Schwarzwaldmilch

Weide wird gefördert, Anbindehaltung verboten

Die Molkerei Schwarzwaldmilch will künftig stärker auf Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen. Viele Milchlieferanten dürften davon profitieren.

Die Molkerei Schwarzwaldmilch will künftig stärker auf Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen. Viele Milchlieferanten dürften davon profitieren.
Die Schwarzwaldmilch-Gruppe denkt weiter … „nicht nur an heute und morgen, sondern in Generationen und Enkelfähigkeit“, so Geschäftsführer Andreas Schneider, der unlängst umfangreiche Nachhaltigkeitsmaßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Klima angekündigt hat.
Bereits seit Jahrzehnten legt die Schwarzwaldmilch nach eigenen Angaben aus eigener Überzeugung großen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Mensch, Tier und Natur. Zum Ausdruck kommt dies durch die unternehmenseigene „Verantwortungsstrategie“ und ein umfangreichen Maßnahmenkatalog, der kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Futtermittel müssen aus der EU stammen

Bereits seit Anfang 2017 ist die gesamte Milchanlieferung der Schwarzwaldmilch zu 100 Prozent ohne Gentechnik zertifiziert, bei Weidemilch gelten strenge Kriterien, das gesamte Bio- und Bio Heumilch-Sortiment ist Bioland zertifiziert.
Ab dem 1. Juli 2020 gilt ein Glyphosat-Verbot auf allen landwirtschaftlichen Flächen der Schwarzwaldmilchbauern, auf denen Futtermittel für den Milchviehbereich angebaut werden. „Es handelt sich um ein durchdachtes Modell, das wir mit unseren Landwirten gemeinsam erarbeitet und zur Umsetzung gebracht haben“, erklärt Molkereigeschäftsführer Andreas Schneider. Für eine wirksame Umsetzung findet eine regelmäßige Kontrolle durch die Auditoren des Milchprüfrings Baden-Württemberg statt.
Darüber hinaus darf vor allem Eiweiß-Futter, für den Milchviehbereich ab dem 1. Juli ausschließlich aus europäischem Anbau stammen. Mit diesem Schritt wollen wir ein Zeichen setzen und uns ganz klar gegen die Abholzung des Regenwaldes aussprechen, auf dessen Flächen unter anderem Soja für die Futtermittelindustrie angebaut wird“, so Schneider.
Ebenfalls neue Wege beschreitet die Molkerei beim Thema Tierwohl: Für die Schwarzwaldmilch zählen dabei besonders die artgerechte Haltung sowie die Bewegungsfreiheit der Kühe. Daher fördert die Molkerei den Weideauslauf auf Basis der strengen Weidehaltungskriterien mit einem Aufschlag von 1,66 Cent/kg (brutto). Darüber hinaus nimmt die Molkerei neue Lieferanten nur auf, wenn sie ihre Kühe in einem Freilaufstall halten.

Anbindehaltung endet spätestens 2030

Ab spätestens dem 1. Januar 2030 gilt das Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung für Milchkühe. „Als genossenschaftliches Unternehmen tragen wir eine große soziale Verantwortung unseren Milchbauern gegenüber. Das bedeutet für uns, dass wir unseren Landwirten Planungssicherheit bieten müssen und möchten. Der Beschluss mit dem spätesten Ausschluss zum 1.Januar 2030 ist von unseren landwirtschaftlichen Gremien gefasst worden“, erklärt Schneider.
Als eine der ersten Molkereien in Deutschland hat die Schwarzwaldmilch eine Maßnahme umgesetzt, die unter anderem eine Möglichkeit der Nachverfolgung der Milch und einen Blick in die Höfe bietet. Im Herbst 2019 hat Schwarzwaldmilch ein entsprechendes Transparenzsiegel auf der Bio-Heumilch etabliert, mit dessen Hilfe man u.a. das genaue Abholdatum der Milch, die Haltungsbedingungen der Kühe, die Zahl der zurückgelegten Kilometer mit dem Sammelwagen sowie den exakten Tag der Abfüllung und Auslieferung nachvollziehen  kann. Für das Einsehen dieser tagesaktuellen Informationen muss lediglich der QR-Code auf der Verpackung gescannt werden. So können sich die Verbraucher selbst von der Haltung und der Qualität der Milch überzeugen“, führt Schneider aus.

Mehrwegglas statt Plastik

Durch den Um- bzw. Neubau der Energiezentralen an den Standorten in Freiburg (2016) und in Offenburg (2019) spart die Molkerei jährlich insgesamt über 3.000 Tonnen CO2-Emissionen ein. Darüber hinaus bezieht Schwarzwaldmilch bereits seit 2017 ausschließlich Ökostrom.
Auch durch die Umstellung auf nachhaltigere Verpackungen leistet Schwarzwaldmilch einen Beitrag zum Umweltschutz. In diesem Jahr erzielt die Molkerei durch den Verzicht auf die Einweg-Plastikdeckel auf allen Naturjoghurts eine Plastik-Einsparung von rund 12 Tonnen. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang Mehrwegglas. So ist die Molkerei im gesamten Lebensmittelhandel in Baden-Württemberg führender Anbieter von Milchprodukten im Mehrwegglas – mit einem Marktanteil von über 40 Prozent. Der Ausbau schreitet hier weiter voran – so sind beispielsweise fünf der sechs neuen, in diesem Jahr bereits eingeführten Produkte im Mehrwegglas.

Kommentar: Gutes Marketing! 

Die Molkerei erfasst bei rund 1.000 Lieferanten die Milch und verarbeitet diese in zwei Werken. (Bildquelle: Schwarzwaldmilch)

Viele der angekündigten Maßnahmen werden bei den Verbrauchern gut ankommen! In den Ohren der Milchbauern mögen sie zunächst sehr restriktiv klingen, beim genaueren Hinsehen relativiert sich dies jedoch. Denn die allermeisten Milchlieferanten dürften ohnehin weder Glyphosat eingesetzt noch in größerem Umfang Sojaschrot eingekauft haben. In einer von Grünland dominierten Mittelgebirgsregion lässt sich auch ohne Glyphosat und Soja Milch produzieren. Und die Anbindehaltung ist ohnehin ein Auslaufmodell. Wer künftig Kühe melken will, dürfte allein schon aus arbeitswirtschaftlicher Sicht an einem Laufstall nicht vorbei kommen. Auch wenn mit durchschnittlich 43 Kühen liegt die durchschnittliche Herdengröße der rund 1.000 Schwarzwaldmilch-Lieferanten zwar deutlich unter dem deutschen Durchschnitt von 68 Kühen liegt, ist anzunehmen, dass viele von ihnen ihre Kühe bereits in Laufställen halten. Zudem davon ausgegangen werden, dass der Um- und Neubau von Kuhställen in der Region in den kommenden Jahren auch „ordentlich“ gefördert wird.
Weitere Infos zur Schwarzwaldmilch finden Sie hier


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