Bio-Milchmarkt wenig vom Corona-Effekt betroffen

Aufgrund der Trockenheit sinkt die Anlieferungsmenge an Biomilch. Das und die wachsende Nachfrage entlasten den Markt. So wird trotz Coronakrise von stabilen Erzeugerpreisen für Biomilch ausgegangen.

Der Markt für Biomilch sei wenig von der Corona-Krise betroffen, erklärte der Präsident des Anbauverbandes Bioland, Jan Plagge, vergangene Woche (KW17|2020). Die Nachfrage nach heimischen Bioprodukten nehme auch ohne Corona weiter zu und aufgrund der anhaltenden Trockenheit lieferten Biomilcherzeuger aktuell weniger Rohstoff an als geplant. „Durch die steigende Nachfrage und das derzeit knappe Biomilchangebot der heimischen Lieferanten spricht auch weiterhin alles für eine stabile Erzeugerpreisentwicklung“, so Plagge.
Plagge betonte, dass der Biomilchmarkt so stabil funktioniere, weil die Molkereien und Milcherzeuger eng agieren und die Molkereien die Mengen intensiv planten (Aufnahmestopps neuer Lieferanten, Mengenbegrenzungen für bestehende Lieferanten). Zudem sei der Biomilchmarkt eben regional ausgelegt und unterliege damit weniger Risiken als der, zur Hälfte exportorientierte, konventionelle Milchmarkt. Die einzelnen Milch-Lieferbetriebe seien dort großen Abhängigkeiten ausgesetzt und hätten wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Der Ökolandbau setze deshalb auf einen Umbau sowohl in der Produktion als auch im Hinblick auf lokale Märkte.
Quelle: AgE
Anmerkung: Dass der Rohstoff Biomilch durchaus in einem nicht unerheblichen Teil importiert (Dänemark) wie exportiert (Italien) wird und gerade im Bundesgebiet von Nord- nach Süddeutschland gefahren wird, merkte Herr Plagge nicht an. Die Transportwürdigkeit von Biomilch wird seitens der Milchverarbeiter als Argument für die weiten Transporte genannt. Sie ist bedingt durch Angebot und Preis höher als die konventioneller Milch.

Futterknappheit belastet die Bio-Milcherzeuger (trotz stabiler Preise)

Die Erzeuger von Biomilch stehen aufgrund der Futterknappheit trotz der stabilen Milchpreise unter finanziellem Druck. Die Trockenheit setzt auch dem Öko-Grünland zu und erschwert damit die Umsetzung der verpflichtenden Weidenutzung. Dass hier entsprechend die Anlieferungsmilch sinkt und die Produktionskosten steigen, dürfte betroffene Biomilcherzeuger wenig erfreuen, auch wenn sie mit stabilen Milchpreisen rechnen können. Biomilcherzeuger sind schließlich, genauso wie ihre konventionellen Kollegen, auf gute Grundfuttererträge, das bedarfsgerechte Ausfüttern ihrer Kühe und stabile Ablieferungsmengen angewiesen, um wirtschaften zu können.
Das ist eine Anmerkung seitens der Redaktion. Herr Plagge hat hierauf nicht hingewiesen.

Biomilch ist in Gastronomie von geringer Bedeutung

Der Biomilchmarkt ist zudem nicht so schwer von den Verschiebungen der Nachfrage im Zuge von Corona betroffen, weil der Absatz von Biomilchprodukten hauptsächlich über den Verkauf im Lebensmitteleinzelhandeln läuft. Der Absatz von Biomilcherzeugnissen über die Gastronomie ist so gering, dass er den Markt jetzt nicht störe. Dasselbe gelte für den Export von Biomilcherzeugnissen. Diese geringen Mengen können laut Rüdiger Brügmann, von Bioland Koordinationsstelle Biomilch, derzeit leicht" umgeleitet werden.

Die Nachfrage nach Biomilch wächst weiter

Im März lagen die Biomilcherzeugerpreise bei 47,6 Cent pro Liter im Bundesmittel. Die Anlieferungsmengen waren in den ersten beiden Monaten 2020 laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) um +4,2% (Januar) und +8,8% (Februar) gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Gestiegen sei aber auch die Nachfrage im Lebensmittelhandel und das im zweistelligen Bereich. Jetzt werde Bio-Milch zunehmend knapp, so geben laut Bioland erste Bio-Molkereien Interessenten aus ihren Wartelisten wieder Zusagen für die Aufnahme. Lieferbeginn ist dann nach der Umstellungszeit 2021 oder 2022.
Quelle: biomilchpreise.de, eigene Recherche


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