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Jahrespressekonferenz der Landesvereinigung Milch NRW

Am Milchmarkt wieder "alles im Fluss"?

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW hat zur jährlichen Pressekonferenz eingeladen. Informiert wurde über den Milchmarkt 2017 und Perspektiven für 2018.

Strukturwandel, Markt-Aussichten 2018 und die überhöhten Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels waren die Hauptthemen der Jahrespressekonferenz der Landesvereinigung der Milch NRW.

Strukturwandel bei 5,4%

Die stabilisierte Marktlage hat sich im vergangenen Jahr auf den Strukturwandel ausgewirkt. Im Vergleich zum Vorjahr (knapp 10%) haben in 2017 mit 5,4% deutlich weniger Milchkuhhalter ihr Produktion beendet. Darauf wies Dr. Rudolf Schmidt (Geschäftsführer Milch NRW) hin. Aktuell steige die Milchanlieferung wieder, während die Nachfrage eher stabil ist. Dementsprechend kündigen die Molkereien geringere Auszahlungspreise an (bereits schon fünf Cent weniger), was die Aussichten für 2018 trübt.

Überzogene Forderungen des LEH

Über den Anteil an GVO-freier Milch in der Anlieferungsmilch für Molkereien wurde ebenfalls auf der Pressekonferenz diskutiert. Die Landesvereinigung erklärte, dass GVO-freie Milch mittlerweile größtenteils zum deutschen Standard (Anteil > 40 %) zählt. Dies nahmen die beiden Vorsitzenden der Landesvereinigung Hans Stöcker und Wilhelm Brüggemeier auch zum Anlass Kritik zu üben an den immer höheren Produktionsstandards, die der  Lebensmitteleinzelhandel (LEH) den Molkereien und damit den Milcherzeugern diktiere, ohne für die Kosten ausreichend aufzukommen. Zu befürchten sei beispielsweise auch, dass der Einsatz von Glyphosat künftig vom LEH abgelehnt werden könnte. Eine deutsche Molkerei habe ihren Lieferanten bereits den Einsatz auf eigenen Futterflächen verboten. Brüggemeier bezeichnete die Diskussion um Glyphosat als ein Beispiel für das „postfaktische“ Zeitalter. Eine krebserregende Wirkung sei nicht nachgewiesen und die Grenzwerte würden immer unterschritten. Bei schädlichen Substanzen, die im ständigen Gebrauch seien wie Alkohol, Farbstoffe oder Chemikalien sehe der Verbraucher weg.

Marktsignale zu spät beim Milchkuhhalter

Auch die Frage „Kommen die Marktsignale zu spät beim Landwirt an?“ wurde von den Konferenzteilnehmern (Tages- und Fachpresse) thematisiert. Man war der Ansicht, dass eine schnellere Reaktion der Preisentwicklung auf die Nachfrage erfolgen müsse. Denn die Preise sinken/steigen zeitlich versetzt zur Nachfrage. Die Vertreter der Landesvereinigung waren sich einig, dass bereits jetzt von Seiten der Molkereien schnell reagiert wird, um die Landwirte über die Marktsituation zu informieren. Diese Informationen werden aber erst wirklich wahrgenommen, wenn der Preis tatsächlich fällt. Darauf wurde das Beispiel von Friesland Campina als mögliche Lösung angesprochen. Für den Fall einer zu hohen Milchanlieferung hat die Genossenschaftsmolkerei Abschläge beim Preis für überlieferte Milch für einen begrenzten Zeitraum beschlossen.

Wichtig sei es, für die Zukunft, gegen sinkende Preise vorzusorgen, durch: Absicherung der Preise an der Warenterminbörse, Aufrufe der Molkereien an ihre Lieferanten zur Mengenanpassung sowie eine Branchenorganisation wie die Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft.

Text: Verfürth, Ostermann-Palz