Dürre

(Vertrockneten) Mais richtig silieren

Nach trockenen und heißen Sommern fehlt es an natürlichen Milchsäurebakterien. Tipps, damit die Silierung trotzdem gelingt!

Obwohl es vielerorts im Juni und Juli wieder geregnet hat, fehlt im Unterboden Wasser. Die aktuelle Hitzeperiode verschlimmert die Situation. Regional (in Südbrandenburg und in den Mittelgebirgsregionen vom Saarland bis nach Sachsen) bleibt das Wachstum des Maises hinter den Erwartungen zurück.
Ein trockener und heißer Sommer führt zu einem weiteren Problem: Neben dem Silagemanagement bestimmt auch der Besatz an Mikroorganismen, ob die Silierung gelingt oder Verluste auftreten. Wärme, hohe Strahlung und wenig Niederschläge verringern jedoch die Zahl der so dringend benötigten Milchsäurebakterien (Ziel: 100.000 Koloniebildende Einheiten (KBE) pro Gramm Pflanzenmaterial). Hefen und Schimmelpilze sind bei heißer und trockener Witterung den Milchsäurebakterien gegenüber im Vorteil. 
Leider gibt es keinen Schnelltest oder ein On-Farm-Verfahren, um den Bakterienbesatz der Maispflanzen zu testen. Deswegen ist strategisches Vorgehen nötig. Was können Sie bereits jetzt beachten, um trotz der Einschränkungen genug zu ernten und nach dem Öffnen des Silos das Futter stabil zu halten?

Siloreife wöchentlich kontrollieren!

Da die Witterung in diesem Jahr regional so unterschiedlich verläuft, muss der Erntezeitpunkt (und damit die Möglichkeit, trotz widriger Bedingungen ein sauber durchsilierendes Futter hinzubekommen), individuell festgelegt werden. Der TS-Gehalt der Maispflanzen ist dabei das wichtigste Kriterium für den richtigen Erntezeitpunkt. 
Obwohl es im Frühjahr und Frühsommer trocken war und der Mais gerade zur Blüte viel Wasser benötigt (ca. 6 Liter pro m² und Tag), hat es meist doch noch genug geregnet, dass die Maispflanzen Kolben ausbilden konnten. Nun kommt es darauf an, wie sich die Pflanzen in der aktuellen Witterung weiterentwickeln: Normalerweise lassen sich Maisbestände zwischen 30 und 38% Trockensubstanz (TS) gut silieren, weisen aber trotzdem ausreichend Stärke auf. Stay-green-Sorten mit länger grün bleibender Restpflanze und hohem Kolbenanteil  dürfen zum Zeitpunkt der Ernte vergleichsweise höhere TS-Gehalte erreichen (36 bis 38% TS), als ein Sortentyp mit schnell abreifender Restpflanze (30 bis 35% TS). Zu trockene Restpflanzen erschweren die Verdichtung im Silostock.
Die Siloreife sollten Sie daher mindestens wöchentlich kontrollieren! Wie Sie Dürre-Mais abhängig von TS-Gehalt und Kolbenentwicklung richtig ernten, erfahren Sie hier

Verdichtung: Mais kurz häckseln

Eine geringe Kolbenausbildung sorgt für hohe Gehalte an wasserlöslichen Kohlenhydraten, was zu einem höheren Nacherwärmungsrisiko führt. Maishäckselgut mit hohem TS-Gehalt führt zu einer schlechteren Verdichtbarkeit. So steigt das Nacherwärmungsrisiko erneut. Eine kürzere Häcksellänge bei höherem TS-Gehalt kann dem teilweise entgegenwirken.
Bei konventioneller Häckseltechnik sollte eine Häcksellänge von 8 bis 15 mm angestrebt werden. Bei TS-Gehalten über 35% empfiehlt sich eine kurze Häcksellänge von 8 mm. Bei höheren Trockensubstanzgehalten und gröberen Häcksellängen ist insbesondere im oberen Bereich des Silos eine ausreichende Verdichtung sonst nicht mehr zu gewährleisten!
Tipp: Die Häckselqualität schon während der Ernte prüfen – drei bewährte Verfahren stellen wir Ihnen in unserer Praxis-Anleitung (mit Videos) vor! 
Auch Häckselkette, Silogeometrie und Walzfahrzeuge beeinflussen, wie gut die Verdichtung funktioniert. Die Walzleistung bestimmt das Erntetempo, nicht der Feldhäcksler, insbesondere bei gröber gehäckseltem Material. Tipp: Viele Hersteller bieten kostenlose Apps oder Onlinekalkulatoren zur Silierung an, mit denen man vor der Ernte prüfen kann, ob die Häckselkette formal richtig aufgestellt ist. 

