In stabilen Gruppen kalben

Ben Loewith führt einen der besten Betriebe in Kanada – und hat im Webinar verraten, welche Entscheidungen der vergangenen drei Jahre sich am meisten ausgezahlt haben.  

Ben Loewith

Betriebsleiter

Summitholm Holsteins

460 melkende Kühe, 13.800 kg 305-Tage-Leistung, intensiver internationaler Austausch – Summitholm Holsteins weist ein hervorragendes Management auf und ist international bekannt. Betriebsleiter Ben Loewith hat im Webinar von Semex verraten, welche drei Entscheidungen sich in den vergangenen drei Jahren am meisten ausgezahlt haben:

1. Melkstand richtig einstellen

Eine hohe Milchleistung ist nur eine Seite der Medaille. Denn eine Zellzahl von mehr als 250.000 Zellen/ml Milch und starke Hyperkeratosen sorgten über Jahre für Probleme. Gemolken wird in einem Doppel-16-er Side-by-Side-Melkstand. „Auf Summitholm melken meist Teilzeit-Kräfte und Studenten. Ich habe sehr viel Zeit mit Schulungen verbracht“, berichtet Ben Loewith. Doch auch eine Änderung der Melkroutine brachte keine zufriedenstellenden Ergebnisse.
Weiter auf der Suche, probierte Loewith ein belüftetes Zitzengummi aus. Gemeinsam mit seinem Melktechniker vekürzte er zudem die Vakuumphase (B-Phase) von 582 auf 510 ms und verlängerte die Belüftungsphase (D-Phase) von 240 auf 278 ms. Die Pulsation erhöhten sie leicht von 60 auf 62, was ein Verhältnis von Saug- zu Entlastungsphase von 62:38 bedeutet (vorher 67:33). Seitdem sinkt die Zellzahl, auch die Zitzenkondition der jüngeren Kühe hat sich verbessert. 
Ben Loewith rät: „Wichtig ist bei solchen Veränderungen immer, auf sich selbst als besten Experten für die eigene Herde zu vertrauen. Fachleute haben keine Musterlösung parat, aber gute Ideen. Es lohnt sich, diese auszuprobieren – die Entscheidung, ob Sie die Lösung gefunden haben oder weitersuchen müssen, liegt aber immer bei Ihnen!“
Er selbst hatte neuen Ideen eine Zeitspanne von jeweils drei Wochen eingeräumt und dabei immer wieder die Melkstand-Daten (wie oft abgetreten, Melkdauer pro Kuh, …) überprüft. „Die richtigen Veränderungen sieht man binnen einer Woche, weil die Kühe sich anders verhalten. Bei den ‚falschen‘ Veränderungen merkt man nichts.“

Die Zellzahlen sinken, nachdem der Melkstand neu eingestellt worden ist.  (Bildquelle: Summitholm)

2. Ein neuer Trockensteher- und Abkalbestall

Bislang kalbten die Kühe just-in-time ab, wurden also erst während der Kalbung aus dem Trockensteherbereich in die Abkalbebox umgestallt. Das ist sehr arbeitsintensiv. Nicht immer hat die Überwachung geklappt, sodass Kühe im Trockensteherbereich gekalbt hatten. „Außerdem kamen jede Woche neue Kühe hinzu, andere gingen raus, der Stall war 100% ausgelastet. Das war ziemlich unruhig“, beschreibt Ben Loewith. 
So entschieden sich die Betriebsleiter vor zwei Jahren dazu, einen Trockensteher- und Abkalbestall neu zu bauen. Die Kühe werden nun drei bis vier Wochen vor der Kalbung zu je 12 bis 15 Tieren in eine Strohbucht eingestallt. In dieser stabilen Gruppe bleiben sie und kalben dort auch ab. „Man muss schon aushalten, dass manchmal über viele Tage nur noch eine oder zwei Kühe in dieser großen Box zusammenleben“, erzählt Ben Loewith mit einem Grinsen, „doch ich bin begeistert, wie einfach die Kühe seither kalben.“ Heute brauche nur noch eine von 20 oder 30 Kühen Hilfe bei der Geburt.
Die Milchleistung der Frischabkalber liegt nach vier Wochen bei 60 statt bei 54kg, die Totgeburtenrate sank bei den Kühen von 7 auf 5%, bei den Färsen sogar von 11 auf 5%.
„Natürlich haben wir hin und her überlegt. Der Stall uns rund 800.000 Euro gekostet – ohne eine einzige Kuh mehr zu halten oder Arbeitskräfte einzusparen! Dennoch sind wir heute sehr glücklich darüber. Wir produzieren wirtschaftlich Milch, aber indem wir die Bedürfnisse der Kühe erfüllen und nicht ‚trotzdem‘“, ist Loewith überzeugt.

3. Gummiboden für die Rinder

Ein weiteres Problem, das zuletzt gehäuft aufgetreten war: Rinder wiesen stark nach außen verformte Innenklauen auf, die sich auch durch Klauenpflege nicht mehr korrigieren ließen, weil der Knochen in Mitleidenschaft gezogen war. „Ein Grund neben Sandeinstreu, scharfem Beton und einem überbelegten Dreireiher ist wahrscheinlich, dass wir bei den Jungrindern ebenfalls Luzerne einsetzen, die Ration dadurch recht fluffig ist und sich leicht auf dem Futtertisch verschieben lässt. Die Rinder drängen dann enorm nach vorne“, erklärt Ben Loewith. Daher hat er in allen Gruppen ab einem Alter von sechs Monaten Gummi auf den Fressgängen verlegen lassen und die ortsansässige Universität gebeten, den Versuch wissenschaftlich zu begleiten. „Ich stehe auf verlässliche Daten“, sagt Loewith. Daher begutachteten Wissenschaftler die Klauen der Rinder vor Einbau der Gummimatten und werden dies nach einem Jahr wiederholen. Er glaube aber, dass sich die Maßnahme positiv auf die Klauengesundheit auswirkt. 

Zum Weitersehen

Noch mehr Einblicke in den Betrieb gibt es vom Elite-Betriebsbesuch in 2015:


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