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Die Konferenz der Kälber Digital Plus

Zum ersten Mal fand in Berlin die European Calf Conference statt. Die Experten meinen: Es geht noch besser im Kälberstall! Teilnehmer aus 18 verschiedenen Nationen haben in Berlin über Fütterung, Haltung und Gesundheit von Kälbern diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse haben wir Ihnen mitgebracht. Sauberes Kolostrum ist das A und O Nicht nur für den Aufbau der Immunabwehr benötigt das Kalb möglichst schnell nach der Geburt Kolostrum. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass Biestmilch Stoffe (Hormone etc.) enthält, die bereits zu diesem frühen Lebenszeitpunkt die spätere Entwicklung des Magen-Darm-Trakts aber auch des Euterparenchyms (epigenetische Entwicklung) beeinflussen können. Darauf wies Dr. Richard Dumm (Tierarzt, Dairy Tech) hin. Ein weiterer Grund dafür, nur hochwertiges Kolostrum zu verfüttern. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kolostrumqualität zwar meist gut ist, jedoch die Immunglobuline nicht beim Kalb ankommen. Prof. Dr. Marc Boelhauve (FH Südwestfalen, Soest) konnte nachweisen, dass die Bakterien vom Euter der Kuh bis zum Nuckeleimer exponentiell ansteigen und dort im Schnitt um bis zu 2.000-fach höher sind als im Euter der Kuh. Sehr hohe Bakteriengehalte im Kolostrum konnten auch in amerikanischen Studien nachgewiesen werden. Hier fand sich in 800 Milchproben im Schnitt ein durchschnittlicher Bakteriengehalt von 500.000 KbE/ml (Zielwert: <100.000 KbE/ml). Ein Grund für diese Verunreinigung ist, dass das warme Kolostrum den Biofilm (Milchablagerungen) vom Rand der Kannen ablöst. Nur etwa ein Drittel der Kolostralmilch kommt deshalb keimfrei in den Nuckeleimer und zum Kalb. Kälber, die keimbelastetes Kolostrum aufnehmen, entwickeln sich schlechter und kränkeln öfter (Übersicht 1). Damit das ungeschützte Kalb keine krankmachenden Keime aufnimmt, muss der Weg des Kolostrums von der Kuh zum Kalb überdacht werden. Dazu reicht eine Pasteurisierung des Kolostrums nicht aus. „Das kaschiert das Symptom, löst aber nicht das Problem.“ Stattdessen empfiehlt Boelhauve folgende Maßnahmen: Vor und nach jedem Befüllen die Kanne mit heißem Wasser, Spülmittel und Schwamm säubern. Kanne zum Trocknen auf eine Stange stellen, damit das Restwasser ablaufen kann. Nur gutes Kolostrum mit mind. 22 Brix vertränken, möglichst innerhalb zwei Stunden nach der Geburt. Dr. Richard Dumm sieht jedoch neben der Reduzierung der Bakterien andere Vorteile des Pasteurisierens. So zeigte er die Ergebnisse einer Studie (PennState

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Zum ersten Mal fand in Berlin die European Calf Conference statt. Die Experten meinen: Es geht noch besser im Kälberstall! Teilnehmer aus 18 verschiedenen Nationen haben in Berlin über Fütterung, Haltung und Gesundheit von Kälbern diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse haben wir Ihnen mitgebracht. Sauberes Kolostrum ist das A und O Nicht nur für den Aufbau der Immunabwehr benötigt das Kalb möglichst schnell nach der Geburt Kolostrum. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass Biestmilch Stoffe (Hormone etc.) enthält, die bereits zu diesem frühen Lebenszeitpunkt die spätere Entwicklung des Magen-Darm-Trakts aber auch des Euterparenchyms (epigenetische Entwicklung) beeinflussen können. Darauf wies Dr. Richard Dumm (Tierarzt, Dairy Tech) hin. Ein weiterer Grund dafür, nur hochwertiges Kolostrum zu verfüttern. