Partner von

Färsenmastitis vorbeugen

Färsen
Der Weidegang von Färsen wird als gesundheitsfördernd angesehen. Foto: Greil

Hat ein Betrieb die Eutergesundheit bei Färsen im Griff, hat er später meist auch Altkühe mit gesunden Eutern.

Färsen sind die Zukunft einer Herde, sie bestimmen die Leistungsstärke der Herde. Euterentzündungen bei diesen Tieren führen dazu, dass sich die Leistungsfähigkeit der Herde langfristig verschlechtert. Es wird Potential verschwendet! Zudem sind Mastitiden bei Färsen besonders teuer. Färsenmastitiden entstehen zumeist durch den frühzeitigen Verlust des Kreatin-Pfropfens in der Zitze. Dieser Pfropf verschließt den Strichkanal, wirkt gegen aufsteigende Keime (mechanische Barriere) und hat eine antimikrobielle Wirkung. Ohne Kreatin-Schutz ist die Zitze offen und anfällig für Keime. Daher ist es so enorm wichtig Färsen auch schon vor dem Abkalben unter sauberen Umgebungsbedingungen zu halten. Dadurch lässt sich der Keimdruck in Euter nähe mindern und die Wahrscheinlichkeit einer Erstinfektion verringern.

Grundsätzlich gelten Erstlaktierende mit Zellzahlen unter 100.000 Zellen pro ml als gesund, sie sollten aber einen Zellgehalt von 20.000 bis 50.000 Zellen pro ml im Einzelgemelk haben. Über 100.000 Zellen pro ml auf Viertels- oder Einzelgemelksniveau zeigen eine gestörte Eutergesundheit an. Dabei können klinische Anzeichen (Flocken) auftreten, müssen aber nicht. Die Mastitisrate der Erstlaktierenden liegt in Deutschland im Durchschnitt bei 40 %, Spitzenbetriebe liegen unter 15 %! Die Rate berechnet sich aus dem Anteil der Färsen, die in ihrer der ersten MLP über 100.000 Zellen pro ml aufweisen in Verhältnis zur Anzahl aller Erstlaktierenden.

Maßnahmen zur Vorbeuge von Färsenmastitis sind:

  • Ein möglichst hygienisches Haltungsumfeld,
  • das Vermeiden von Überbelegung,
  • gut gepflegte Liegeflächen mit trockener und sauberer Einstreu,
  • kurze Nachstreuintervalle (Mindestens alle 2 Tage, besser täglich),
  • eine gute Fütterungshygiene,
  • ausreichende Wasser- und Futterversorgung,
  • saubere Laufflächen,
  • erfolgreiche Fliegenbekämpfung,
  • das Entfernen von ansaugenden Tieren und
  • die Trennung von Trockenstehern und tragenden Rindern.

Zudem wird der Weidegang für Färsen als gesundheitsfördernd angesehen. Auch kann das Anmelken von Tieren, die bereits vor der ersten Kalbung Milch laufen lassen, zur Verringerung der Mastitisrate beitragen.

Zitzenversiegler bei Färsen einsetzen?

Färseneuter
Foto: Ostermann-Palz

Der Einsatz von Zitzenversiegler kann das Risiko von Färsenmastitis verringern. Oft sind die Strichkanäle bereits 5 bis 10 Tage vor der Kalbung offen und empfänglich gegenüber Erregern. Besonders Tiere, die früh aufeutern und bei denen eine hohe Einstiegsleistung zu erwarten ist, haben ein erhöhtes Risiko. Eingesetzt wird der interne Zitzenversiegler am besten etwa zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin. Zitzen und Strichkanäle werden dann größer, die Tiere fangen an aufzueutern. Dies kann die Applikation vereinfachen. Bei der Anwendung ist Hygiene das oberste Gebot! Gerade bei den oft unruhigen Färsen gilt es Ruhe beim Applizieren der Versiegler zu bewahren.

Anwendung Zitzenversiegler:

  • Tiere gut fixieren und am besten zu zweit arbeiten (Schwanzbremse).
  • Sauber arbeiten!
  • Neue Einweghandschuhe für jedes Tier verwenden!
  • Zitzenspitze desinfizieren und trocknen lassen - Tipp: Sprühflasche mit 70% Alkohol + Einwegtuch = weniger Fummelei im Gegensatz zu eingepackten Desinfektionstüchern
  • Injektor leicht in der Hand anwärmen
  • Zitzenbasis euternah leicht abdrücken
  • ganzen Injektor pro Viertel
  • Versiegler nicht hochmassieren! (Um wirken zu können (mechanische Barrierefunktion), muss der Versiegler im unteren Teil der Zitze sitzen.)
  • Dippen!

Um den Versiegler zu entfernen, die ersten 10 bis 12 Milchstrahlen nach der Abkalbung vier Tage lang mit der Hand ausmelken. Dabei euternah, an der Zitzensbasis starten. Es gilt die gesamte Zitze auszumelken. Danach die Tiere wie gewohnt melken. Die Reste des Versieglers nicht mit der Melkmaschine ausmelken!

Und noch ein Tipp zum Schluss: Gönnen Sie Färsen am Ende ihrer ersten Laktation eine längerer Trockenstehzeit – 65 Tage werden empfohlen.

Quellen: MilchQplus, Zoetis, Martin Spohr/Eutergesundheitsdienst TSK Baden-Würtemberg, Dr. Christian Niewöhner/Gemeinschaftspraxis für landwirtschaftliche Nutztiere, Melle

Autor: Anna Schworm

Schlagworte

Färsen, Zitze, Färsenmastitis, Keime, Kreatin, Tage, Zellen, Versiegler, Zitzenversiegler, Färsenmastitiden

Kommentare

Kommentarfunktion de-/aktivieren

Kommentar hinzufügen...
Kommentieren

Fortbildung zum Elite-Herdenmanager

EliteHerdenmanager Elite-Intensivfortbildung für Milchprofis 2017! Lernen Sie, Ihr Herden­management zu optimieren und die Tiergesundheit zu verbessern!

Infos und Anmeldung...

DüngeVO und AwSV: Das müssen Sie im Herbst beachten

Gülle

Mit der Düngeverordnung und der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sind gleich zwei neue Verordnungen scharf geschaltet. Ihre Regelungen sind... Weiterlesen: DüngeVO und AwSV: Das müssen Sie im Herbst beachten …