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Spiegel: "Kälber für die Tonne"

Bullenkälber
Jetzt hat die Presse auch die Milcherzeugung auf dem Kieker. In dem Artikel "Kälber für die Tonne" wird den Milcherzeugern vorgeworfen ihre Bullenkälber zu töten oder sie verrecken zu lassen. Foto: Ostermann-Palz

Jetzt sind die Milcherzeuger dran. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat in seiner neuesten Ausgabe nun auch die Milcherzeuger ins Visier genommen. Nach Aussage des Magazins werden in Deutschland Bullenkälber illegal getötet oder dem Tod überlassen. Gründe seien das Ende der Milchquote und der Verlust des Bezugs zum Tier.

In den deutschen Milchviehställen werden immer mehr Bullenkälber heimlich und illegal getötet oder dem Tod überlassen, berichtet Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe (Link). Zudem griff das Thema auch Spiegel online (Link) auf. Ähnlich wie bei männlichen Eintagsküken, die geschreddert oder vergast würden, seien auch Bullenkälber von Milchkühen kaum mehr rentabel aufzuziehen und würden oft getötet – obwohl das nach dem Tierschutzgesetz strafbar ist, so das Nachrichtenmagazin. Grund sei der Preis für Bullenkälber, der vergangenes Jahr auf deutlich unter 50 € pro Kalb gesunken war.

Bislang hätten die Milchbauern die Bullenkälber 14 Tage lang aufgezogen und dann an spezialisierte Mastbetriebe verkauft. Dort seien sie ein paar qualvolle Monate lang eng an eng in dunklen Hallen gemästet worden. Weidegang hätte es für sie nicht gegeben, auch Tageslicht hätten viele nur auf dem Weg zum Schlachter gesehen. "Es ist ein kurzes, hässliches Leben - aber immerhin ein Leben", schreiben die Spiegel-Autoren in dem Artikel, den sie mit "Kälber für die Tonne" betiteln. Manche Landwirte würden ihre männlichen Kälber gleich nach der Geburt töten. Andere würden sie krank werden und verrecken lassen. Ursache dieser Entwicklung sei der Preisverfall ausgelöst durch den Wegfall der Milchquote und das besonders in großen Betrieben mit Hunderten Tieren der direkte Bezug zu den Rindern verloren gegangen sei.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördere unbeirrt des bestehende System und wolle sogar zunehmend das Ausland mit deutschen Milchprodukten beglücken, heißt es weiter in dem Artikel. CSU-Minister Christian Schmidt habe das Thema Agrarexport zur Chefsache ernannt. Das wiederum bedeuten würde, dass die Produktion noch schneller, größer und effektiver werden müsse.
Völlig unkritisch habe sich der Bauernverband "die Lehre von Effizienz, Masse und Kosten, die Mär von der Notwendigkeit durchökonomisierter Tierfabriken zu eigen gemacht", so Anneli Wehling, Milcherzeugerin aus Schleswig-Holstein. Mit seiner einseitigen Sicht habe der DBV seine Mitglieder dazu erzogen, es für völlig normal zu halten, dass Tiere heute wie eine Ware behandelt werden.

