Aldi fordert Milchbranche mit Preissenkungen heraus

Aldi hat angekündigt Preise für Milchwaren zu senken und damit die gesamte Milchbranche gegen sich aufgebracht. Erste Protestaktionen sind angelaufen. Wie verhalten sich die Molkereien? UPDATE 8. März: Etliche Aldi-Zentrallager werden blockiert.

Aldi hat angekündigt Preise für Milchwaren für Aldi Nord und Süd zu senken. Erstmals verhandelt das Aldi Global Sourcing in Salzburg den Einkauf von frischen Milchbasisprodukten für Aldi Nord und Süd im gemeinsamen Mandat. Dabei hat der verantwortliche Einkäufer Nicholas Bond den Zeitpunkt der Verhandlungen für die Halbjahres-Kontrakte ab 1. Mai um einige Wochen vorgezogen. Anscheinend gibt der Handelskonzern die konzentrierte Nachfrage sowie den geschwächten Weltmarkt aufgrund des Corona-Virus als Grund für die Preissenkung an.
Die Weltmarktnotierungen ergäben aktuell keine Anzeichen für einen Anstieg der Milchpreise, so Aldi in einer Stellungnahme. Die vorgezogenen Verhandlungen begründet ein Aldi-Sprecher mit internen, administrativen Abläufen in beiden Unternehmensgruppen. Dadurch sei ein größerer zeitlicher Vorlauf notwendig. Ein Zusammenhang mit der Corona-Epidemie bestehe nicht, widerspricht Aldi der Interpretation, die Molkereien gegenüber der LZ geäußert hatten.

Bauern protestieren vor Aldi-Lagern

Die Milchbranche war über die Forderung nach niedrigeren Preisen verärgert, wie über den Stil der geführten Verhandlungen. Es gebe keinen Anlass für Preissenkungen bei der Weißen Linie, zumal bei Käse eher mit einer Verteuerung zu rechnen sei, heißt es dort. Niedrigere Preise passten zudem nicht in die aktuelle Lage, wo von auskömmlichen Preisen für die Landwirte die Rede sei und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Handel vor Kurzem zum Gipfelgespräch über unfaire Handelspraktiken einbestellt hatte.
Die Ankündigung von Aldi hat am Donnerstag und Freitag zu Bauernprotesten vor Aldi-Lagern geführt und Boykottaufrufen in sozialen Medien nach sich gezogen. Als Zeichen einer Deeskalation verlängerte daraufhin Aldi den Angebotszeitraum mit potenziellen Lieferanten. Darüber stellte das Unternehmen klar, weiter den aktiven Dialog mit Landwirten und Erzeugern zu suchen.

Es drohen weitere Proteste

Der Vize- und Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes, Karsten Schmal, kritisiert, dass dieses Einkaufsverhalten ein Paradebeispiel für den Missbrauch von Nachfragemacht und ein Fall für das Kartellamt ist. Dieses müsse jetzt hier einschreiten.
"Bekannt ist, dass Aldi und seine Mitbewerber jede Chance für niedrigere Einkaufspreise nutzen. Dass man dafür sogar auch das Corona-Virus als Vorwand nutzt, ist eine neue Qualität. Diese Angelegenheit zeigt aber vor allem, dass die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken notwendig war und nun dringend national umgesetzt werden muss, und zwar weitgehender und strenger als die EU vorgibt. Wir stellen außerdem fest, dass die Unternehmen des Lebensmittelhandels ihre Marktmacht nur dann ausspielen können, wenn es Molkereien gibt, die auch mitspielen“, so Schmal gegenüber top agrar.
Auch die Unterstützer von „Land schafft Verbindung“ (LSV) zeigen sich verärgert darüber, dass der Discounter Aldi in seinem zentralen Einkauf die Preise für die Kontrakte von Frischmilcherzeugnissen der Weißen Linie drücken will. „Wir bei LSV sind darüber sehr verärgert und überlegen, wie wir mit dieser Information umgehen“, sagte Martin Kortbuß, selbst Milcherzeuger und bei LSV in NRW engagiert, im Gespräch mit der agrarzeitung.de.
UPDATE 8. März
Am Sonntag 8. März haben Milcherzeuger etliche Aldi-Zentrallager in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz stillgelegt". Die Aktionen wurden nicht von einer übergeordenten Organisation koordiniert, vielmehr haben sich die erzürnten Landwirte nach eigenen Angaben kurzentschlossen vor den Auslieferungslagern des Discounters auf einen Kaffee getroffen, zum Schleppertausch oder aber aus anderen Gründen.
Das Bündnis Land schafft Verbindung (LsV), das bereits mehrmals mit Schlepperdemos seinen Unmut über die Agrarpolitik zum Ausdruck gebracht hat, hatte nach eigenen Angaben nicht zu diesen Aktionen aufgerufen. Dennoch har der Sprecher des Bündnis, Dirk Andresen, am Sonntag (8. März) mit dem Unternehmenssprecher von Aldi Nord telefoniert. Dieser hat eingeräumt, dass das Thema mittlerweile auch in der Aldi-Führungsetage angekommen sei. Am Montag (9. März) will Aldi über das weitere Vorgehen beraten, dann u.a. auch mit den betroffenen Molkereien sprechen, um dann letztlich ein für alle akzeptables Ergebnis präsentieren zu können.

Zahlreiche Auslieferungslager von Aldi wurden am Sonntag 8. März von Milcherzeugern mit Schleppern zugestellt. (Bildquelle: NDR)


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