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kolostrumqualität zwar meist gut ist, jedoch die Immunglobuline nicht beim Kalb ankommen. Prof. Dr. Marc Boelhauve (FH Südwestfalen, Soest) konnte nachweisen, dass die Bakterien vom Euter der Kuh bis zum Nuckeleimer exponentiell ansteigen und dort im Schnitt um bis zu 2.000-fach höher sind als im Euter der Kuh. Sehr hohe Bakteriengehalte im Kolostrum konnten auch in amerikanischen Studien nachgewiesen werden. Hier fand sich in 800 Milchproben im Schnitt ein durchschnittlicher Bakteriengehalt von 500.000 KbE/ml (Zielwert: <100.000 KbE/ml). Ein Grund für diese Verunreinigung ist, dass das warme Kolostrum den Biofilm (Milchablagerungen) vom Rand der Kannen ablöst. Nur etwa ein Drittel der Kolostralmilch kommt deshalb keimfrei in den Nuckeleimer und zum Kalb. Kälber, die keimbelastetes Kolostrum aufnehmen, entwickeln sich schlechter und kränkeln öfter (Übersicht 1). Damit das ungeschützte Kalb keine krankmachenden Keime aufnimmt, muss der Weg des Kolostrums von der Kuh zum Kalb überdacht werden. Dazu reicht eine Pasteurisierung des Kolostrums nicht aus. „Das kaschiert das Symptom, löst aber nicht das Problem.“ Stattdessen empfiehlt Boelhauve folgende Maßnahmen: Vor und nach jedem Befüllen die Kanne mit heißem Wasser, Spülmittel und Schwamm säubern. Kanne zum Trocknen auf eine Stange stellen, damit das Restwasser ablaufen kann. Nur gutes Kolostrum mit mind. 22 Brix vertränken, möglichst innerhalb zwei Stunden nach der Geburt. Dr. Richard Dumm sieht jedoch neben der Reduzierung der Bakterien andere Vorteile des Pasteurisierens. So zeigte er die Ergebnisse einer Studie (PennState Universität), bei der nachgewiesen werden konnte, dass mit der Thermobehandlung der Biestmilch die Immunglobulin-Gehalte – nach der Milch-Aufnahme – im Blutserum der Kälber höher lagen als nach der Aufnahme von frischer Kolostralmilch (Übersicht 2). Milchaustauscher beurteilen Ziel eines Milchaustauschers (MAT) muss es sein, die Bestandteile der Vollmilch so gut wie möglich zu ersetzen. Deshalb sollte man vor dem Kauf eines MAT sowohl die Nährstoffe als auch die Eiweiß- und Fettquellen sowie die Verarbeitung genau hinterfragen. Dazu riet Jan Druyts (Nukamel). Grundsätzlich muss man bei Milchaustauschern zwischen Produkten auf Basis von Magermilchpulver und Molke unterscheiden. Doch aufgepasst: Molke ist nicht gleich Molke. So kann sie bei der Verarbeitung von entrahmter Magermilch, aber auch bei der Käseherstellung (Süßmolkenpulver) anfallen. Diese Süßmolke wiederum wird von den Kälbern lieber aufgenommen. Bei den Nährstoffen sollte neben dem Rohprotein (ca. 22 bis 24%) und Rohfett (17 bis 18%) auch auf die Rohfaser geachtet werden. Bei hochwertigen Produkten sollte ein Rohfaser-Gehalt von 0,1% nicht überschritten werden. Fällt dieser Gehalt höher aus, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte pflanzliche Proteinquellen, in der Regel Soja, enthalten sind. Diese Sojabestandteile wiederum sind für die jungen Kälber nur schwer verträglich. Mehr Frischluft in die Kälberställe Ziel der Belüftung ist es, Hitze, Feuchtigkeit und toxische Gase abzuführen. „Die Empfehlung von vier Luftaustauschen pro Stunde im Kälberstall stammt aus den 1950er-Jahren“, erklärt Dr. Ryan Leiterman (Chrystal Creek). „Warum aber sollte man die Ventilation im Stall auf vier Luftaustausche begrenzen? Kälber, die in Iglus leben, haben unbegrenzte Frischluftmengen und erkranken nicht häufiger an Lungenentzündungen“, sagt der Wissenschaftler. Er empfiehlt, sich bei der Belüftung von Kälberställen stets an der Frischluftsituation in der Igluhaltung zu orientieren. Dafür einen möglichst häufigen Luftaustausch realisieren, jedoch ohne die Kälber dabei zu hohen Luftgeschwindigkeiten (Zugluft) auszusetzen. Dafür eignen sich z.B. Offenställe. Beim Neubau sollte man folgende Dinge beachten: Max. 45 cm hohe Seitenwände: „Wenn die Kälber liegen, haben sie es im Strohbett warm. Sobald sie aufstehen, stehen sie in der frischen Luft.