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Trockenstellen

Interne Zitzenversiegler statt Trockensteller?

Zitzenversiegler statt antibiotischer Trockensteller - funktioniert das? Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein stellt Ergebnisse von 34 trockengestellten Kühen eines Betriebes vor, der seit 1,5 Jahren interne Zitzenversiegler einsetzt.

Die meisten Eutererkrankungen entstehen während der Trockenstehperiode, wobei die ersten zwei Wochen dieser Zeit die kritischste Phase darstellen. Nach Aussage von Eutergesundheitsspezialist Prof. Volker Krömker (Hochschule Hannover) liegt die Infektionsrate in der Trockenperiode etwa 5,5-mal höher als in der Laktation. Deswegen findet die intrazisternale Verabreichung von antibiotisch wirksamen Trockenstellern auch solch eine weite Verbreitung.
Bei Hochleistungskühen mit weiten und kurzen Strichkanälen bildet sich der notwendige Keratinpfropf nach dem letzten Melken oft verzögert oder nur unvollständig aus. Dieser mangelhafte Verschluss durch eigenes Keratin kann durch den internen Zitzenversiegler ausgeglichen werden. Interne Zitzenversiegler bestehen aus visköser Paste, die nach dem letzten Melken in den Strichkanal eingeführt werden und so einen Verschluss des Strichkanals bewirken.
In der beschriebenen Studie wiesen die Kühe während der letzten Milchkontrolle vor dem Trockenstellen eine durchschnittliche Milchleistung von 19,1 kg  auf (siehe Übersicht). Die Schwankungsbreite lag zwischen 9,7 und 30,4 kg, was zeigt, dass dieses Konzept auch bei Tieren mit hoher Milchleistung zur Anwendung gekommen ist. Sie wiesen in der letzten Milchkontrolle einen mittleren Zellzahlgehalt von 67.000 je ml Milch auf. Die mittlere 305-Tage-Leistung dieser Kühe betrug 10.042 kg.

Kriterien für den Zitzenversiegler-Einsatz

Auf diesem Betrieb werden interne Zitzenversiegler nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt:

  • Zellzahl unter 150.000, möglichst unter 100.000/ml Milch während der letzten fünf Milchkontrollen vor dem Trockenstellen. Die letzten beiden Milchkontrollen vor dem Trockenstellen sind dabei am wichtigsten.
  • Das Ergebnis des Schalmtests aller vier Viertel muss negativ ausfallen (d.h. das Tier muss ein gesundes Euter haben).

Bakteriologische Untersuchung erforderlich

Wie aus der Übersicht zu erkennen ist, zeigen sich die Kühe vor wie auch nach der Kalbung bester Eutergesundheit (Zellzahlen zwischen 42.000 und 75.000/ml Milch). Das zeigt, dass weniger die  Tagesmilchmenge zum Zeitpunkt des Trockenstellens, sondern vielmehr die Eutergesundheit ein Entscheidungskriterium ist, ob auf einen antibiotischen Schutz in der Trockenstehphase verzichtet werden kann. Eine Viertelgemelksuntersuchung wenige Tage vor dem Trockenstellen (zum Erregernachweis im Labor sowie als Schalmtest) ist dabei von großer Relevanz. Das ist vor allem in Herden wichtig, in denen Leitkeime wie Staph. aureus vorhanden sind. Hier ist ein (spezieller) antibiotischer Schutz unerlässlich.

Quelle: K. Mahlkow-Nerge, LVZ Futterkamp