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Das dritte Auge Digital Plus

Videokameras können eine Überwachung und Kontrolle der Tiere im Stall erleichtern, vor allem nachts. Worauf ist beim Kauf und Installation zu achten?

Heutige Herdengrößen und wachsende Entfernungen zwischen Stall und Wohnhaus erschweren es, die Tiere rund um die Uhr im Auge zu behalten. Hilfreich kann der Einbau einer Kamera (Überwachungssystem) sein, die bestimmte Bereiche oder den gesamten Stall kontrolliert.

Nicht nur im Abkalbebereich

Die Einsatzbereiche für eine Kameraüberwachung sind vielfältig. Dazu gehört natürlich der Abkalbebereich. Eine Überwachung der Geburten hat aber nicht nur den Vorteil, dass man nachts nicht stündlich in den Stall gehen muss. Es kann für die Kalbenden stressfreier sein, wenn sie nicht gestört werden.

Verfügen Stallkameras über eine Aufnahme-Funktion, kann kontrolliert werden, ob in den Stunden nach der Kalbung z.B. auch die Nachgeburt abgegangen ist. In großen Herden kann zudem anhand der Fellgebung des neugeborenen Tieres nachvollzogen werden, welches Kalb zu welcher Mutter gehört.

Einige Betriebe gehen dazu über, Melkroboterboxen bzw. die Wartebereiche mit der Videokamera zu überwachen. Mit einer Aufnahmefunktion können dann z.B. (Störungs-)Ereignisse in der Melkbox und im Wartebereich nachvollzogen werden.

Was muss die Kamera mitbringen?

Grundsätzlich sollte eine Kamera für den Einsatz in der Stallumgebung ausgelegt sein. Denn die Geräte müssen unter erschwerten Umweltbedingungen über viele Jahre sicher arbeiten. Neben Temperaturschwankungen muss das Gerät auch einer aggressiven/korrosiven Belastung wie z.B. durch Feuchte, Ammoniak in der Luft und Staub standhalten. Bei der Auswahl der Kamera muss also u.a. die Dichtigkeit des Gehäuses im Vordergrund stehen. Als Orientierung dient hier die normierte Schutzart IP-Code (International Protection). Der IP-Code gibt Aufschluss über den Schutz vor Staub (1. Zahl) und Wasser (2. Zahl). Eine Stallkamera sollte deshalb mindestens IP65 zertifiziert sein und eine CE-Kennzeichnung (Hersteller bestätigt, dass grundlegende Sicherheitsanforderungen eingehalten werden) aufweisen.

