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Rinder zum Weidestart gut vorbereiten

Kühe auf der Weide
Kühe auf der Weide sind Insekten ausgesetzt. Besonders in der Nähe von Gewässern fühlen sich Stechmücken wohl und vermehren sich. Foto: Veauthier

Fliegen, Stechmücken und Bremsen auf der Weide bedeuten Stress. Wenn im Frühjahr die Jungtiere und Milchkühe auf die Weide getrieben werden, ist die Prophylaxe gegen Insekten und Würmer nicht zu vernachlässigen! Wir haben dazu einige Tipps für Sie zusammengestellt.

Weidefliegen sind nicht nur lästig und verursachen Stress bei Rindern, sie sind auch Überträger von Erregern.

  • Mastitiserreger „Trueperella“:
    löst die Holsteinische Euterseuche (Pyogenesmastitis) aus. Am häufigsten davon betroffen sind Färsen und Trockensteher.
    Wichtig: Erkrankte Tiere müssen schnellst möglich behandelt werden!
    Die Erkrankung zerstört das Eutergewebe, was eine Ausbreitung der Bakterien in den Körper zur Folge hat. In Stresssituationen können die entstandenen Erregerherde aufbrechen und zu einer Blutvergiftung führen.
    Prophylaxe: Fliegenschutz mit Insektiziden, regelmäßige Euterkontrolle bei Risikotieren!
  • Erreger „Moraxella bovis“:
    ist Auslöser der Krankheit Bovine Keratokonjunktivis (IBK) und zeigt sich durch gerötete Augen, Augenausfluss oder sogar getrübte Augen.
    Wichtig: Unbehandelt kann diese Erkrankung zum Erblinden führen. Zudem ist es keine Einzeltiererkrankung! Der Erreger verbreitet sich schnell in der Herde. Innerhalb von zwei Wochen können bereits 50 % der Tiere betroffen sein.
    Prophylaxe: Fliegenschutz mit Insektiziden, schlimme Weiden vermeiden!
Besonders unangenehm für Kühe sind die Stiche der Kriebelmücke. Diese sind sehr schmerzhaft, weshalb Schwärme der Kriebelmücke Panik in der Herde auslösen können.

  • Bei schwerem Befall (10.000 Mücken) ohne Behandlung ist das Gift für Rinder tödlich.
  • Hauptflugzeit: Frühjahr und Spätsommer von 10 – 12 Uhr und von 17 Uhr bis Sonnenuntergang.
  • Prophylaxe: Da Insektizide eher eine begrenzte Wirkung zeigen, sollten betroffene Standorte nachts beweidet werden. Zudem sollten feuchte Stellen trockengelegt werden.
Die sogenannte „Gnitze“ ist eine Stechmücke, die ebenfalls Erreger auf Wiederkäuer überträgt:
  • Blauzungenvirus:
    Laut des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit ist das Risiko, dass das Blauzungenvirus dieses Jahr Deutschland erreicht hoch! Der Serotyp 4 des Virus verbreitet sich in Italien und der Serotyp 8 in Frankreich.
    Prophylaxe:
    Ohrclipse: Haben bei Gnitzen meist nur eine zeitlich begrenzte Abwehwirkung von
    14 Tagen.
    Pour-on-Verfahren (Aufguss): wirkt ca. 4 Wochen gegen Gnitzen
    Impfung: Die Impfung kann auch ohne Ausbruch des Blauzungenvirus durchgeführt werden, ist aber genehmigungspflichtig und der Halter muss die Kosten tragen. Jedoch kann eine 80 %ige Impfabdeckung den Virus im Bestand ausrotten.
  • Schmallenberg-Virus:
    Der Erreger des Schmallenberg-Virus wird ebenfalls durch die Gnitze übertragen. Die Erkrankung verläuft zwar vergleichsweise mild, hat aber enorme Folgen bei der Infektion im Mutterleib. Bei Föten kommt es zu Missbildungen und es treten vermehrt Aborte auf!
    Prophylaxe: Ohrclipse und Pour-on-Verfahren wie beim Blauzungenvirus.
    Ein Impfstoff ist aktuell nicht verfügbar. Dementsprechend ist ein
    durchdachtes Managementsystem gegen Gnitzen von großer Bedeutung!

Ohrenclips als Abwehrschutz gegen Insekten:

Die weichen Kunststoffclipse geben den enthaltenen Wirkstoff über 4-5 Monate ab.
Verwendet werden Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethroide, welche einen abschreckenden und teilweise auch tötlichen Effekt auf Ektoparasiten haben. Von Vorteil ist, dass auf die Wirkstoffgruppe keine Wartezeit anfällt.
 
Pour-on-Verfahren:

Das Pour-on-Verfahren ist ein Aufguss, der von der Schädelbasis bis zum Schwanzansatz aufgetragen wird. Es gibt zwei verschiedene Formulierungen mit dem Wirkstoff Deltamethrin im Handel. Die Applikation wirkt je nach Hersteller 6-10 Wochen und hat eine Wartezeit auf essbares Gewebe.
Der Wirkstoff ist besonders effektiv gegen die Weidefliege. Gegen Gnitzen nimmt die Wirkung nach vier Wochen ab. Regen hat dabei keinen Einfluss auf die Wirksamkeit.

