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Luzerne: Die Pflanze der Zukunft?

Der Klimawandel macht Grundfutter in einigen Regionen zu einem knappen Gut. Wochenlange Hitze und Trockenheit erschweren die Produktion von gutem Futter. Die Luzerne könnte hier eine Futteralternative sein, die jetzt gesät werden muss.

Am wohlsten fühlt sich die Luzerne auf kalkhaltigen Böden mit einem pH-Wert von mindestens 6 und ohne Staunässe. Sie eignet sich grundsätzlich nur für tiefgründige, durchlässige und somit leicht erwärmbare Böden mit guter Kalk-, Phosphor- und Kaliversorgung. Wurde auf einem Standort in der Vergangenheit noch nie Luzerne angebaut, sollten kulturartspezifische Rhizobien entweder vor der Saat in den Boden geimpft oder dem Saatgut beigemischt werden.

Bester Saatzeitpunkt: Mitte März bis Mitte April

Bei der Sortenwahl sollte neben einem hohen Trockenmasse- und Rohproteinertrag auch auf die Ausdauer und die Winterhärte geachtet werden. Der optimale Saatzeitpunkt ist zwischen Mitte März und Mitte April. Das Keimtemperaturminimum liegt bei etwa 5°C, jedoch sind auch Fröste bis -8°C für das im Boden liegende Saatgut (nicht aber für junge Keimlinge) unschädlich. Den besten Auflauf erreicht man in einem unkrautfreien und gut angewalzten Saatbett. Beim Drillen darf höchsten 6 km/h gefahren werden und vorteilhaft ist es, das Vorgewende zuerst zu drillen. Zur Überfahrt eignen sich Zwillingsreifen oder Reifen mit geringem Reifendruck. Der Reihenabstand ist zwischen 12 und 15 cm variierbar. Setzt der Regen nicht unmittelbar nach der Saat ein, sollte noch einmal gewalzt werden.

Richtig nutzen und nicht beweiden

Die beste Pflege eines Luzernebestandes ist die richtige Nutzung. Unkräuter und Ungräser lassen sich durch eine gelungene Ansaat unterdrücken. Die Luzerne ist sehr empfindlich: Scharfes Eggen und Grubbern, sowie ein zu tiefer Schnitt (unter 5 cm) oder erhöhter Bodendruck verletzen die Wurzelköpfe und verhindert den zügigen Wiederaustrieb der Pflanze. Hohe Erträge und eine lange Nutzung sind nur möglich, wenn nicht beweidet wird. Außerdem sollten die Schnittpausen eingehalten und die Bestände nur bei optimaler Bodenfeuchte befahren werden.

Schnittzeitpunkt entscheidend für Qualität

Vergleicht man die Luzerne mit anderen Futterpflanzen, so weist sie einen deutlich niedrigeren Energie- und höheren Ligningehalt auf. Damit ist die organische Substanz der Luzerne 5 bis 10 % weniger verdaulich als die von Gras oder Silomais. Die Luzerne ist nicht in der Lage, Reservekohlenhydrate zu erzeugen, die der absinkenden Verdaulichkeit entgegenwirken können. Die Qualität lässt sich mit dem Schnittzeitpunkt entscheidend beeinflussen:

  • 1. Aufwuchs: 40 bis 65 cm Wuchshöhe
  • 2. und 3. Aufwuchs: 35 bis 50 cm Wuchshöhe
  • 4. und 5. Aufwuchs: 15 bis 20 cm Wuchshöhe (spätestens bis 20. Oktober)
Der Zuckergehalt der Luzerne ist mit 4 bis 7 % sehr niedrig (vgl. Wiesengras 10 – 15 %). Hinzu kommt eine sehr hohe Pufferkapazität gegen Milchsäure. Ohne den Zusatz von Siliermitteln kann die trockensubstanzarme Luzerne daher nicht siliert werden! Es sind 70 bis 85 g Milchsäure nötig, um 1 kg Luzernesiliergut auf einen pH-Wert von 4,0 zu bringen (vgl. Gras 55 bis 60 g). Für eine sichere Silierung sind Trockenmassegehalte von 40 Prozent nötig. Kein leichtes Unterfangen bei einer schlechten Verdichtbarkeit und hohen Blattverlusten. Angewelktes Siliergut verbessert den Konservierungserfolg deutlich.

Fazit: Die Luzerne ist keine einfache Pflanze. Nur mit der richtigen Pflege und Nutzung kann man ordentliche Erträge und gute Qualitäten erzeugen. In Zukunft sind auch die Züchter gefragt, Sorten mit niedrigen Rohfasergehalten und hohen Erträgen zu erzeugen, die bis zu fünf Schnitte auf dem Feld stehen können. Dann ist der Anbau von Luzerne sicher nicht mehr nur für die Öko-Betriebe relevant.

Quelle: Dr. Olaf Steinhöfel, SMUL Köllitsch/Sachsen