Milchmarkt

Produktionskosten für Tierwohl-Milch über 9 Cent höher

Eine Studie zeigt, dass Produktion und Verarbeitung für Milch von Kühen mit Zugang zu Weide und Laufhof deutlich teurer sind, viele Verbraucher aber nicht bereit sind dafür zu zahlen.

Das Potential von Trinkmilch mit höheren Tierwohlstandards wurde in der Studie „Zusatzkosten in der Milcherzeugung und -verarbeitung unter Einhaltung verschiedener Tierwohlstandards“ von Dr. Silke Thiele und Prof. Holger Thiele vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife) untersucht. Hier ein Überblick über die Ergebnisse.

Mehrkosten von mindestens 2,3 Cent für Milchkuhhalter

Milcherzeugerbetriebe, die ihren Kühen ein besonderes Maß an Tierwohl-Maßnahmen gewähren – dazu zählen ein Platzangebot von mindestens oder größer 1:1 bei Fress- und Liegeplätzen sowie mehr Bewegungsfläche, der Zugang zu Weide und Laufhöfen –, haben gemäß der Studie deutlich höhere Produktionskosten. 
  • Beispielsweise müsste bei der Teilnahme an der Einstiegsstufe „Für mehr Tierschutz“ mit Zusatzkosten von durchschnittlich 2,3 Cent pro Liter Milch gerechnet werden.
  • Kommt noch der Zugang zu Laufhof und Weidegang hinzu, entstehen gemäß der Analyse zusätzliche Kosten von durchschnittlich 2,6 Cent pro Liter Milch.

6,7 Cent bis 18,4 Cent höhere Kosten für die Verarbeitung und Vermarktung

Auch auf der Seite der Molkerei entstehen höhere Kosten, als bei der Arbeit mit „normaler“ Milch: Die zusätzlichen Aufwendungen für das separate Einsammeln, Verarbeiten und Vermarkten von Milch mit höheren Tierwohlstandards belaufen sich nach der Studie in der Summe auf 6,7 Cent bis 18,4 Cent pro Kilogramm Rohstoffeinheit Milch. Kostentreibend sind die zumeist nur geringen Chargengröße von Tierwohl-Milch. 

Insgesamt Zusatzkosten von min. 9 Cent pro Liter

Die gesamten Zusatzkosten der Milcherzeugung und -verarbeitung durch bzw. für das Angebot von Milch mit höheren Tierwohlstandards summieren sich laut der Studie auf mindestens 9 Cent pro Liter Trinkmilch.

Viele Verbraucher ohne Zahlungsbereitschaft, weil sie die Kriterien nicht verstehen

Unter dem Kriterium Weide kann sich heute die Mehrheit der Verbraucher (noch!) etwas vorstellen und das führt dazu, das einfache Weidemilch Tierwohl-Milch vorgezogen wird. (Bildquelle: Dylka)

Das größte Problem sitzt allerdings auf der Nachfrageseite. Denn obwohl die Initiative für höhere Tierwohlstandards von den Verbrauchern angetrieben wird und diese angeben beim Einkauf darauf zu achten, sind viele gegenwärtig nicht bereit für umfangreiche Tierschutzmaßnahmen den nötigen Mehrpreis zu zahlen. 
Eine Ausnahme stelle die Weidemilch dar. Hier wird gerne zugegriffen und auch mehr bezahlt, was die steigenden Absatzzahlen belegen. Das liegt daran,  dass die Verbraucher das Kriterium „Weide“ leichter beurteilen können als etwa den Platzbedarf im Stall. Um den Platzbedarf einschätzen zu können, müsste sich ein Verbraucher erst intensiv mit den Bedürfnissen von Kühen und den Standards verschiedener Anbieter auseinandersetzen. Sprich: Fehlende Nachvollziehbarkeit beeinflusst die Kaufentscheidung.
Die Vielfalt an individuellen Programmen und Standards verwirrt den Konsumenten dazu zusätzlich. Die Wissenschaftler sehen die gegenwärtige „Zersplitterung“ des Marktes für Tierwohl-Milch kritisch. Diese erschwere auch die Arbeit auf der Erzeugerseite. 

FAZIT: Es braucht ein einheitliches Vorgehen

Die Kieler Agrarökonomen kommen am Ende ihrer Studie zu dem Fazit, dass langfristig ein einheitliches und leicht verständliches staatliches oder privatwirtschaftliches Tierwohllabel helfen könnte, um das Problem um die Kostenfrage zu lösen.
Langfristig kann ein einheitliches und leicht verständliches staatliches oder privatwirtschaftliches Tierwohl-Label helfen.“
Die Autoren der Studie
Das würde dem Verbraucherwunsch entsprechen: Denn um erkennen zu können, ob bei der Erzeugung höhere als die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten würden, wünschten sich laut einer Umfrage im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums 81 % der Verbraucher eine staatliche Tierwohlkennzeichnung.
Kommentar der Redaktion: Die von den Autoren mit „Zersplitterung“ beschriebene wachsende Vielfalt an kleinen, individuellen Tierwohl-Programmen und Standards führt zu einem weiteren Problem: Der Fortschritt eines gesetzlichen Basis-Standards für die Milchkuhhaltung wird erschwert. Die Unterschiede zwischen den Haltungskriterien wachsen, was es wiederum verkompliziert, dem Verbraucher zu vermitteln, wie moderne Milchkuhhaltung heute eigentlich aussieht.
Mehr Informationen zum Kaufverhalten finden Sie bei uns in dem Artikel „Label noch zukunftsgemäß?“, der auf die Ergebnisse einer Studie von Yascha Koik, Doktorandin an der FH Kiel, basiert.
Quelle: ife, AgE


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