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Allgäuland: Zoff mit Zott

Mit auf zehn Jahre garantierten, „deutlich überdurchschnittlichen Milchpreisen“ wirbt die Molkerei Zott aus Mertingen um die Bergbauernmilch im südlichen Oberallgäu. Die Rede ist von einem Milchpreis, der pro Kilo mehrere Cent über dem der Molkerei Allgäuland liegt. Und Zott hat auch Interesse am Milchwerk in Sonthofen, das zu Allgäuland gehört. Da ist Ärger programmiert, denn die Bergbauern-Genossenschaft (Allgäuer-Bergbauernmilch Sonthofen-Schönau eG) ist mit rund 24 % an Allgäuland beteiligt und somit ein maßgeblicher Gesellschafter und Milchlieferant der Allgäuland-Käsereien GmbH.

Das Herausbrechen der 1.000 Milcherzeuger der Bergbauern-Genossenschaft würde die angeschlagene Allgäuland in die Insolvenz treiben, befürchtet Bergbauern-Genossenschaftsvorstand Heinz Lipp, der zugleich auch Aufsichtsratschef bei Allgäuland ist. Um dies zu verhindern,hat Multifunktionär Lipp per einstweiliger Verfügung von Zott geplante Informationsveranstaltungen untersagen lassen. Von vier geplanten Veranstaltungen, bei denen Zott einige handverlesene Milchbauern der Bergbauern-Genossenschaft informieren wollte, konnte nur eine stattfinden. Laut Allgäuland habe man zuvor versucht, sich außergerichtlich und einvernehmlich mit der Zott GmbH darauf zu verständigen, die Versammlungen nicht durchzuführen. Dies sei aber von der Firma Zott abgelehnt worden.

Zott braucht dringend Milch

Die Firma Zott weist die Vorwürfe der Allgäuland-Käsereien zurück. Man sei selbst erst durch eine Initiative der Allgäuer Bergbauern auf deren Milch aufmerksam geworden, Vertragskündigungen der Bauern mit Allgäuland seien bereits vor dem Beginn der Verhandlungen mit Zott zustande gekommen. Christian Schramm, Chefmilcheinkäufer von Zott betonte zudem, dass man nicht einzelne Lieferanten herauskaufen und so die Genossenschaft zersplittern wolle. Interessiert sei man vielmehr an der gesamten Milchmenge der Bergbauern eG und auch am Werk in Sonthofen. Dort möchte Zott sogar investieren.

Die Vertragssituation zwischen Bergbauern-Genossenschaft und Allgäuland ist jedoch komplizierter, als es mancher Landwirt wahrhaben will. Denn sogar wenn es die Mehrheit der Genossen wollen würde: Die Bergbauern eG hat laut Gesellschaftsvertrag offenbar nicht die Möglichkeit, bei der Allgäuland-Käsereien GmbH per ordentlicher Kündigung auszuscheiden. Und selbst wenn eine Kündigung Erfolg hätte, wäre dann wohl das Milchwerk in Sonthofen für die Genossen bzw. für deren neuen Partner Zott verloren. Denn das Werk hat die Bergbauern eG in die Allgäuland GmbH „eingebracht“ und deshalb nun nur noch einen Abfindungsanspruch.

Die „Genuss-Molkerei“ Zott (Firmenslogan) findet rund um ihre beiden Verarbeitungsstandorte in Mertingen und Günzburg zu wenig Milch. Um die Rohstoffbasis sicherzustellen, sammelt die Molkerei deshalb bereits seit einigen Jahren Milch in NRW ein. Doch der Milchtourismus rechnet sich kaum noch, weshalb Zott nun verstärkt im Süden nach Milch sucht.

50 % der Milch in Kündigung

Die schwer angeschlagenen Allgäuland-Käsereien GmbH sieht sich derzeit mit einer riesigen Kündigungswelle konfrontiert. Nach Unternehmensangaben befinden sich ca. 37 % der Lieferanten bzw. 50 % der Liefermenge im gekündigten Zustand. Auslöser für diese bislang beispielslose Genossen-Flucht sind die niedrigen Auszahlungspreise (Februar 2010: Grundpreis von 22,39 ct bei 3,7 % Fett und 3,4 % Eiweiß) und die schwierige Finanzlage des Unternehmens. Gegenüber top agrar bezifferte Allgäuland-Geschäftsführer Marcel Mohsmann die Verbindlichkeiten der GmbH einschließlich der voll zu bilanzierenden Konzerntöchter auf 60 bis 65 Mio. €. Getrieben von dem Gespenst der Insolvenz hat Allgäuland für April eine Erhöhung des Milchpreises angekündigt.

Die Ertragskraft verbessern und so für den wirtschaftlichen Aufschwung bei Allgäuland sorgen soll ein Sanierungsprogramm, das u.a. eine Verschlankung des Sortiments und die Trennung von unrentablen Unternehmensteilen vorsieht. Zudem soll in wenigen Wochen eine gentechnikfreie Bergbauernmilch in die Regale kommen. Den Marken-Launch soll mit Paul Ritter ein neu berufener Vetriebsprofi steuern. Ritter wird ab dem 1. April 2010 den Vertrieb des Unternehmens leiten. Der Manager war zuvor bei den Molkereien Weihenstephan und Andechs als Vertriebsmanager tätig.

siehe auch:
Allgäuland: Geschäftsführung rausgeschmissen