Anbindestall umbauen

Wie viel Umbau ist  drin?

Ein Stallumbau muss gut durchdacht und vorbereitet werden. Für jeden Betrieb gibt es dabei eine eigene Lösung.

Angela Dunst

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen

Eine große Investition in den Betrieb macht nur Sinn, wenn die Milchproduktion dort eine langfristige Perspektive hat. Dafür ist viel Leidenschaft für Kühe eine Voraussetzung. Der Erfolg eines Betriebs hängt maßgeblich vom Betriebsleiter ab, nicht vom Stall.
Zum anderen sollte vor einer großen Investition die Betriebsleitung langfristig gesichert sein. Wird der Betriebsleiter noch so lange arbeiten, bis die Kredite abbezahlt sind? Wenn nicht, ist die Hofnachfolge gesichert?
Einen kostenintensiven Um- oder Neubau zu planen, macht zudem erst ab einer Produktivität von 7.500 bis 8.000 kg verkaufter Milch Sinn. Liegt sie darunter, sollten Sie zuerst Ihre Produktionstechnik optimieren. Setzen Sie dabei auf die Unterstützung von produktionstechnischen Beratern!

Genug Arbeitskraft vorhanden?

Wer vor dem Schritt steht, die Anbindehaltung zu verlassen, sollte zunächst seine vorhandenen Ressourcen unter die Lupe nehmen. Schätzen Sie zuerst die vorhandenen Arbeitskapazitäten auf dem Hof realistisch ein. Neben dem Betriebsleiter spielen auch mitarbeitende Familienmitglieder eine wichtige Rolle.
Planen Sie vor dem Umbau, wie Sie und Ihre Familienmitglieder die Arbeitsbelastung (Milchproduktion) künftig stemmen können. Setzen Sie konkrete Ziele, z. B. wie viel Urlaub sein soll oder wie bei Ausfällen die Arbeit organisiert werden kann. Bedenken Sie private Ziele und planen Sie Freiräume für Hobbys und Ehrenämter ein. Finden Sie eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit, damit das Zusammenleben auf dem Hof weiter funktioniert. Kalkulieren Sie dafür den Gesamtzeitbedarf vor und nach einem Umbau.
Ein Beispiel: Ein Milchkuhbetrieb mit 20 Kühen in Anbindehaltung benötigt für die Stallarbeit (20 Kühe, 20 Aufzuchttiere) ohne Außenwirtschaft rund 1.800 Arbeitsstunden (Akh) im Jahr (Übersicht 1). Dazu kommen 150 Stunden für das Betriebsmanagement. Insgesamt fallen 1.950 Akh an. Im Zuge einer Umstellung auf Laufstallhaltung kann der Arbeitszeitbedarf auf 1.550 Akh sinken, da weniger Stallzeit anfällt. Bei einem Umbau mit Verdopplung der Herdengröße hingegen steigen die benötigten Akh je Jahr wieder an.

 1. Planungsbeispiele für den Arbeitszeitbedarf

Die ökonomischen Grenzen kennen

Die Kosten für einen Umbau hängen stark von Art, Umfang, Eigenleistung usw. ab. Sie können für rund 50 Kühe (Liegehalle u. Melktechnik in bestehenden Altbau ein- oder angebaut: Lohn, Material und Technik, zzgl. Planungs-, Bauneben- und Erschließungskosten) dabei aktuell zwischen 4.500 und 6.500 € pro Kuhplatz liegen. Die Kosten für einen Neubau beginnen hingegen meist bei 10.000 € pro Kuhplatz. Es kann sich deshalb durchaus lohnen, die Kosten für einen Stallumbau mit den Kosten für einen Neubau zu vergleichen, genau so wie Vor- und Nachteile einer jeweiligen Umbaulösung (Übersicht 2).

2. Mögliche Umbaulösungen von Anbindeställen

Bevor Sie sich für eine Umbaulösung entscheiden und investieren, sollten Sie zunächst die finanzielle Ausgangslage des Betriebzweigs auf den Prüfstand stellen. Setzen Sie dabei auf die Unterstützung von Beratern. Diese helfen, die ökonomischen Grenzen des Betriebs in Sachen Rentabilität, Stabilität und Liquidität aufzudecken. Sprechen Sie dabei auch über Fördermöglichkeiten. Ein Drittel Eigenkapital, ein Drittel Fremdkapital und ein Drittel Förderung ist bei der Finanzierung realistisch. Mindestens 25 % der Investitionssumme sollte durch Eigenkapital abgedeckt sein, so die gängige Empfehlung.

Reicht der Betriebsgewinn?

Der Betriebsgewinn sollte ausreichen, den privaten Lebensunterhalt zu bestreiten, Arbeit zu entlohnen und genügend Eigenkapital für spätere Investitionen zu bilden. In einem Nebenerwerbsbetrieb kann der benötigte Gewinn auch zum Teil aus einem außerlandwirtschaftlichen Einkommen generiert werden. Dieses Einkommen wird dann bei den „Einlagen“ verbucht, d. h. es verbessert die Stabilität (Eigenkapitalbildung) und hilft, die Lebenshaltung, private Versicherungen usw. zu bezahlen!
Wie viel Eigenkapital der Betrieb bildet, berechnet sich aus dem Gewinn abzgl. der Privatentnahmen für...