Molkereien

Bereichern sich Molkereien auf Kosten ihrer Lieferanten?

Viele Molkereien geben das Marktrisiko einfach an ihre Milcherzeuger weiter. In guten Jahren behalten sie die Gewinne einfach ein, kritisiert das MEG Milch Board.

Für Milcherzeuger ist es im Grunde egal, ob sie an eine „gute“ oder „schlechte“ Molkerei liefern oder ob sie eine Milch mit besonderen Qualitätsmerkmalen produzieren. Am Milchpreis ändert sich ohnehin nichts. Das geht aus einer Studie hervor, die vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft im Auftrag des MEG Milch Board erstellt wurde.
Obwohl die Molkereien deutliche Unterschiede bei der Nettowertschöpfung erzielten, wichen die Milchauszahlungspreise im Durchschnitt der zehn untersuchten Jahre nur maximal um das 1,5-fache voneinander ab. Die untersuchten Molkereien konnten im Zeitraum von 2009 bis 2018 – unabhängig von der Unternehmensform – ihre Nettowertschöpfung erhöhen. Die beste Molkerei erreichte laut der Studie ein Ergebnis von 65 Cent pro Kilogramm Verarbeitungsmilch.
Auffällig ist, dass die Milchauszahlungspreise der Genossenschafts- und Privatmolkereien trotz der sehr unterschiedlichen Nettowertschöpfung fast das gleiche Niveau und denselben jährlichen Verlauf zeigen. Das liegt vor allem daran, dass es für die Molkereigenossenschaft keine Veranlassung gebe, sich dem Marktrisiko zu stellen und sich durch innovative Produkte am Markt zu platzieren, kritisieren die Autoren der Studie. Anstatt eine möglichst hohe Wertschöpfung aus der Milch ihrer Mitglieder zu generieren, reichen sie das gesamte Marktrisiko an ihre Lieferanten weiter (nachträgliche Preisfestsetzung). Die privaten Molkereien kopieren dieses Markt- und Preismodell, obwohl sie zumeist über ein innovativeres Produktportfolio verfügen und deshalb oftmals profitabler wirtschaften.

1 | Nettowertschöpfung ausgewählter Molkereien

MIV bemängelt handwerkliche Fehler

Deutliche Kritik an der Studie sowie an den daraus gezogenen Schlussfolgerungen kommt vom Milchindustrie-Verband (MIV). Der Verband wies darauf hin, dass gerade im genossenschaftlich geprägten, deutschen Milchmarkt die eigenen Gremien und damit die Milcherzeuger über die Höhe des möglichen Milchpreises entschieden. Generell würde „die Partnerschaft zwischen Milcherzeugern und Molkereien funktionieren“. Außerdem weise die Untersuchung „handwerkliche Fehler“ auf. So würden in der definierten, zeitraumbezogenen Nettowertschöpfung auf der Verwendungsseite neben zeitraumbezogenen Erfolgsgrößen auch die physischen Bestände der Rücklagen einbezogen. Weiterhin merkt der MIV an, dass niemand anderes als die Milchbauern selbst in einem genossenschaftlichen System von den Rücklagen profitierten.

Kommentar: Neu sind die Erkenntnisse der Studie nicht!

Aber auch wenn sich über die Systematik und die Interpretation der Unternehmensdaten diskutieren lässt, so lässt sich nicht negieren, dass nach wie vor einige wenige große Genossenschaftsmolkereien mit geringer Wertschöpfung das bundesweite Niveau der Milchauszahlungspreise bestimmen (insbesondere das DMK ist hier zu nennen). Molkereien mit einer hohen Wertschöpfung, zahlen oftmals keine höheren Milchpreise an ihre Lieferanten. Aus Sicht der privaten Milchverarbeiter ist das verständlich, denn sie sind bestrebt möglichst hohe Unternehmensgewinne zu erzielen (so wie jeder Milcherzeuger auch). Genossenschaften müssen jedoch anders handeln! Sie sind dazu verpflichtet, das Maximum an Wertschöpfung für ihre Mitglieder herauszuholen. Dies ist aber leider oft nicht der Fall. Einige Genossenschaften könnten deutlich mehr auszahlen als sie es tun. Warum zögern sie? Anscheinend fehlt ihnen der Mut vor der eigenen Courage … das gilt auch für ihre Lieferanten, denn in einer Genossenschaftsmolkerei entscheiden theoretisch die Milcherzeuger über die Höhe des Milchpreises mit. Vielleicht würde es schon helfen, wenn in den Gremien intensiver über die Zahlen diskutiert und gegebenenfalls etwas mutiger gehandelt werden würde?

Hintergrund

In der Studie wurden die Wertschöpfungsergebnisse zu den wichtigsten deutschen Molkereien in der zehnjährigen Periode von 2009 bis 2018 untersucht (Brutto- und die Nettowertschöpfung). Dabei wurden die Unterschiede zwischen Privat- oder Genossenschaftsmolkereien mit verschiedenen Verarbeitungsmengen, Vermarktungsstrategien und Absatzmärkten herausgearbeitet.
Insgesamt wurde die Wertschöpfung von 38 Molkereien, davon 22 Genossenschafts- und 16 Privatmolkereien analysiert. Das sind 25 Prozent der insgesamt aktiven Molkereien und 43 Prozent der Molkereien mit einer jährlichen Milchverarbeitung über 50.000 Tonnen. Die Molkereien mit einer Verarbeitungsmenge über 300.000 Tonnen pro Jahr sind fast vollständig repräsentiert. Die Molkereien dieser Größenklassen verarbeiten 66 Prozent des jährlichen Milchaufkommens.
Quelle: MEG MilchBoard, AgE


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