Weidehaltung

Weidegewohnte Tiere kommen mit Hitze klar

Wie sehr leiden Milchkühe auf der Weide aktuell unter den Hitzetagen und was ist zu tun? Antworten von Weidespezialist, Siegfried Steinberger, LfL Bayern, Grub. 

Siegfried Steinberger

LfL Bayern

Rinder empfinden die Hitze im Stall ganz anders als auf der Weide. Der Grund dafür ist die höhere Luftfeuchtigkeit, die im Stall mit höherer Temperatur steigt, auf der Weide dagegen sinkt. Hinzu kommt, dass draußen meist auch an Hitzetagen eine Luftbewegung von über 1 m pro Sekunde vorherrscht. Daher sieht man auch häufig Herden, die einen vorhandenen Unterstand oder Schattenplatz gar nicht aufsuchen. Stattdessen liegen sie lieber auf Hügeln oder Anhöhen, wo eine höhere Luftbewegung herrscht. 

Rinder suchen Schatten nicht generell auf. Oftmals bevorzugen sie Plätze mit Luftbewegung. (Bildquelle: Steinberger)

Weidegewohnte Tiere sind resistenter
Die Erfahrung zeigt, dass weidegewohnte Tiere, die schon im Frühjahr draußen sind, besser mit extremen Wetterlagen zurechtkommen. Hinzu kommt, dass z.B. Jungrinder eine ganz andere Wohlfühltemperatur haben als  hochleistende Milchkühe und eine Hochleistende eine ganz andere als eine Niederleistende. Eine Kuh mit z.B. 50 Liter Milch am Tag fühlt sich zum Beispiel zwischen – 10 und +2 ° C noch wohl, eine mit 25 Liter am Tag erträgt dagegen zwischen 0 °C und + 12 °C. 
Deshalb empfiehlt auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei professioneller Weidehaltung auf eine Herbst-/Winterkalbung zu setzen. Dadurch fällt die Zeit der Hochleistung in die kalte Jahreszeit. Tiere, die für kurze Zeitfenster eher unwirtlichem Wettergeschehen ausgesetzt sind, werden dadurch auch abgehärtet.  Das kann sich positiv auf den allgemeinen Gesundheitsstatus auswirken. Aufgrund von ein paar wenigen Hitzetagen im Jahr sollte man die Weide nicht generell infrage stellen, denn in der Gesamtschau...


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