Partner von

Weissrussland plant deutliche Steigerung der Milchproduktion

Weissrussland
Die durchschnittliche Milchleistung je Kuh beträgt mittlerweile knapp 5.000 kg. Foto: Jeremy Hogan / Alamy Stock Foto

Die Republik Weißrussland plant in den kommenden Jahren das Milchaufkommen deutlich, um rund 20 Prozent, zu steigern. Etwa 60 % der in Weißrussland erzeugten Milcherzeugnisse werden exportiert. Damit gehört Weißrussland mittlerweile zu den Top 5 der weltweit größten Milchexporteure. Experten befürchten jedoch, dass einige Produkte erhöhte radioaktive Strahlung aufweisen könnten.

Laut einer aktuellen Prognose werden in Weißrussland im Jahr 2017 rund 7,3 Millionen Tonnen Rohmilch produziert, etwa 2,8% mehr als noch im Jahr 2016. Bis 2020 soll das Milchaufkommen  auf 9,2 Millionen Tonnen Milch ansteigen. Dies erklärte Alexey Bogdanov, Abteilungsleiter im weißrussischen Ministerium für Landwirtschaft und Lebensmittel.

Laut UN-Angaben gehört die Republik Weißrussland zu den TOP 5 der größten Exporteure von Milchprodukten. Im Jahr 2016 erlöste Weißrussland durch den Export von Milchprodukten 1,8 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2017 wird der Export von Milchprodukten voraussichtlich um 190.000 Tonnen anwachsen, die Deviseneinkommen dürften sich dadurch um fünf Prozent auf zwei Milliarden US Dollar erhöhen.

Weißrussland verfügt über einen enormen Milchüberschuss. Die Höhe des pro Kopf-Milchverbrauchs liegt bei  251 kg, ermolken werden umgerechnet jedoch 752 kg pro Kopf. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei 220 Prozent.

China im Fokus

Laut Alexey Bogdanov konzentrieren sich Milchexporte Weißrusslands derzeit verstärkt auf die EU-Länder. Dies erklärt sich aus hohen Preisen für Milchprodukte und der Nachfrage nach Milchprodukten in der EU. Im Jahr 2016 legten die Milch-Exporte Weißrussland in Richtung EU um 98,4% zu. 

Künftig will die Regierung in Minsk den Export teilweise jedoch nach Asien umlenken. Insbesondere Vollmilchpulver soll nach China ausgeführt werden (die produktion von Milchpulver soll um 230 % anwachsen). Im Jahr 2016 lieferte Weißrussland Milchprodukte im Wert  eine Million US Dollar nach China, von Januar bis August diesen Jahres stiegen die Exporte um 19,6% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bislang wurden 2017 bereits 4,1 Millionen Dollar erlöst. Zudem hat Weißrussland Georgien als neuen Abnehmer von Milchprodukten ausfindig gemacht. Der Export von Milchprodukten in den kaukasischen Saat ist in den ersten acht Monaten von 2017 um 7,2% auf 5,6 Mio. Dollar angestiegen.

Probleme mit mit dem großen Nachbarn Russland

Weißrusskand ist gezwungen, neue Exportkanäle zu suchen, denn im Frühjahr 2017 hat die russische Lebensmittelaufsicht Rosselchosnadsor den Import von Butter, Milchpulver und Käse aus Weißrussland eingeschränkt. Begründet wurde der Schritt mit dem Hinweis auf Verunreinigungen: Milchprodukte einiger weißrussischer Hersteller würden Spuren von Arzneimitteln enthalten. Noch 2015 importierte Russland rund 167.000 t Käse aus Weißrussland. In den letzten Jahren gingen 90 % der Milchexporte allein nach Russland. Im Käsesegment liegt der weißrussische Anteil an den russischen Importen bei 78 %; im Bereich der Trockenmilcherzeugnisse sind es sogar 96 %. Kürzlich hatten sich beide Länder nach Handelsstreitigkeiten laut Presseberichten darauf geeinigt, wieviel Agrarprodukte in diesem Jahr gegenseitig geliefert werden sollen.

Der Milchkuhbestand in Weißrussland war in den vergangenen fünf Jahren leicht rückläufig. Allerdings gelang es durch Produktivitätszuwächse die erzeugte Milchmenge auszudehnen. Die durchschnittliche Milchleistung je Kuh konnte 2016 gegenüber dem Vorjahr um 89 kg oder 1,9 % auf 4.854 kg gesteigert werden.

Die Spätfolgen von Tschernobyl

Angeblich wird aus Regionen in Weißrussland, die seit dem atomaren SuperGAU von Tschernobyl radioaktiv belastet sind, Milch nach Russland exportiert. Als am 26. April 1986 in Tschernobyl in der damaligen ukrainischen Sowjetrepublik der Atomreaktor 4 explodierte, verbreitete sich die radioaktive Wolke fast über die halbe Welt. Besonders stark wurden dennoch die Weißrussland verstrahlt. 70 Prozent des radioaktiven Fall-Outs gingen im Osten des Landes nieder. In tiefere Bodenschichten gespülte radioaktive Isotope können heute noch über Pflanzenwurzeln wieder an die Oberfläche gelangen. Von dort gelangt die Radioaktivität in den Nahrungskreislauf der Milchkühe. Untersuchung der Milch, die ein Journalist der Nacrichtenagentur von Associated Press (AP) beim städtischen Zentrum für Hygiene und Epidemiologie in Minsk durchführen ließ, ergab, dass die Grenzwerte für Strontium-90 um das Zehnfache überstiegen werden. Die weißrussischen Behörden machen keinen Hehl daraus, dass im "Staatlichen radioökologischen Reservat Polesien", wie das Gebiet heißt, Flächen wieder landwirtschaftlich genutzt werden, die nach dem Tschernobyl-GAU als ungeeignet eingestuft worden waren. "Es ist richtig, dass wir mit der Rehabilitierung dieser Gebiete beginnen", sagte Präsident Alexander Lukaschenko anlässlich des 30. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl.

Die ehemalige Sowjetrepublik Weißrussland wurde bei der Auflösung der Sowjetunion 1991  unabhängig. Laut der Volkszählung beträgt die Bevölkerung Weißrusslands knapp 9,5 Millionen Einwohner (Stand 2009). Weißrussland ist am stärksten von der Katastrophe von Tschernobyl (1986) betroffen, die ca. 25 Prozent der Landesfläche, besonders im Osten und Süden, kontaminiert hat.


Quelle: DairyNews.ru; dw.com

Schlagworte

Belarus, Milchprodukte, 2020, Bogdanov, Georgien, Weißrussland, Milch, Rohmilch, Milchverbrauchs, Vollmilchpulver

Kommentare

Kommentarfunktion de-/aktivieren

Kommentar hinzufügen...
Kommentieren

Fortbildung zum Elite-Herdenmanager

EliteHerdenmanager Elite-Intensivfortbildung für Milchprofis 2017! Lernen Sie, Ihr Herden­management zu optimieren und die Tiergesundheit zu verbessern!

Infos und Anmeldung...

DüngeVO und AwSV: Das müssen Sie im Herbst beachten

Gülle

Mit der Düngeverordnung und der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sind gleich zwei neue Verordnungen scharf geschaltet. Ihre Regelungen sind... Weiterlesen: DüngeVO und AwSV: Das müssen Sie im Herbst beachten …