Tiertransport

Transportalter für Kälber heraufgesetzt

Ab November 2022 dürfen Kälber voraussichtlich erst transportiert werden, wenn sie 28 Tage oder älter sind. Das hat Konsequenzen für viele Milcherzeuger.

Künftig sollen Kälber  innerstaatlich  in Deutschland erst ab dem 28. Lebenstag überbetrieblich transportiert werden dürfen, anstatt wie bislang ab dem 14. Lebenstag.

Umsetzung ab Ende 2022

  •  Den Beschluss für das höhere Mindest-Transportalter für Kälber hat der Bundesrat am 25. Juni 2021 über eine Änderung des § 10  Begrenzung von Transporten, Absatz (4) in der nationalen Tierschutztransportverordnung gefasst.
  • In der Praxis umgesetzt werden muss das höhere Transportalter voraussichtlich ab Ende des Jahres 2022 – nach einer Übergangsfrist von 12 Monaten nach Verkündigung des Beschlusses. Eine Verkündigung erfolgt laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) frühestens im November 2021. Eine Verlängerung der Übergangsfrist sei nicht absehbar.
  • Innerhalb eines Betriebes in einem Umkreis von max. 50 km darf man die eigenen Kälber im eigenen Transporter weiterhin früher transportieren.
  • Für die grenzüberschreitenden Beförderungen von Kälbern aus dem Bundesgebiet heraus gelten unverändert die Vorgaben der EU-TierschutztransportVO (EG) Nr. 1/2005. Ob Kälber demnach weiterhin ab dem 14. Lebenstag ins Ausland transportiert werden dürfen, hänge insbesondere davon ab, ob es sich bei der Beförderung um eine lange Beförderung (>8 h) handle oder nicht, erklärte eine Sprecherin des BMEL. Ob es sich bei dem Weg über eine Sammelstelle im Rahmen eines grenzüberschreitenden Transportes um eine innerstaatliche Beförderung handle, hänge „von den Umständen des Einzelfalls“ ab. Werden die Kälber direkt von einem Herkunftsbetrieb abgeholt und unter 8 h Fahrt ohne Unterbrechung ins Ausland gebracht, handle es sich eindeutig um eine grenzüberschreitende Beförderung für die weiterhin die 14-Tage-Regelung gilt.
Die Option der grenzüberschreitenden Vermarktung von 14 Tage alten Kälbern nutzen zu können, wird die Ausnahme sein, schätzt Dr. Norbert Wirtz vom Bundesverband Rind und Schwein. Damit sie sich rechnet, muss eine bestimmte Gruppengröße an gleichaltrigen Kälbern aus einem Betrieb zusammenkommen. Und die Kälber müssen nach den, für den grenzüberschreitenden Transport geltenden Regeln im Herkunftsbetrieb abgefertigt werden. Der Aufwand ist hoch. Das Gros der Milcherzeuger wird sich auf die 28-Tage-Regelung einstellen müssen.

Die Begründungen für das höhere Transportalter

Begründungen, die für die Erhöhung des Transportalters von Kälbern im Bundesrat angebracht wurden:
  • „Aus Tierschutzsicht ist es notwendig, Kälber erst ab der 5. Lebenswoche zu transportieren. In einem Alter von etwa zwei Lebenswochen hat die Konzentration der über das Kolostrum aufgenommenen Antikörper bereits stark abgenommen, das eigene Immunsystem ist jedoch frühestens in einem Alter von etwa vier Wochen hinreichend belastbar. In dieser immunologischen Lücke (3. bis 4. Lebenswoche) ist kein ausreichender Immunschutz gegeben.“
Als Konsequenzen merkten die Gesetzgeber an:
  • „Die Änderung hat erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe und Strukturen. In den Herkunftsbetrieben müssen ausreichende räumliche sowie personelle Kapazitäten geschaffen werden (bauliche Maßnahmen zur Einrichtung zusätzlicher Haltungssysteme gemäß TierSchNutztV, Anschaffung weiterer Kälberiglus, Erhöhung des Betreuungsaufwandes und des entsprechenden Personals für die Kälber aufgrund längerer Verweilzeit usw.).“
  • „Bei den Transporten ist der Platzbedarf pro Tier auf den Transportfahrzeugen größer, was wiederum wirtschaftliche Folgen hat.“
  • Daher wurde eine Übergangszeit von einem Jahr als notwendig erklärt.

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