Grasernte

10 Tipps zur Grassilage

Vielerorts startet der 1. Schnitt. Im Hinblick auf Fütterung und Futterknappheit ist eine möglichst hohe Qualität absolutes Ziel! Tipps, wie das gelingt.

In dieser Woche haben viele Milchkuhbetriebe mit dem 1. Schnitt angefangen oder sind zumindest in der Planung. 10 Tipps zu Gelingen!

1. Das Erntefenster nicht verpassen

Der optimale Schnittzeitpunkt liegt im Beginn des Ähren-/Rispenschiebens der Hauptbestandsbildner. Diese haben zu dem Zeitpunkt einen Rohfasergehalt von 22 bis 25% in der Trockenmasse (TM). In der Hauptvegetationsphase des ersten Aufwuchses nimmt der Rohfasergehalt täglich um 3 bis 8 g/kg TM zu. Das Erntefenster ist denn auch entsprechend kurz. Bei 8g Faserzuwachs kann nach 4Tagen bereits der Bestand zu alt sein (4x8 = 32; wenn bei 230g (23%) vier Tage abgewartet wird). Der beste Anwelkeffekt wird bei trockenem Boden und Pflanzen erreicht. Sinnvoll ist es deshalb, nach Regen einen Tag mit dem Mähen abzuwarten.
An einem regennassen Bestand haftet so viel Wasser, wie ein guter erster Schnitt verdunsten muss, um von 15% auf 35% TM zu kommen. Wenn allerdings kein trockenes Wetter in Aussicht ist, dann muss gemäht werden und ggf. ein Siliermittel (Wirkungsrichtung 1a) dem Erntegut zugegeben werden.

2. Besser höher mähen

Mähen Sie hoch mit einer Schnitthöhe von mindestens 8cm, Neuansaaten, Ackergräser und unebene Flächen mit 9cm. So landet weniger Schmutz in der Silage und die Gräser treiben schneller wieder aus. Passen Sie die Schnitthöhe über den Oberlenker an, geben Sie 1,5cm zur beabsichtigten Stoppelhöhe hinzu. Bei einem zu tiefen Schnitt (Rasierschnitt) nimmt der Schmutzeintrag in das Silo zu (max. 10% Rohasche pro kg TM). Erde wirkt puffernd und verhindert, dass sich der pH-Wert im Silo schnell absenkt. Zudem steigt das Risiko, dass Clostridien in das Siliergut gelangen. Diese begünstigen die Buttersäurebildung und sorgen für einen massiven Energieverlust. Setzen Sie bei Regen, Unebenheiten, bei Maulwurfshaufen oder intensiver Gülledüngung keinen Aufbereiter ein, sondern verteilen das geschnittene Gras später mit dem Wender. Besonders bei lückigen Beständen, z. B. durch Maulwurfs- oder Mäuseschäden, sollte auf die Verschmutzung durch Erdpartikel geachtet werden.

3. Wender und Schwader richtig einstellen

Die Trockenmasse kann durch die Ablage nach dem Schneiden bestimmt werden. Bei einer breiten Ablage nach dem Mähen sind es etwa 28% TM, bei einer Ablage im Schwad sind es 22% TM. Wender und Schwader sollten immer erst auf dem Feld eingestellt werden. Die Arbeitshöhe entspricht der Schnitthöhe! Die Zinken dürfen den Boden nicht berühren! Besonders Schwader älterer Bauart nicken durch die auftretenden Zugkräfte gerne nach vorne, sie fördern so Erde ins Schwad. Deshalb die Neigungswinkel der Kreisel nach vorne kontrollieren. Die optimale Geschwindigkeit beim Wenden beträgt 6 bis 7km/h, um eine gute Verteilqualität zu erreichen. Nach dem Anwelken sollte das Gras eine Trockenmasse von 28 bis 35% beinhalten. Das Häckselgut in der Faust zu pressen gibt Orientierung: Spürt man Saft zwischen den Fingern, liegt die TS im Bereich unter 30%.

4. 24-Stunden-Silage

Das Gras sollte max. 24 Stunden liegen. Jede weitere Nacht führt zum Veratmen von Zucker.

5. Trockenes Gras ganz kurz schneiden

Die empfohlene Häcksellänge bei Grassilagen liegt zwischen 1 und 4cm. Je trockener und älter das Gras geschnitten wird, desto kürzer muss die Häcksellänge sein. Gras mit 40% TM oder mehr als 25% Rohfaser sollte sehr kurz geschnitten werden (1cm theoretische Häcksellänge)! Kurze Schnitt- bzw. Häcksellängen erleichtern das Verdichten. Je nasser und je jünger das Erntegut, desto länger sollte die Häcksellänge gewählt werden (bei weniger als 28% TM die theoretische Häcksellänge auf mind. 2cm einstellen).

6. Das richtige Siliermittel zugeben

Bei ungünstigen Silierbedingungen (Futter sehr verschmutzt oder Trockenmasse unter 30%, kleereicher Bestand oder wenn bei Temperaturen von unter 8°C gehäckselt wird) ist die Zugabe eines Siliermittels angeraten (der Gärverlauf wird optimiert). Bei sehr trockenem Erntegut empfiehlt sich ein Silierzusatz der Wirkungsrichtung 2, um Nacherwärmung vorzubeugen (Erhöhung der Lagerstabilität der Silage).

7. Abladen und verdichten

Eine gute Walztechnik fördert die schnelle pH-Wert-Absenkung im Silo:
  • Das Gras immer über die gesamte Silostocklänge abladen (Schichtdicke max. 20cm).

  • Von Beginn an walzen, da sonst keine Tiefenwirkung möglich ist.

  • Walzgeschwindigkeit: 3 bis 4km/h, mindestens drei Überfahrten je Schicht.

  • Reifendruck hoch, über 2 bar.

  • Kein übertriebenes Nachwalzen am Ende, nur so lange, bis der Silostock noch federt.

8. Nicht an Folie sparen

Hefen und Schimmelpilze können nur bei Luftzutritt wachsen, benutzen Sie bei Seitenwänden eine Randfolie, befestigen sie diese während des Häckselns ordentlich, z.B. mit Schraubzwingen. Decken Sie den Silohaufen nach Beenden des Walzens sofort luftdicht mit einer Unterziehfolie (saugt sich direkt an das Siliergut an) und einer Siloplane ab. Auch bei Silierpausen (über Nacht) muss das Silo gasdicht verschlossen werden!

9. Ballensilage wickeln

Wenn keine Press-Wickel-Kombination verwendet wird, sollten die Silageballen spätestens drei Stunden nach dem Pressen mit acht Lagen Stretchfolie umwickelt werden.

10. Sechs Wochen Ruhezeit

Lassen Sie das Silo mindestens sechs Wochen verschlossen, besser drei Monate. Nach dem Öffnen kann Sauerstoff bis zu einen Meter tief in das Silo eindringen, achten Sie deshalb schon bei der Siloplanung für den nötigen Vorschub: Im Winter 1,5 bis 2,0m, im Sommer 2,5 bis 3,0m pro Woche. So lässt sich eine Nacherwärmung im Silostock vermeiden.
Hier finden Sie weitere Tipps, wie Sie Wildtiere und Futterqualität beim 1. Schnitt schützen:
Richtig mähen für Wildschutz und saubere Silagen.


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