Dialog Milch

Mit 500 Treckern zum DMK

Mit  Trecker-Demonstration haben Milcherzeuger am Donnerstag ihren Unmut über die niedrigen Milchpreise und die schwierige Lage der Bauern zum Ausdruck gebracht.

Rund 500 Traktoren haben sich nach Angaben der Bremer Polizei in Elsdorf (Kreis Rotenburg) in Richtung Bremen zum Verwaltungssitz des Deutschen Milchkontors (DMK) aufgemacht. Der Demonstrationszug sei 16 Kilometer lang.
Aufgerufen zu dieser Protestaktion, die nur eine von vielen an diesem bundesweiten Aktionstags ist, hat ein Aktionsbündnis, in dem sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Milchgruppen von Land schafft Verbindung (LsV), die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL), die Freien Bauern, das European Milk Board (EMB) und die MEG Milch Board zusammengeschlossen haben.

15 Cent mehr für jeden Liter

Unter dem Motto „Schluss mit lustig – Uns geht die Luft aus“ ist das Aktionsbündnis bereits in der vergangenen Woche bei über 150 Verarbeitungsunternehmen vorstellig geworden um die existenzbedrohende, wirtschaftliche Lage der tierhaltenden Betriebe angesichts deutlich steigender Kosten und niedrigster Erlöse hinzuweisen. Für die rinderhaltenden und Milchkuhbetriebe fordert das Bündnis in einem ersten Schritt
  • für den Liter Milch mindestens 15 Cent mehr!
  • für das kg Rindfleisch mindestens 1 Euro mehr!
Für den heutigen Donnerstag 19. November hat das Aktionsbündnis angekündigt, die schriftliche Stellungnahme der Molkereien persönlich abzuholen. Konkret wird von den Molkereien erwartet dass sie darlegen, wie sie die geforderte Preisanhebung kurzfristig umsetzen wollen und was aus ihrer Sicht getan werden muss um auch dauerhaft ein deutlich höheres Preisniveau auf dem deutschen und europäischen Markt zu realisieren. „Vom In-Aussicht-Stellen möglicher künftiger Exporterfolge oder von längerfristig angeblich günstigen Marktprognosen können wir keine Rechnungen bezahlen und schon gar nicht in die Zukunft investieren“, heißt es in einer Pressemitteilung des Milchdialogs.

MIV: Geforderten Preiserhöhungen nicht realistisch

Aber genau darauf verweist der Milchindustrieverband MIV. Aus dessen Sicht ist die Förderung von Exporten ein Baustein, um die Situation zu entspannen, Märkte zu sichern und damit auch langfristig einen guten Milchpreis sicherzustellen. Allerdings würden gerade alle großen Milchländer die Produktion ausdehnen. Das sei ein Problem. Deshalb ist eine plakative Forderung von "mindestens 15 Cent mehr pro Liter Milch" (plus 40 Prozent) auch nicht realistisch.
Hinzu kommt, dass die Märkte untereinander verbunden sind: Ca. 15 Prozent der europäischen Milch werden am Weltmarkt zu Weltmarktpreisen abgesetzt. Auch diese schwanken und dies bei volatilen Devisenkursen. 50 Prozent der deutschen Milcherzeugnisse werden im Ausland verkauft, das meiste im EU-Binnenmarkt. Darüber hinaus ist Deutschland ein großer Importeur von Milcherzeugnissen. Die geforderte Preiserhöhung sei deshalb nicht einfach so zu realisieren.

Druck auf Agrarpolitiker ausüben!

Desweiteren sei die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht nur für die Milcherzeuger sondern auch für die Molkereien sehr herausfordernd: Denn beide Seiten kämpfen mit Kostensteigerungen, die am Markt nicht honoriert werden. Hinzu kommt, dass die Pandemie die Rentabilität der Molkereien deutlich geschmälert hat: „Die Organisationsaufwendungen sind durch Corona enorm gestiegen und Pandemiepläne kostenintensiv“, erklärt Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes.
Demonstrationen tragen aus Sicht des MIV jedenfalls nicht dazu bei, das Problem zu lösen. Vielmehr müssen die Molkereien und die Landwirte gemeinsam darauf hinarbeiten, die Vermarktung und damit einhergehend auch die Kommunikation für die Milch zu stärken. Den Milcherzeugern empfiehlt der MIV ihren Einfluss auf die Agrarpolitiker geltend zu machen mit Hinweis auf die laufenden Endverhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023.


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