Auf den richtigen Mais setzen

Zahn-oder Hartmais, Stay-Green oder Dry Down-Sorten? Welcher Mais eignet sich am besten? Und welche Alternativen bieten sich nach dem Verbot der oft genutzten Beizen Mesurol und Thiram an? Hier finden Sie Antworten:

Bald klopfen wieder die ersten Vertreter der Saatgutunternehmen an die Tür um ihre Produkte anzupreisen. Jeder hat angeblich den besten bzw. den idealen Mais im Angebot. Worauf sollte bei der riesigen Auswahl geachtet werden? Fakt ist, dass nur eine Sorte, die zum Standort und den Verwendungszweck passt, das Potenzial der Maissilage vollständig ausreizen kann. Es empfiehlt sich, die Sortenempfehlungen der Landwirtschaftskammern als Orientierungshilfe zu nehmen, diese sind bereits oder werden bald veröffentlicht.

Weitere Entscheidungskriterien

Die nutzungsübergreifenden Eigenschaften, auf die geachtet werden muss, sind eine zügige Jugendentwicklung, Kältetoleranz, gute Standfestigkeit und eine geringe Bestockungsneigung. Spezifisch für einen Milchkuhbetrieb sind folgende Parameter wichtig:
  • Hohe Energiedichte in der Trockenmasse
  • Hoher Anteil weitgehende ausgereifter Stärke
  • Hoher Ertrag in der Gesamtrockenmasse
  • Hohe Verdaulichkeit der Restpflanze
  • Sichere und gesunde Abreife ohne Fusariumbildung
  • Gute Ernteflexibilität, um die optimale Silierfähigkeit über einen längeren Zeitpunkt aufrechtzuerhalten

Unterschiedliche Sortentypen

Bei Mais gibt es Sortentypen, die sich in Wuchs und Abreife unterscheiden. Stay green Sorten besitzen ein gute Silierfähigkeit und hohes Ertragspotenzial. Sie zeichnen sich durch ihr weites Erntezeitfenster aus; die Siloreifezahl ist größer als die Körnerreifezahl (z.B. S250/K220). Dry Down Sorten haben im Vergleich dazu ein raschere Abreife, das Erntezeitfenster ist relativ kurz. Hier ist die Siloreifezahl kleiner als die Körnerreifezahl (z.B. S220/K240). Zur Auswahl gibt es noch den Sortentyp harmonische Abreife. Dieser Typ liegt zwischen den beiden genannten. Die Abreife von Kolben und Restpflanze erfolgt bei diesem Typ relativ gleichzeitig. Dies erkennt man an der gleichen Silo- und Körnerreifezahl (z.B. S230/K230)

Zahn- oder Hartmais?

Auch hier sollte betriebsindividuell entschieden werden. Hartmais hat Vorteile auf kalten schweren Böden. Zahnmais kann seine Vorteile vor allem auf leichteren Böden ausspielen, er zeigt eine größere Toleranz gegenüber hohen Temperaturen und die Fähigkeit, längere Trockenphasen zu überbrücken. Zahnmais siliert zudem schneller durch, weil davon ausgegangen wird, dass die Stärke weicher ist. Entsprechend kann die Kuh auch mehr Stärke im Pansen aufnehmen. Im Gegenzug hat Hartmais mehr „Bypass-Stärke“ (Durchflussstärke), die dann im Dünndarm aufgenommen werden soll. Die genannten Vorteile sollten aber nicht überbewertet werden, entscheidend ist letztlich immer der absolute Stärkegehalt.


Neuer Beizschutz

Zur Aussaat 2020 fallen die Beizstoffe Thiram (Fungizid) und Mesurol (Insektizid mit Wirkung gegen Vogelfraß) weg. Dies versuchen die Saatgutanbieter mit unterschiedlichen Alternativ-Beizen und Zusatzstoffen auszugleichen. Auf einen fungiziden Beizschutz sollte keinesfalls verzichtet werden. In Deutschland sind hierfür zurzeit nur Maxim XL und Rediogo M zugelassen. Doch es kann auch zwischen Beizen aus anderen EU-Ländern gewählt werden, solange der Beizvorgang des Saatgutes im jeweiligen Land erfolgt. Denn die Zulassung des Beizmittels bezieht sich auf die Beizung (die Anwendung) selbst und nicht auf die Anbauregion. Dort, wo ein Befall vom Drahtwurm wahrscheinlich ist, empfiehlt sich zusätzlich Sonido als Beizschutz. Diese Beizung muss allerdings wegen ihrer Zulassung in Frankreich erfolgen. Als Wirkstoff gegen Vogelfraß wird Ziram angeboten. Erfahrungen mit diesem Produkt sind laut den Landwirtschaftskammern aber nicht bekannt.
Oft werden von Saatgutfirmen unterschiedliche Nährstoffbeizen oder spezielle Biostimulanzien angeboten.
Viele Unternehmen versuchen, sich so ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen. Doch mangels neutraler Versuche ist nur wenig über die Wirkung bekannt.Erste Versuche der Landwirtschaftskammer NRW zeigen jedoch weder optische noch ertragliche Vorteile.
Zu warnen ist vor der Mitnahme" von Beizmittel-Restbestände in das Jahr 2021. Denn zahlreiche der fungiziden Beizen sind nur bis 2020 zugelassen. Bei entsprechenden Kontrollen könnten also erhebliche Schwierigkeiten auf den Landwirten zukommen.
Quelle: Norbert Erhardt (LWK NRW), Wochenblatt, Elite Extra Mais


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