Betriebswirtschaft

Ein schlechtes Jahr für Futterbaubetriebe

Das laufende Wirtschaftsjahr 20/21 werden viele Milcherzeuger mit erneut rückläufigen Gewinnen und Eigenkapitalverlusten abschließen. Erste Zahlen und Ursachen.

Der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) gab zum 22. Januar 2021 eine Vorschätzung über die Ergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2020/21 ab. Alle landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe müssen, im Durchschnitt aller Betriebsformen und Regionen, rückläufige Gewinne und damit teils erhebliche Eigenkapitalverluste und Liquiditätsprobleme verkraften.

Rückgänge im Unternehmensergebnis um bis zu 22 %

Die Unternehmensergebnisse der Futterbaubetriebe geben gegenüber dem Vorjahr noch einmal nach. Bedingt ist das vor allem durch hohe Produktionskosten (u. a. hohe Futterkosten durch Grundfuttermangel) und schwache Erzeugerpreise für Milch und Rindfleisch (insbesondere der Coronapandemie geschuldet).
  • Die Rückgänge im Unternehmensergebnis reichen im Mittel der Auswertungen von -8 % im Saarland bis hin zu -22 % in Niedersachsen. 
  • Erreicht werden in 2020/21 voraussichtlich Gewinne in einer Spanne zwischen 44.000 € (Niedersachsen) und 59.000 € (Saarland).
  • Die damit verbundenen Werte der Nettorentabilität schwanken zwischen 53 % in Niedersachsen und 80 % im Saarland. Die Wirtschaftlichkeit nimmt um bis zu 20 % ab.
  • Die Gewinne der Futterbaubetriebe sind damit bereits seit drei Jahren rückläufig. 
Bei den Futterbaubetrieben bewirken die produktionstechnischen Ausrichtungen allerdings markante Unterschiede: Spezialisierte Milchkuhbetriebe verzeichnen dabei einen geringeren Rückgang des Gewinns als spezialisierte Bullenmäster und Mutterkuhhalter.

Drittes Trockenjahr verschärft vielerorts Grundfuttermangel

Auch im Erntejahr 2020 war Wasser in vielen Regionen Deutschlands der limitierende Faktor. Der Frühling 2020 war erneut außergewöhnlich trocken und auch im Frühsommer fehlten Niederschläge. Das verursachte, regional abweichend, Ertragsverluste bis hin zu Totalausfälle im Anbau von Silomais und sonstigem Ackerfutter sowie im Dauergrünland.  
Eine teils hohe Schädlingsproblematik (milder Winter 2019/20; Mäuseplage in Niedersachsen und Thüringen, erhöhtes Vorkommen der Wiesenschnarke) sowie regionale Spätfröste bereiteten weitere Probleme in der Grundfutterproduktion. 

Die überdurchschnittliche Trockenheit im Frühjahr und Frühsommer 2020 hat in vielen Regionen erneut zu Mindererträgen im Futterbau geführt.  (Bildquelle: Berkemeier)

Die wenigsten Betriebe verfügten bzw. verfügen noch über Reserven in ihren Grundfuttervorräten. Dort wo sich der Grundfuttermangel in der Saison 2020 erneut verschärfte, reagierten viele Kuhbetriebe mit einem Abstocken ihrer Herden. 
Regional konnten je nach Bodengüte und Wasserversorgung allerdings auch sehr gute Erträge erreicht. Das traf jedoch eher auf die Minderheit der Betriebe zu.
Ein Rückblick auf die Bedingungen zur Silomaisernte 2020 finden Sie bei uns im Artikel „Maisabreife: Die Unterschiede sind groß“.

Um etwa 2 % niedrigere Milcherzeugerpreise 

  • Die schwierige Situation am Milchmarkt wurde vornehmlich durch die Anfang des Jahres 2020 begonnene Coronapandemie verursacht. Der Lockdown-Betrieb reduziert die Absatzmöglichkeiten, auch wenn im Lebensmitteleinzelhandel mehr Rekordnachfragen erreicht wurden.
  • Insgesamt sei die Milchwirtschaft in Deutschland allerdings laut Milchmarktexperten noch mit einem „blauen Auge“ davon gekommen. Der Jahresdurchschnittspreis 2020 liegt mit voraussichtlich 32,9 Cent pro kg Standardmilch um knapp einen Cent unter dem Vorjahr 2019 (33,7 Cent pro kg). 
  • Die Auswirkungen auf die heimischen Erzeugerpreise wären gravierender, wenn sich das weltweite Wachstum der Milchproduktion gegenwärtig nicht abschwächen würde, erklärt der Verband der Landwirtschaftskammern. Er geht von einem ganzjährigen Rückgang des Erzeugerpreises von bis zu 2 % aus.
Eine Zusammenfassung über die Entwicklungen am Milchmarkt im Jahr 2020 finden Sie im Artikel Rückblick und Ausblick auf den Milchmarkt“.

20 % Verluste in der Altkuhvermarktung

Die Erlöse für Altkühe in der Rindfleischerzeugung fielen 2020 schwach aus. Die Nachfrage war bedingt durch die im Corona-Lockdown geschlossene Gastronomie, insbesondere das Burger-Geschäft, eingebrochen. (Bildquelle: Berkemeier)

In Folge des ersten Lockdowns, ab März 2020, sind die Rinderpreise gesunken. Der vorwiegende Grund war die Schließung von Restaurants und anderen Gastronomie-Betrieben. Nach zwischenzeitlicher Erholung verschärft der zweite Lockdown (November 2020) den Nachfragerückgang erneut.
  • In der Vermarktung der Altkühe wird mit einem Preisminus von knapp 20 % gegenüber dem Vorjahr gerechnet. 
  • Bei den Mastrindern mit einem Preisrückgang von bis zu 5 %. 
  • Bei weiblichen Zuchtrindern wird ein ganzjähriger Preisabschlag von bis zu 8 % erwartet. 
  • Für Kälber um 20 % geringere Notierungen.
Quelle: AgE, AMI


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