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Kälber: Frühe Gruppenhaltung mindert Stress

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Die frühe Haltung von Kälbern in Paaren fördert die soziale Bindung und hilft den Tieren mit Stresssituationen besser umgehen zu können. Foto: Werbild

Die Gruppenhaltung von jungen Kälbern wird bisher noch selten in der Milchviehhaltung praktiziert. Eine neue Studie zeigt nun, dass frühe soziale Bindungen unter gemeinsam gehaltenen Kälbern Stress beim Absetzen mildern können.

Rinder, die Stress empfinden, vokalisieren deutlich mehr. Diese Tatsache wird in Studien genutzt, um Stress zu messen. Durch diese Methode konnten frühere Studien bereits zeigen, dass Kälbern, die beim Abtränken in Gruppen gehalten werden, weniger blöken und höhere Zunahmen haben als Kälber, die einzeln gehalten werden.

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, den Effekt des frühen sozialen Umfeldes auf die Leistung und das soziale Verhalten von Kälbern zu untersuchen. Dafür wurden der Entwöhnungsstress durch die Anzahl an Vokalisierungen, die Zunahmen, die Aufnahme von Kälberfutter und Gesundheitsparameter auf einem Milchviehbetrieb in Großbritannien bei 40 Holstein Kälbern in drei verschiedenen Aufzuchtformen gemessen: individuelle Haltung bis zum Entwöhnen (Gruppe I; n=8), Paarhaltung ab dem 5. Lebenstag (Gruppe P5; 8 Paare) und Paarhaltung ab Tag 28 (Gruppe P28; 8 Paare). Im zweiten Teil der Studie wurde über einen Zeitraum von einem Monat nach dem Absetzen das soziale Netzwerk der Kälber gemessen. Ab dem 55. Lebenstag wurden den Kälbern dafür ferngesteuerte Distanzmessgeräte an den Halsbändern befestigt. Diese zeichneten sowohl die Distanz zu anderen Kälbern als auch deren Identität auf. Wie lange jedes Kalb mit welchem Kalb in Kontakt war und auch ob die sozialen Gruppenbeziehungen durch die vorher etablierte Vertrautheit mit dem Haltungspartner beeinflusst wurden, konnte dadurch untersucht werden.

Entwöhnungsstress durch paarweise Haltung minimiert

Es ergab sich in dieser Studie kein Nachweis von Leistungs- oder Gesundheitsunterschieden zwischen den Haltungsformen. Die Zunahmen in der P5-Gruppe (Paar ab 5. Tag) waren zwar höher als die der anderen Gruppen, dies konnte statistisch allerdings nicht abgesichert werden. Die Kälber wurden ab dem 48. Lebenstag durch Reduktion der Milchmenge über 3 Tage entwöhnt. Die Anzahl der Vokalisierungen wurde an jeweils drei Tagen vor, während und nach dem Absetzen erfasst. Bei allen Kälbern nahm, wie erwartet, die Anzahl an Vokalisierungen während der Milchreduktion im Vergleich zu der Phase vor dem Absetzen signifikant zu. Allerdings blökten die einzeln gehaltenen Kälber im Vergleich zu den in Paaren gehaltenen Kälbern signifikant häufiger. Bei den in Paaren gehaltenen Kälbern vokalisierten die P5- Kälber signifikant weniger als die P28-Kälber (Paar ab 28. Tag). Dies lässt auf eine größere Verbundenheit dieser früh zusammengesetzten Pärchen schließen, die den Absetz-Stress minimiert.

Soziale Kompetenzen gestärkt

In der Gruppenhaltung blieb das soziale Netzwerk der Kälber ab dem 55. Tag über den Beobachtungszeitraum (4 Wochen) untereinander stabil. Bei der Wahl ihrer Kontakte differenzierten die Kälber signifikant. Vorzugsweise gruppierten sie sich mit ihrem bekannten Partner. Dabei nahm die Zeit, die die Kälber mit ihrem bevorzugten Partner verbrachten, über die 4 Wochen ab.

Die Ergebnisse dieser Studie lassen darauf schließen, dass die frühe Paar-Haltung (ab dem 5. Lebenstag) von Kälbern stressmildernde Vorteile der sozialen Unterstützung ermöglicht, ohne die Gesundheit oder Leistung der Tiere zu beeinträchtigen.

Originalveröffentlichung: BoltSL, Boyland NK, Mlynski DT, James R, Croft DP (2017): Pair Housing of DairyCalves and Age at Pairing: Effects on Weaning Stress, Health, Production andSocial Networks. PLoS ONE 12(1): e0166926.

Bearbeitet: Anna Schworm

 

Schlagworte

Kälber, Haltung, Paarhaltung, Gruppenhaltung, Stress, Entwöhnung, Vokalisierung, soziale Bindung

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