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Videokameras können eine Überwachung und Kontrolle der Tiere im Stall erleichtern, vor allem nachts. Worauf ist beim Kauf und Installation zu achten? Heutige Herdengrößen und wachsende Entfernungen zwischen Stall und Wohnhaus erschweren es, die Tiere rund um die Uhr im Auge zu behalten. Hilfreich kann der Einbau einer Kamera (Überwachungssystem) sein, die bestimmte Bereiche oder den gesamten Stall kontrolliert. Nicht nur im Abkalbebereich Die Einsatzbereiche für eine Kameraüberwachung sind vielfältig. Dazu gehört natürlich der Abkalbebereich. Eine Überwachung der Geburten hat aber nicht nur den Vorteil, dass man nachts nicht stündlich in den Stall gehen muss. Es kann für die Kalbenden stressfreier sein, wenn sie nicht gestört werden. Verfügen Stallkameras über eine Aufnahme-Funktion, kann kontrolliert werden, ob in den Stunden nach der Kalbung z.B. auch die Nachgeburt abgegangen ist. In großen Herden kann zudem anhand der Fellgebung des neugeborenen Tieres nachvollzogen werden, welches Kalb zu welcher Mutter gehört. Einige Betriebe gehen dazu über, Melkroboterboxen bzw. die Wartebereiche mit der Videokamera zu überwachen. Mit einer Aufnahmefunktion können dann z.B. (Störungs-)Ereignisse in der Melkbox und im Wartebereich nachvollzogen werden. Was muss die Kamera mitbringen? Grundsätzlich sollte eine Kamera für den Einsatz in der Stallumgebung ausgelegt sein. Denn die Geräte müssen unter erschwerten Umweltbedingungen über viele Jahre sicher arbeiten. Neben Temperaturschwankungen muss das Gerät auch einer aggressiven/korrosiven Belastung wie z.B. durch Feuchte, Ammoniak in der Luft und Staub standhalten. Bei der Auswahl der Kamera muss also u.a. die Dichtigkeit des Gehäuses im Vordergrund stehen. Als Orientierung dient hier die normierte Schutzart IP-Code (International Protection). Der IP-Code gibt Aufschluss über den Schutz vor Staub (1. Zahl) und Wasser (2. Zahl). Eine Stallkamera sollte deshalb mindestens IP65 zertifiziert sein und eine CE-Kennzeichnung (Hersteller bestätigt, dass grundlegende Sicherheitsanforderungen eingehalten werden) aufweisen. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass nicht nur die Kamera selbst, sondern auch das Netzteil zur Stromversorgung geprüft sein muss (nach Niederspannungsrichtlinie). Da die Kameras nachts scharfe Bilder liefern müssen, ohne dass Licht angeschaltet ist, sollten sie über eine Nachtsichtfunktion u.a. mit Infrarot-LED verfügen. Infrarot-Licht stört Kühe nicht in ihren natürlichen Verhaltensweisen. Zusätzlich können Infrarot-Scheinwerfer angebracht werden. Kritisch kann es sein, wenn die Kamera über Autofokus verfügt. Dann fokussiert sie sich z.B. auf vorbeifliegende Staubpartikel oder Spinnweben. Wenn nötig, Autofokus nach der Installation abschalten. Die Kamera bzw. die Software muss über verschlüsselte Zugänge verfügen, d.h. es kann nicht von außerhalb auf die Videodaten zugegriffen werden. Zusatzfunktionen müssen passen Bevor investiert wird, gilt es sich im Vorfeld Gedanken zu machen, für welche Zwecke die Kamera eingesetzt werden soll bzw. was sie alles leisten muss. Eine pauschale Empfehlung zur Anzahl der Kameras lässt sich nicht geben. Grundsätzlich sollte man sich überlegen, welchen Bereich man überwachen möchte (Größe). Reicht es aus, dass man die kalbenden Kühe von einer Seite beobachtet und damit bei einigen Tieren vielleicht nur vom Verhalten auf den Geburtsverlauf schließen kann? Oder ist es wichtig, die Kühe von allen Seiten anzusehen? Dann sollten mindestens zwei Kameras installiert werden. Ist der Bereich, der überwacht werden soll, größer, kann es sinnvoll sein, eine schwenkbare Kamera zu installieren (teurer als starre Kamerasysteme) und/oder eine Kamera mit Zoomfunktion zu wählen, um entfernte Objekte beobachten zu können. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Kamera über einen optischen Zoom verfügt. Denn dieser ermöglicht, im Gegensatz zum digitalen Zoom, eine Vergrößerung des Bildausschnitts, ohne dass die Bildqualität eingeschränkt wird. Aber auch die Größe des Sichtbereiches bzw. der Sichtwinkel der Kamera entscheiden über die Größe des überwachten Bereichs. Sollen Bildsequenzen rückwirkend betrachtet werden, also z.B. wie verhalten sich die Kühe im Roboter-Wartebereich, ist es sinnvoll, dass die Kameradaten mindestens für 24 Stunden gespeichert werden. Ein Zeitraffer kann die Interpretation vereinfachen. Alternativ kann die Aufzeichnung einer Überwachungskamera als Videoclip gespeichert und mit einem Medienplayer (PC) im Schnelldurchlauf angeschaut werden. Es gibt auch Kameras, die erst dann die Aufnahme starten, wenn sie eine Bewegung wahrnehmen (gegenseitiges Aufspringen brünstiger Kühe). Übertragungswege Der Übertragungsweg muss eine hohe Qualität der Bilder gewährleisten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Kameras, die an den Router angeschlossen (Kabelverbindung oder WiFi) werden, können in der Regel über das Smartphone/Tablet per App gesteuert werden. Ist der WLAN-Empfang nicht stabil, lässt sich das Signal häufig mit einem Repeater verstärken. Ist kein Internetzugang oder Mobilfunknetz vorhanden, bieten sich auch Kameras mit Richtfunk an. Über zwei Antennen überbrücken sie die Distanz vom Stall zum Haus. Mit weiterem Zubehör kann die Kamera dann auch mit dem WLAN im Haus verbunden werden. So kann man auch vom Smartphone aus die Bilder anschauen. Je nachdem für welche Variante man sich entscheidet, ob eine Beratung vor Ort erfolgt etc., schwanken auch die Preise deutlich zwischen ca. 200 und 600 € pro Kamera plus Infrarottechnik etc. Selber einbauen Einige Anbieter von Stallkamera-/Überwachungssystemen geben vor dem Einbau bei der Wahl der Kameras (Anzahl, Ausstattung und Platzierung) Unterstützung vor Ort (z.B. tierbeobachtung.eu, stallueberwachung.com) oder anhand des Stallbauplans (z.B. Kerbl). Kameras können entweder von einem Fachmann oder aber selbst installiert werden. Bei der Montage empfiehlt es sich, die Kamera, während man das Live-Bild sieht, zu positionieren. Gegebenenfalls mit einer zweiten Person arbeiten. Gesetzlich unbedenklich ist es, Anlagen oder Tiere aufzuzeichnen. Menschen sind jedoch (EU-Datenschutz-Grundverordnung) geschützt. Sollten dennoch Bilddaten von Mitarbeitern (z.B. in großen Betrieben im Kalbebereich) gespeichert werden, gilt es einiges zu beachten. So muss man den Zweck der Überwachung (z.B. die Abkalbung kontrollieren; keine Überwachung der Arbeitsleistung!) notieren. Zudem sollten die Mitarbeiter über Aufzeichnung und Standort der Kamera informiert sein. Daneben muss der überwachte Bereich gekennzeichnet und Aufnahmen dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.B. Ostermann-Palz