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Mastitis: Risiko Einstreu Digital Plus

Dank verbesserter Hygiene und Melkarbeit sind Mastitiden durch ansteckende Erreger deutlich zurückgegangen. Doch das schafft Platz für Erreger aus der Umwelt.

Der Infektionsdruck aus der Umwelt auf das Euter ist am stärksten, wenn die Kühe liegen. In modernen Kuhställen sind die Liegeboxen so komfortabel, dass die Kühe dort bis zu zwölf Stunden am Tag im Liegen verbringen. Das ist gut für den Stoffwechsel und fördert die Milchleistung. Jedoch haben Erreger aus der Umwelt mehr Zeit, die Kuh zu infizieren. Besonders Kühe mit hohen Milchflussraten, kurzen und weiten Strichkanälen sowie schlechter Zitzenkondition sind anfällig.

Die Belastung mit Umweltkeimen in der Einstreu steht in direktem Zusammenhang mit der bakteriellen Besiedlung des Euters, z.B. Coliforme und Klebsiellen. Diese Erreger stammen vor allem aus dem Einstreumaterial und Kot. Besonders Letzteres enthält reichlich E. coli-Bakterien. Klebsiellen hingegen tummeln sich verstärkt im Boden, Wasser, Futter und Holzspänen. Umweltstreptokokken (z.B. Strep. uberis) kommen sowohl in der Einstreu als auch an der Kuh vor. Umweltkeime sind also allgegenwärtig. Kühe können z.B. Kot von den Laufgängen in die Liegebereiche tragen. „Wenn die...

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Dank verbesserter Hygiene und Melkarbeit sind Mastitiden durch ansteckende Erreger deutlich zurückgegangen. Doch das schafft Platz für Erreger aus der Umwelt. Der Infektionsdruck aus der Umwelt auf das Euter ist am stärksten, wenn die Kühe liegen. In modernen Kuhställen sind die Liegeboxen so komfortabel, dass die Kühe dort bis zu zwölf Stunden am Tag im Liegen verbringen. Das ist gut für den Stoffwechsel und fördert die Milchleistung. Jedoch haben Erreger aus der Umwelt mehr Zeit, die Kuh zu infizieren. Besonders Kühe mit hohen Milchflussraten, kurzen und weiten Strichkanälen sowie schlechter Zitzenkondition sind anfällig. Die Belastung mit Umweltkeimen in der Einstreu steht in direktem Zusammenhang mit der bakteriellen Besiedlung des Euters, z.B. Coliforme und Klebsiellen. Diese Erreger stammen vor allem aus dem Einstreumaterial und Kot. Besonders Letzteres enthält reichlich E. coli-Bakterien. Klebsiellen hingegen tummeln sich verstärkt im Boden, Wasser, Futter und Holzspänen. Umweltstreptokokken (z.B. Strep. uberis) kommen sowohl in der Einstreu als auch an der Kuh vor. Umweltkeime sind also allgegenwärtig. Kühe können z.B. Kot von den Laufgängen in die Liegebereiche tragen. „Wenn die krankmachenden Erreger in den Strichkanal gelangt sind, liegt es allein am Immunsystem der Kuh, ob es zu einer Infektion kommt”, erklärt Tierärztin Dr. Ilka Klaas. Welche Einstreu ist hygienisch? Das Einstreumanagement spielt eine zentrale Rolle in der Vorbeuge von Euterentzündungen. Wird die Liegebox mit organischem Material, z.B. Stroh, eingestreut, hilft es, im hinteren Liegebereich täglich eine frische Strohschicht nachzustreuen. Das kann sich bereits direkt auf den Zellgehalt im Sammelmilchtank auswirken! Mit Sand eingestreute Liegeboxen schneiden bei der Hygiene besser ab als Liegeboxen oder Matratzen mit organischer Einstreu. Im Gegensatz zu Liegeboxen mit organischer Einstreu müssen Sandboxen nicht täglich neu eingestreut werden, um gute Eutergesundheit und Milchqualität zu erreichen. Verschiedene Studien zeigen, dass Betriebe mit Sandboxen im Vergleich zu Liegeboxen mit organischer Einstreu niedrigere Tankzellzahlen und höhere Milchleistungen aufweisen. Jedoch muss man bei Sandboxen mit höherem Verschleiß der Geräte im Stall rechnen. Oft passt auch die Entmistungstechnik nicht. Auch separierte Gülle eignet sich als Einstreumaterial. Die Herausforderung ist hier, die Oberfläche möglichst trocken zu halten, um das Bakterienwachstum einzudämmen. Tägliches Einstreuen reduziert den Gehalt an coliformen Keimen in der Einstreu. Höhere und stark variierende Mastitisraten in Betrieben mit Güllesubstrat als Einstreu zeigen, wie wichtig die Boxenpflege ist. Einstreuhilfen Eine weitere Keimreduktion kann die Zugabe von alkalischen und säurehaltigen Desinfektionsmitteln bringen. Da diese Mittel jedoch meist nur einen Tag lang wirksam sind, müssen sie täglich neu aufgetragen werden. Beim Einsatz von Kalkprodukten kann es dabei aber zu Schädigungen der Zitzenhaut kommen, die Erregern zusätzliche Angriffsfläche bieten. „Unabhängig vom Einstreumaterial sollte deshalb mindestens zweimal täglich der Kot aus den Liegeboxen entfernt werden, um Feuchtigkeit und Nährboden für Keime zu reduzieren“, sagt Dr. Ilka Klaas. Das Einstreumaterial muss trocken, sauber und gut belüftet gelagert werden. Die Qualität der Liegeboxeneinstreu lässt sich visuell, durch Anfassen oder Riechen, schnell erfassen. Die Liegefläche sollte trocken und sauber sein. Traut man sich dort selber nicht, auf die Knie zu gehen, weil es schmerzt oder die kotverschmutzte Einstreu an der Hose hängen bleibt, sollte man das auch nicht von den Kühen erwarten. Verschmutzte Euter und Zitzen sind ein typisches Zeichen für schlechte Hygiene der Liegeboxen. Effektiver als eine verbesserte Reinigung der Zitzen vor dem Melken ist eine gute Stallhygiene. Bei Verdacht auf Kontamination frischer Einstreu können Laborproben zur Bestimmung von Keimart und -menge hilfreich sein. -so-