“ Kälberbereiche mit einem bis 90 cm breiten Gang von der Außenwand trennen. So soll starke Zugluft nicht eintreten können. Der Gang kann als Arbeitsbereich für Einstreuen dienen. Curtains regeln die Frischluftzufuhr am besten, wenn man sie von unten nach oben öffnet. Dadurch soll weniger Frischluft verloren gehen. Gesunde und gute Kälber „Auch, wenn Landwirte alle Empfehlungen der Veterinäre einhalten, finden Erreger immer noch einen Weg und führen z.B. zu Kryptosporidien“, erklärte Dr. Donald Sockett (Universität Madison, Wisconsin). Das Problem: Auch sauber scheinende Oberflächen können kontaminiert sein. Damit Erreger erfolgreich beseitigt werden und Desinfektionsmittel wirken, müsse zunächst die Oberfläche gesäubert werden. „Dreck kann man nicht sterilisieren!“, erklärt der Tierarzt. Für einen Sauberkeits-Check empfiehlt er ein ATP-Messgerät. Dieses kann innerhalb von zehn Sekunden Adenosintriphosphat (ATP) auf Oberflächen nachweisen. Der ATP-Gehalt auf Oberflächen weist auf lebende pflanzliche, tierische und mikrobielle Zellen hin. Die Untersuchung erfolgt mit einem Wattestab und stellt die Verschmutzung durch die Lichtausstrahlung (Bioluminizenz), gemessen in Relativer Lichteinheit (RLU), dar. Ein gereinigter Kälberstall sollte 30 Minuten nach der Reinigung bzw. Desinfektion im Vergleich einen um 90% kleineren Wert aufweisen als vor der Reinigung. Sockett empfiehlt: „Wenn die Oberfläche sauber ist, dann desinfizieren. Wenn sie dreckig ist, zuerst reinigen!“ ATP-Meter werden bisher überwiegend in der Lebensmittelindustrie genutzt und kosten ca. 1.100 €. Darf man in der Aufzucht sparen? Bevor man mit einer Färse Geld verdient, fallen Aufzuchtskosten von ca. 1.600 € an. Die einfachste und nachhaltigste Methode, bei der Aufzucht Kosten einzusparen, sei ein niedriges Erstkalbealter, erklärte Unternehmensberater Bernd Lührmann. Pro Monat koste eine Färse rund 60 bis 70 Euro in der Aufzucht, hauptsächlich sind dies Futterkosten. Deswegen sei ein Erstkalbealter von 24 Monaten optimal. Bei anderen Faktoren wie z.B der Fütterung sollten Landwirte nicht sparen. Nur gut entwickelte Jungtiere bringen später eine gute Milchleistung. Dafür seien auch gute Haltungsbedingungen eine Voraussetzung. „Den Break-Even-Point erreichen Kühe erst ab der dritten bis vierten Laktation. Gerade deswegen sollten Milcherzeuger ihre Färsen bestmöglich aufziehen, damit aus ihnen gesunde und langlebige Kühe werden können.“ S. Oehler, B. Ostermann-Palz Bevor man mit einer Färse Geld verdient, fallen Aufzuchtskosten von ca. 1.600 € an. Die einfachste und nachhaltigste Methode, bei der Aufzucht Kosten einzusparen, sei ein niedriges Erstkalbealter, erklärte Unternehmensberater Bernd Lührmann. Pro Monat koste eine Färse rund 60 bis 70 Euro in der Aufzucht, hauptsächlich sind dies Futterkosten. Deswegen sei ein Erstkalbealter von 24 Monaten optimal. Bei anderen Faktoren wie z.B der Fütterung sollten Landwirte nicht sparen. Nur gut entwickelte Jungtiere bringen später eine gute Milchleistung. Dafür seien auch gute Haltungsbedingungen eine Voraussetzung. „Den Break-Even-Point erreichen Kühe erst ab der dritten bis vierten Laktation. Gerade deswegen sollten Milcherzeuger ihre Färsen bestmöglich aufziehen, damit aus ihnen gesunde und langlebige Kühe werden können.“ S. Oehler, B. Ostermann-Palz Die nächste Europäische Kälberkonferenz (ECC) wird im März 2020 stattfinden.