Ein weiteres Produkt beinhaltet den Wirkstoff Cyfluthrin (ebenfalls ein Pyrethroid). Es hat eine Wirkzeit von 4-6 Wochen gegen Stechfliegen. Eine Auswirkung auf Gnitzen wird derzeit nur angenommen.

Mit Verstand anwenden!

Wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den genannten Insektiziden, denn in manchen Regionen etablieren sich bereits resistente Insektenpopulationen!

Wichtig:

  1. Immer nur die angegebene Dossierung auftragen. Dafür ist das Gewicht des schwersten Tieres ausschlaggebend. 
  2. Eine frühe Applikation vor dem Weideaustrieb kann den Aufbau der Insektenpopulation stoppen.
  3. Feuchte Stellen der Weide trockenlegen.
Endoparasiten

Neben den fliegenden Weideparasiten sollte man die Würmer und Larven auf den Weiden nicht vergessen. Die wichtigsten Endoparasiten sind:

  • Magen-Darm-Strongyliden (MDS), vorallem der braune Magenwurm
  • Weidekokzidien
  • Lungenwürmer
  • großer Leberegel

Krankheitsbild bei MDS:

Folgen von Magen-Darm-Strongyliden sind in erster Linie Magen-Darm-Entzündungen und Durchfall. Tiere, die das erste Mal auf die Weide kommen haben im Gegensatz zu Tieren die bereits auf der Weide waren, noch keine Körpereigene Abwehr aufbauen können. Das zeigt sich durch Kümmern. Bei starkem Befall mit MGS kann ein Gewichtsverlust von bis zu 28 kg eintreten.

Lungenwurmbefall erkennen

Beim Lungenwurm ist die Immunitätsbildung, im Vergleich zu MDS, nicht so ausgeprägt. Die Abwehrkörper schützen nur etwa 6-8 Monate. Dementsprechend sind davon nicht nur die Jungtiere, sondern auch die Milchkühe betroffen.
Anzeichen von einem Lungenwurm Befall sind Husten und Nasenausfluss. Im schlimmsten Fall haben die Rinder Atemnot. Diese zeigt sich durch Luft einziehen mit weit geöffnetem Maul.

Weidekokzidiose als selbstlimitierende Krankheit

Weidekokzidiose wird hervorgerufen durch den Erreger Eimeria alabemensis, welcher sehr wirtsspezifisch ist. In der Regel ist die Krankheit selbstlimitierend und muss nicht zwingend behandelt werden, da sich der Dünndarm schnell erholt. Ein Befall zeigt sich durch
schaumig-wässrigen Durchfall und daraus resultierendem Gewichtsverlust.
Bestätigen lässt sich der Verdacht auf Weidekokzidiose durch eine Sammelkotprobe. Dazu benötigt man Kot von etwa 10 % der Herde, im Idealfall im Verlauf von 2-3 Tagen.
Falls der Tierarzt dann zu einer Behandlung rät, wird einmalig der Wirkstoff Toltrazuril oder Diclazuril oral verabreicht.

Eckdaten zu der Prophylaxe und Behandlung von Endoparasiten:

  • Stallhaltung der Jungtiere verhindert das Bilden von Abwehrkörpern
  • Weidenutzung gut über zwei Jahre im Voraus planen:
    Ausbringen von 300-400 kg Kalkstickstoff pro Hektar spätestens 3 Wochen vor Weidestart (schädigt Eier und Larven)
    Häufiger Umtrieb alle drei Wochen mit 60 Tagen Weideruhe
    Besatzdichte beachten!
  • Auch bei den Endoparasiten treten vermehrt Resistenzen auf. Zu beachten ist:
    Korrekte Dosierung einhalten! Bei Gruppenbehandlungen nach dem schwersten Tier dosieren
    Nur gefährdete Herdengruppen behandeln
    Behandlungszeitpunkte einhalten
    Weidetechnische Maßnahmen einsetzen!
    Gezielte selektive Behandlung
    Gute Ansätze bei biologischen Mitteln (z.B. das Verdrängen von Larven durch bestimmte Pilze)

Fazit

Der Schutz vor Weideparasiten, ob Insekten oder Würmer, sollte gut geplant und vor allem nicht vernachlässigt werden! Besonders die Verwendung und Dosierung von Insektiziden muss verantwortungsvoll durchgeführt werden, um die Vermehrung von Resistenzen zu verhindern. Unter der Brücksichtigung der aufgeführten Tipps ist die Herde für die kommende Weideperiode gut vorbereitet.

Quelle: Kristin Resch, Tierärztin und Fachjournalistin

Bearbeitet: L. Verfürth

Schlagworte

Weidefliegen, Stress, Überträger, Prophylaxe, Endoparasiten, Gnitze, Insektizide, Fliegenschutz, Ohrclips, Pour-on

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