Update 30.4.15

Landwirtin erhebt Vorwürfe gegen Spiegel

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat mit dem Inhalt des Artikels "Kälber für die Tonne" nicht nur bei seinen Lesern sondern auch in eigener Sache großen Wirbel verursacht. Denn jetzt meldet sich die zitierte Milcherzeugerin  über den Nachrichtendienst "top agrar online" zu Wort und wirft den Journalisten vor, über den Tisch gezogen worden zu seien. Sie zeigte sich entsetzt über den Artikel und ihren Namen im Zusammenhang mit dem Thema Kälbertöten.
Sie sei zu keiner Zeit von den Journalisten zu dem Thema befragt worden. Vielmehr habe ein Fotograf Fotos für eine AbL-Pressemeldung auf ihrem Betrieb machen wollen. Dabei habe er im Vorfeld nachgefragt, ob er eine Spiegel-Journalistin mitbringen könne. Sie habe den Fototermin genutzt, um mit der Landwirtin zu reden. Beim Betriebsrundgang hätten die beiden allgemein über die Landwirtschaft geplaudert. Es sei um "Wachsen oder Weichen" gegangen oder um die Haltung der Bauern zur heutigen Tierproduktion, so Wehling gegenüber "top agrar online". In der lockeren Unterhaltung habe die Milcherzeugerin "freimütig ihre Sicht der Dinge dargelegt". Milcherzeugerin Anneli Wehling: "Im Gespräch am Rande mit der Journalistin habe ich mich schon kritisch über die Ausrichtung der Landwirtschaft und auch über Kostendruck auf den Betrieben geäußert und was diese Entwicklung treibt. Aber nicht in der Form, wie im Spiegel zitiert wird, sondern so, dass ich auch dazu stehen kann! Hier bin ich offensichtlich sehr blauäugig auf billigen Journalismus gestoßen, der nur seine reißerische Story brauchte! Hätte ich gewusst, dass das gedruckt wird, hätte ich das doch ganz anders gesagt, es ist doch nicht alles schlecht."
Zudem sei in dem Artikel fälschlicherweise behauptet worden, sie sei Mitglied im Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken". Auch habe sie sich deutlich gegen das Wort "Tierfabriken" ausgesprochen – "es wurde mir trotzdem auch noch eiskalt in den Mund gelegt!", empört sich die Landwirtin. 

Spiegel-Journalistin sieht das anders

Die zuständige Spiegel-Journalistin sieht den Sachverhalt anders. In einem Schreiben, dass "top agrar online" vorliegt, äußerte sie sich so: Sie habe sehr wohl Frau Wehling gleich zu Beginn des Treffens informiert, dass sie derzeit neben dem TTIP-Thema auch an einem Spiegel-Artikel über die Situation der Bullenkälber arbeite, und darüber habe man dann auch gesprochen. So sei es um das System Milchwirtschaft und die Auswirkungen von TTIP gegangen.

„Richtig ist, dass ich ihr nicht explizit sagte, dass ihre Zitate in dem Kälberartikel  vorkommen, das hat sich erst später entschieden. Das bedauere ich, denn meine Absicht war es nicht, Frau Wehling in Schwierigkeiten zu bringen. Im Gegenteil: Ich war so angetan von ihrer Analyse über Milchviehwirtschaft und die Rolle des DBV, dass ich sie deshalb zitierte - was für den Artikel gar nicht nötig gewesen wäre. Die Zitate aber sind korrekt“, schreibt die Redakteurin.

Deutlicher formuliert es der Anwalt des Spiegels. Er spricht von Rufschädigung. „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass unsere Redakteurin mit Frau Wehling nur "allgemein über Landwirtschaft geplaudert" hat, wenn Sie für einen entsprechenden Beitrag über das Schicksal der männlichen Kälber recherchiert“, so die Rechtsabteilung des Spiegel gegenüber top agrar. Selbstverständlich habe die Journalistin das Thema ihrer Recherche gleich zu Beginn mitgeteilt und das Gespräch habe sich auch um die entsprechenden Missstände gedreht. 
 
„Und die als wörtliches Zitat gekennzeichneten Passagen sind auch so geäußert und auch nicht aus dem Zusammenhang gerissen worden. Wo es kein wörtliches Zitat ist, liegt eine zutreffende Zusammenfassung der Aussagen von Frau Wehling vor.“ Einzig im Punkt "Mitgliedschaft im Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" liege ein bedauerliches Missverständnis vor.   Quelle: top agrar online

Schlagworte

Spiegel, Bullenkälber, getötet, Tod, illegal, überlassen, Tonne, Milchquote, Nachrichtenmagazin, Artikel

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