert, dass schon in der Vergangenheit zahlreiche Initiativen einer freien Milchvermarktung  - und damit für mehr Wettbewerb im Milchmarkt – unter den bestehenden Marktbedingungen regelmäßig gescheitert sind.

„Den Milchkuhhaltern darf kein zusätzlicher wirtschaftlicher Schaden entstehen“, betonte Schaber. Er forderte daher, dass die Politik der B.M.G. im Notfall auch mit Bürgschaften wieder auf die Beine helfen müsse. Sollte der Milchhändler von anderen Molkereiunternehmen „einverleibt“ werden, würde der Milchmarkt deutlich an Wettbewerb verlieren.

Der BDM-Vorsitzende rief die Politik zudem erneut dazu auf, sich auf EU-Ebene für die Erweiterung des Sicherheitsnetzes um zeitlich befristete Mengendisziplinmaßnahmen einzusetzen. Nur damit könne verhindert werden, dass das Marktrisiko regelmäßig auf die Milchkuhhalter und -händler abgewälzt werde. 

Hier finden Sie die original Pressemitteilung des BDM.

Quelle: AgE; BDM; MEG; topagrar;

Bearbeitet: Berkemeier