EuroTier

Digitale EuroTier – wenig überzeugend

Ich habe mich vier Tage lang auf der digitalen EuroTier umgeschaut. Wirklich überzeugt hat mich das Konzept der virtuellen Messe nicht!

Corona bedingt musste die eigentlich für November 2020 angesetzte EuroTier, die Leitmesse für die Tierhaltung, erstmals digital ausgerichtet werden. Eigentlich hätte ich erwartet, mich durch eine ansprechende Gestaltung in 3D durch virtuelle Messehallen bewegen zu können. Ja, ich habe tatsächlich gehofft, dass sich das Gefühl einstellt, auf einer „echten“ Messe zu sein – auch wenn mir durchaus klar war, dass ich nicht durch die Hallen geschoben werde und auch Kaffee und Snacks fehlen werden. Leider wollte sich bei mir der Eindruck eines Messebesuches überhaupt nicht einstellen. Nach der relativ unkomplizierten Registrierung an für die digitalen Messe landete ich direkt auf einer (etwas unübersichtlichen) Plattform, die mich doch sehr an eine Datenbank erinnert hat. Ausgesprochen neugierig war ich darauf zu erkunden, wie sich die Austeller präsentieren.

Keine Messestände

Glücklicherweise hat sich so mancher Aussteller, der nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie angekündigt hatte, sich nicht an der EuroTier 2020 zu beteiligen, es sich dann doch noch anders überlegt. Das ist gut so, denn Besucher kommen nur, wenn sich möglichst viele Aussteller der Branche an der Messe beteiligen.
Wie bereits erwähnt, konnte ich als Besucher während der EuroTier keine Stände „besuchen“. Das hätte ich aber bei einer internationalen Leitmesse erwartet. Um Informationen zu erhalten musste ich mich stattdessen durch eine Datenbank klicken (das Handling war sehr nervig, da ein Sprung zurück immer zur Startseite führte). Auf einem Messestand angelangt, gab es zwei Möglichkeiten: Per Mausklick Broschüren in Form von pdf-Dateien aufrufen oder aber den Showroom betreten. Zumeist wurde man nach dem Eintritt in den Showroom mit einem Mitarbeiter der jeweiligen Firma „connected“, es wurde ein VideoCall gestartet. Manchmal ging dies sehr schnell, da ein Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin am Empfang Dienst schob („willkommen, wie kann ich Ihnen helfen?“), manchmal dauerte es etwas länger, manchmal blickte ich auch minutenlang auf eine blaue Wand, ohne dass sich etwas tat.

Verschollen im HomeOffice

Ebenso wie auf der „normalen“ EuroTier traf ich natürlich nicht sogleich auf den einen Gesprächspartner, der mir weiterhelfen konnte. Wartezeiten gehören nun mal bei einem Messebesuch dazu. Manchmal ist es aus Zeitgründen einfach auch nicht möglich, sich in aller Tiefe zu informieren. Das war auch vergangene Woche der Fall, denn bei etlichen Ausstellern waren die Mitarbeiter gerade im Homeoffice „verschollen“ (nicht verfügbar aufgrund technischer oder sonstiger Probleme) oder aber Ton- und Videoprobleme machten ein Gespräch unmöglich (Hinweis: Ich habe aus dem Homeoffice heraus die Messe besucht, dort verfüge ich über einen Glasfaseranschluss und HighSpeed-Internet). Natürlich hätte ich auf die integrierte Chat-Funktion zurückgreifen können, doch ehrlich gesagt, war mir dies zu lästig.

Viele virtuelle Vorträge

Das eigentliche Highlight waren denn auch nicht die Messestände sondern die unterschiedlichen digitalen Vorträge (Webinare), bei denen man ebenfalls über einen Chat Fragen an Referenten und Referentinnen stellen konnte. Oftmals konnte man sich nach dem Ende der Vorträge noch in ein virtuelles Forum zurückziehen und dort weiter diskutieren. Zum Glück wurden hier neben den üblichen Werbevideos einige Forschungsprojekte in Bild und Ton vorgestellt. Diese Präsentationen haben dann meine Laune doch ein bisschen ausgebessert.
Die Digitalisierung hat in den letzten Monaten einen großen Schritt nach vorne gemacht. Szenarien, die vorher als undenkbar galten, sind mittlerweile Teil des Alltags. Viele Veranstaltungen finden mittlerweile per Video statt. Letztendlich können derartige digitale Angebote aber nicht  das persönliche Miteinander ersetzen. Denn gezielt einen Film zu einer bestimmten Uhrzeit anzuklicken, fühlt sich schon ziemlich nach Notlösung an - ein Besuch auf der Website der ausstellenden Unternehmen bringt schließlich den gleichen Erkenntnisgewinn.  
Ein virtuelles Event kann die Emotionalität eines Live-Events eben niemals ersetzen. Deshalb ist eine digitale EuroTier ist für mich auch keine Alternative. Das Ausharren vor dem Bildschirm kann einfach nicht das Gefühl ersetzen, das sich beim Schlendern durch die Messehallen einstellt. Nicht nur die DLG als Ausrichter, ich denke mal die meisten von uns werden deshalb inständig darauf hoffen, im November 2022 wieder nach Hannover zu reisen!

Digital-Plattform ist weiterhin geöffnet

Laut der DLG wählten sich an den vier Veranstaltungstagen über 41.000 Teilnehmer auf der Digital-Plattform ein (davon etwa die Hälfte aus dem Ausland). Sie informierten sich über das Angebot von rund 1.200 teilnehmenden Unternehmen und besuchten über 300 „Veranstaltungen“.
Die Digital-Plattform ist weiterhin geöffnet. Alle Inhalte sind ab dem 18. Februar bis zum 15. April auf der Digital-Plattform verfügbar. Sie haben so weiterhin die Möglichkeit, sich über die Angebote der Aussteller und die Inhalte des Fachprogramms zu informieren. Ebenso können sie sich per Textnachrichten und Kontaktanfragen mit den Unternehmen vernetzen.


Diskussionen zum Artikel

von Klaus Redegeld

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