Verdichtungsempfehlungen für Maissilage

Siliermittel: aerobe Stabilität verbessern

Siliermittel der DLG-Wirkungsrichtung 2 verbessern die aerobe Stabilität nach Öffnung des Silos. Heterofermentative Milchsäurebakterien helfen nur bei guten bis mittleren Silier- und Entnahmebedingungen. Daher im Zweifel für den oberen halben Meter bis zum oberen Drittel des Futterstocks oder bei schlechten Bedingungen chemische Siliermittel verwenden!

In diesem Jahr sollten im Zweifel zumindest im oberen Teil des Silos Siliermittel angewendet werden.  (Bildquelle: verändert nach Nussbaum (2006))

Separates Silo für sechs Wochen

Generell ist es wichtig, dass das Silo ausreichend Zeit bekommt, um ohne Luftzutritt durchzusilieren. Wer seinen Silostock nicht für mindestens 6 Wochen verschlossen halten kann, sollte zur Überbrückung der Mindestsilierdauer bei Futterknappheit ein separates Silo anlegen und mit chemischen Konservierungsmitteln mit direkter Säurewirkung bzw. Siliersalzlösungen stabilisieren.
Zudem können bei knappem Siloraum Folienschläuche als Alternative dienen, um das Hauptsilo mindestens sechs Wochen verschlossen halten zu können. Die Nacherwärmungsproblematik ist im Schlauch bei entsprechendem Vorschub weniger zu erwarten.

Für nächstes Jahr: Reifezahlen „splitten“

Die Wahl der Maissorten bildet die Basis für gute Qualitäten im Silo. Für den rinderhaltenden Betrieb muss der Mais neben den passenden Fütterungs-Eigenschaften eine hohe Ertragsstabilität mitbringen und lange grün bleiben. Das sogenannte „Stay green-Verhalten“ ist genetisch beeinflusst. Die Restpflanze bleibt länger grün, während der Kolben schon in die Abreife geht. So erreichen Stay-green-Typen gute TS-Gehalte bei einem gleichzeitig breiten Erntezeitfenster. Maissorten mit schneller abreifender Restpflanze überscheiten hingegen schnell 35% TS-Gehalt. Eine noch grüne Pflanze lässt sich besser häckseln und im Silo auch einfacher verdichten.
Außerdem „splitten“ viele Betriebe die Reifezahlen aus zwei wichtigen Gründen:
Zum einen wird das Risiko von z.B. großer Hitze zum Zeitpunkt der Blüte auf mehrere Sorten verteilt und damit auch das Risiko von schlechter Befruchtung verringert. Zum anderen dienen die unterschiedlichen Reifezahlen dazu, das Erntezeitfenster zu erweitern. Bei Silomais bedeuten zehn Reifeeinheiten mehr (zum Beispiel: S 230 im Vergleich zu S 240) einen Unterschied im TS-Gehalt von ca. 1% in der Abreife. Bei einer Reifezahl-Spreizung von beispielsweise S 220 bis S260 sind TS-Unterschiede von ca. 4% zu erwarten. Temperaturen, Niederschläge sowie auch Bodenart und Düngung spielen im Abreifeprozess zusätzlich eine große Rolle.


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