Herdenmanagement

Benötigen Jung- und Altkühe unterschiedlich lange Trockenstehzeiten?

Die Länge des Trockenstehens beeinflusst Leistung, Energiebilanz und Fruchtbarkeit in der Folgelaktation. Besonders Erstlaktierende profitieren von mehr Zeit.

Wirkt sich die Umstellung von einer sechswöchigen- auf eine achtwöchige Trockenstehzeit bei Jungkühen positiv aus? Ja, zeigen aktuelle Untersuchungen aus Mecklenburg-Vorpommern! Die längeren Trockenstehzeiten führen zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit dieser Kühe in der Folgelaktation. Besonders bei Jungkühen oder bekannten Problemkühen" können Milcherzeuger allein durch die Festlegung der Trockenstehzeit die Leistung, die Gesundheit und das Management beeinflussen.

1. Warum werden Kühe überhaupt trockengestellt?

Ziel des Trockenstehens von Milchkühen ist die Maximierung des Milchertrags in der folgenden Laktation. Dafür sind die Rückbildung des Eutergewebes und die Erneuerung des sekretorischen Eutergewebes in der nicht-melkenden Phase wichtig. Natürlich spielt die Bildung des Kolostrums bzw. die Ansammlung der Immunglobuline für das Kalb eine wichtige Rolle.

2. Warum wird über die Länge des Trockenstellens diskutiert?

In der allgemeinen Praxis und nach Empfehlungen ist eine Trockenperiode von sechs bis acht Wochen Standard. Besonders bei hohen Milchleistungen zum Laktationsende wird die Trockenstehzeit aber häufig verkürzt, um die Milchmenge noch zu nutzen und das Trockenstellen im Hinblick auf die abrupte Einstellung der Milchbildung zu entschärfen. Weitere Argumente für kürzeres Trockenstehen sind ein geringerer Anteil unproduktiver Kühe, die Vermeidung drastischer Futterwechsel bei noch hoher Milchleistung, weniger Fütterungsgruppen oder eine weniger negative Energiebilanz zu Beginn der Folgelaktation.

3. Warum sollten Kühe unterschiedlich lange trockenstehen?

Beim Trockenstellen sollte grundsätzlich zwischen Jung- und Altkühen unterschieden werden. Jungkühe wachsen noch und eben auch das Euter. Das zeigt sich in der deutlichen Leistungssteigerung und dem Lebendmasse-Zuwachs von der ersten zur zweiten Laktation gegenüber späteren Laktationen. Bei Erstlaktierenden bietet sich wegen der hohen Persistenz der Milchleistung auch eine bewusst verlängerte Laktation an, um ihnen mehr Zeit zu gewähren. Bei Mehrkalbskühen sollte die Trockenstehzeit je nach Stoffwechselgesundheit und Körperkondition tierindividuell festgelegt werden. Bei verkürzter Trockenstehzeit würden sie gleich in die Vorbereitungsfütterung gehen.

Eine verkürzte Trockenstehzeit führt zu weniger Milch

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Studien mit der Trockenstehzeit von Milchkühen beschäftigt. Grundsätzlich zeigt sich, dass eine kurze oder sogar fehlende Trockenperiode zu einer geringeren Milchleistung in der Folgelaktation führt. Gleichzeitig weisen Kühe nach einer kurzen Trockenstehzeit aber eine weniger negative Energiebilanz auf, da die Futteraufnahme unbeeinflusst bleibt.
Bei einer allgemein angespannten Stoffwechsellage in der Frühlaktation (zum Beispiel durch kurz- und mittelfristig schwer zu behebende Defizite im Management oder bei bekannten Problemkühen) könnte sich eine verkürzte Trockenperiode daher positiv auswirken, indem die negative Energiebilanz entschärft wird. Bei einem guten Transitmanagement sollte dieses Argument aber weniger bedeutsam sein. Führt eine lange Trockenstehzeit zu einer hohen Milchleistung, ist eine stabile Stoffwechselgesundheit bei entsprechendem Management trotzdem nicht ausgeschlossen. Das bedeutet: Je besser das Transitmanagement (ausgeglichene Energiebilanz), umso sichtbarer sind die Vorteile (!) eines nicht verkürzten Trockenstehens (hohe Milchleistung).

Neue Untersuchungen in Mecklenburg-Vorpommern

Der betrachtete Betrieb mit 2.450 melkenden Kühen hat im Jahr 2011 von einer sechs- auf eine achtwöchige Trockenstehzeit umgestellt. Im Rahmen einer Masterarbeit wurden die Auswirkungen der verlängerten Trockenstehzeit im Hinblick auf Milchleistung, Tiergesundheit und Fruchtbarkeit im Vergleich zur Zeit vor der Umstellung untersucht.
Bei Jungkühen, d.h. von der ersten zur zweiten Laktation, hat die Umstellung gezeigt, dass:
  • die längere Trockenperiode um 300 kg höhere 305-Tageleistungen in der Folgelaktation sichert.
  • Erstlaktierende deutlich von der längeren Trockenstehzeit profitieren.
  • sich die längere Trockenstehzeit vor allem positiv auf die weitere Euterentwicklung und die Regeneration des Eutergewebes auswirkt.
  • die Fruchtbarkeitskennzahlen bei dem längeren Trockenstehen tendenziell besser sind (z.B. kürzere Rastzeit).
  • der Fett-Eiweiß-Quotient in der ersten Milchkontrolle bei der längeren Trockenstehzeit günstiger ist.
  • sich die unterschiedlich langen Trockenstehzeiten nicht in der Anzahl von Behandlungen widerspiegeln.

Empfehlungen für das Herdenmanagement

Die aktuellen Ergebnisse sowie ältere Studien beweisen, dass sich die Dauer des Trockenstehens auf die Leistungsfähigkeit der Kühe auswirkt. Resultierend gilt für das Management der eigenen Herde:
  1. Jungkühe haben eine hohe Persistenz und benötigen Zeit, Energie und Nährstoffe für ihre körperliche Entwicklung. Deshalb bietet es sich an, Erstlaktierende lange zu nutzen und die Laktation bewusst zu verlängern. Achtung: Der Zeitpunkt des Trockenstellens (bzw. die Laktationsdauer) wird mit dem Besamen entschieden! Das heißt, es muss schon zu Beginn der ersten Laktation geplant werden.
  2. Trotzdem sollte vor allem bei Erstlaktierenden eine Trockenstehzeit von acht Wochen eingehalten werden. Neben dem Körperwachstum ist die Erneuerung des Eutergewebes inklusive Euterwachstum bedeutsam und braucht ausreichend Zeit. Um Stress" im Pansen zu verhindern, sind schonende Futterumstellungen wichtig.
  3. Vor allem bei Mehrkalbskühen kann die Trockenstehzeit auch tierindividuell festgelegt werden. Grundsätzlich ist aber ein Zeitraum von acht Wochen anzustreben. Problemkühe, die zum Beispiel zu einer Verfettung neigen, sollten früher und damit länger trockengestellt werden. Kühe mit einer geringen Körperkondition sollten noch ausreichend lange trockenstehen, können aber auch intensiver gefüttert werden.

Quelle: Dr. Bernd Losand, LFA Mecklenburg-Vorpommern und Sarah Rosinski, Universität Rostock
Mehr Tipps zu Reproduktion und Trockenstehen finden Sie auch hier:
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