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Lieferbedingungen ohne Mengenregulierung sind fraglich

Milchtankwagen
Das Bundeslandwirtschaftsministerium sieht Molkereien und Milcherzeuger in der Pflicht, die Milchproduktion miteinander abzustimmen. Foto: Stöcker

Beim Veredlungstag des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) stellte Karl-Heinz Tholen vom Bundeslandwirtschaftsministerium fest, dass die aktuellen Lieferbedingungen ohne Mengenregulierung unter einem doppelten Dilemma litten.

Defizite bei der marktgerechten Abstimmung von Milchmengen und Absatzmöglichkeiten hat Karl-Heinz Tholen vom Bundeslandwirtschaftsministerium den deutschen Molkereien und Milcherzeugern bescheinigt. Beim Veredlungstag des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) stellte Tholen gestern (30.11.2017) in Berlin fest, dass die aktuellen Lieferbedingungen ohne Mengenregulierung unter einem „doppelten Dilemma“ litten:

Zum einen neige die Milchbranche in Hochpreisphasen zu Produktionszuwächsen, gleichzeitig komme es aber auch bei niedrigen Preisen mitunter zu einem steigenden Angebotsverhalten, wenn die Milcherzeuger mit mehr Milch ihre Liquidität sichern wollen.

Beide Verhaltensweisen verstärkten zyklische Marktentwicklungen, die sowohl Erzeuger als auch Molkereien unter Druck setzten, erläuterte Tholen.

Er fordert die Milchbranche als Verantwortliche auf, die Lieferbeziehungen zwischen Erzeugern und Molkereien neu auszurichten und dabei die Liefermengen zu berücksichtigen. Fehlendes Engagement der Marktpartner provoziere staatliches Eingreifen, warnte der Beamte.

Laut seiner Darstellung bestehe mit der jüngst erfolgten Änderung von Artikel 148, Absatz 4 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) nun für die EU-Mitgliedsstaaten erstmals die Möglichkeit zu zwangsweisen Markteingriffen bei krisenhaften Marktveränderungen. Diese sei bislang aber lediglich eine theoretische Option, zumal die Position der nächsten Bundesregierung in diesem Punkt noch nicht eingeschätzt werden könne, erklärte Tholen.

Milchindustrie-Verband: Diese Forderung entspricht einer Molkereiquote

Für den Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Eckhart Heuser, entspricht eine solche Forderung indes der Einführung einer „Molkereiquote“. Er wirft der Politik vor, damit die Verantwortung vom Staat auf die Milchverarbeiter abzuwälzen.

Auch würden Krisen durch „kleinteilige Lösungen“ auf Länderebene nicht verhindert, zumal der Milchpreis ohnehin längst durch den Weltmarkt bestimmt werde, erklärte Heuser. Eine „Molkereiquote“ würde daher keinen Nutzen stiften.

Der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl, hat auf der Sitzung des wissenschaftlichen Beirats in Nürnberg seine Ablehnung gegen regulative Markteingriffe durch die Politik bekräftigt. Die Mengensteuerung falle aus seiner Sicht in den Aufgabenbereich der Molkereien. „Ich bin sehr dafür, dass jede Molkerei, ob sie nun genossenschaftlicher oder privater Natur ist, Diskussionen mit ihren Landwirten führt, Mengenperspektiven aufzeigt und verschiedene Vertragsmodelle durchspielt“, so der MIV-Vorsitzende.

Quelle: AgE

Bearbeitet: Berkemeier

Schlagworte

Lieferbedingungen, Mengenregulierung, Bundeslandwirtschaftsministerium, Karl-Heinz Tholen, staatlicher, Eingriff, Milchmenge, Krise

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