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Mortellaro vorbeugen Digital Plus

Mortellaro zu behandeln, ist aufwendig. Doch mit einigen Maßnahmen lässt sich der Erkrankung vorbeugen!  Dermatitis digitalis (DD), auch Mortellarosche Krankheit genannt, sorgt für viel Arbeit, Ärger und wirtschaftliche Verluste im Stall. Daher lohnt sich die Prophylaxe dieser Krankheit: nämlich die Vorsorge, dass DD entweder gar nicht erst auf den eigenen Betrieb eingeschleppt wird, sich nicht weiter ausbreitet oder bewusst unter Kontrolle gehalten wird. Neben einer ausgewogenen Mineralstoffversorgung oder der Zucht auf gesunde Klauen (s. S. 56) lässt sich vor allem im täglichen Management viel erreichen. Klauenhaut schützen und stärken Das Ziel ist, Klauen und Haut gesund und widerstandsfähig gegen die Erreger zu erhalten: Kuhkomfort: Die Druckentlastung im Liegen verbessert die Durchblutung und versorgt die hornbildenden Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen, sodass gesundes und belastbares Horn produziert wird. Zudem trocknen die Beine schneller ab. Liegezeiten können Sie verlängern, indem Sie die Liegeboxen penibel pflegen und weiche, ebene Oberflächen herstellen. Auch eine ruhige Umgebung und die richtige Einstellung der Boxenbegrenzung ist hilfreich. Klauenhygiene: Die natürliche Barriere-Funktion der Haut schützt effektiv vor Infektionen, wenn sie nicht durch Kot, Urin oder ständige Feuchtigkeit angegriffen wird. Eine trockene Umgebung unterstützt die „Abwehrkräfte“ des Horns sowie der Haut im Zwischenklauenspalt und ab dem Kronsaum. Daher Laufgänge häufig abschieben und abtrocknen lassen! Einstreu: Klauen können auch durch Waschen sauber werden. Wichtig ist aber, dass Tiere nicht mit feuchten Füßen in Liegeboxen t

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Mortellaro zu behandeln, ist aufwendig. Doch mit einigen Maßnahmen lässt sich der Erkrankung vorbeugen!  Dermatitis digitalis (DD), auch Mortellarosche Krankheit genannt, sorgt für viel Arbeit, Ärger und wirtschaftliche Verluste im Stall. Daher lohnt sich die Prophylaxe dieser Krankheit: nämlich die Vorsorge, dass DD entweder gar nicht erst auf den eigenen Betrieb eingeschleppt wird, sich nicht weiter ausbreitet oder bewusst unter Kontrolle gehalten wird. Neben einer ausgewogenen Mineralstoffversorgung oder der Zucht auf gesunde Klauen (s. S. 56) lässt sich vor allem im täglichen Management viel erreichen. Klauenhaut schützen und stärken Das Ziel ist, Klauen und Haut gesund und widerstandsfähig gegen die Erreger zu erhalten: Kuhkomfort: Die Druckentlastung im Liegen verbessert die Durchblutung und versorgt die hornbildenden Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen, sodass gesundes und belastbares Horn produziert wird. Zudem trocknen die Beine schneller ab. Liegezeiten können Sie verlängern, indem Sie die Liegeboxen penibel pflegen und weiche, ebene Oberflächen herstellen. Auch eine ruhige Umgebung und die richtige Einstellung der Boxenbegrenzung ist hilfreich. Klauenhygiene: Die natürliche Barriere-Funktion der Haut schützt effektiv vor Infektionen, wenn sie nicht durch Kot, Urin oder ständige Feuchtigkeit angegriffen wird. Eine trockene Umgebung unterstützt die „Abwehrkräfte“ des Horns sowie der Haut im Zwischenklauenspalt und ab dem Kronsaum. Daher Laufgänge häufig abschieben und abtrocknen lassen! Einstreu: Klauen können auch durch Waschen sauber werden. Wichtig ist aber, dass Tiere nicht mit feuchten Füßen in Liegeboxen treten, in denen Einstreumaterial an ihnen kleben bleibt („festbackt”). Dies kann bei einem schlecht gemischten, d.h. ebenfalls nassen, Kalk-Stroh-Gemisch der Fall sein. Trocknet das Gemisch an, kommt es zu scharfkantigen Krusten, welche die Hautbarriere schädigen und so potenzielle Eintrittspforten für Erreger schaffen. Klauenpflege und hautpflegendes Klauenbad: Funktionelle Klauenpflege (bis zu viermal pro Jahr) stellt die natürliche Hohlkehlung sowie die korrekte Länge und Winkelung der Klaue wieder her und optimiert die Selbstreinigung des Zwischenklauenspalts. Zum Thema „Klauenpflegebad“ treten in der Praxis vermehrt Fragen auf. Daher finden Sie im Folgenden Informationen zum aktuellen Stand des Wissens! Keine akute DD durchs Klauenbad! Hautpflegende Klauenbäder können die Schutzfunktion der Klauen stärken, indem sie die Klauen reinigen, den Erregerdruck verringern und die Haut durch Pflegestoffe unterstützen. Doch damit aus der „Pflegebehandlung“ keine Keimschleuder wird, sollten Sie einige Voraussetzungen erfüllen: Offene Läsionen erst behandeln: Hat ein Betrieb bereits Mortellaro im Bestand, so müssen alle akuten Mortellaro-Infektionen behandelt werden (M1, M2 oder M4.1-Läsionen, Elite 2/19, ab S. 46) und die Verbände wieder herunter, bevor ein vorbeugendes Präparat am Tier angewendet wird. Ein Klauenbad ist keine Behandlung! Kühe mit Verband lassen sich separieren, indem sie in der Krankenbox eingestallt werden (größere Betriebe) oder das Klauenbad für die jeweilige Gruppe ausfällt, bis die Verbände wieder abgenommen werden. Regelmäßig Status checken: Um zu verhindern, dass frisch an Mortellaro erkrankte Kühe durchs Klauenbad gehen, sollte man die Herde einmal pro Woche überprüfen und neu auftretende Infektionen direkt behandeln. Dazu die Füße aller Kühe im Fressgitter, beim Melken oder in Hochboxen (Klauen sinken nicht in der Einstreu ein) im Vorbeigehen bewusst auf Mortellaro kontrollieren. Tipp: Mortellaro-Infektionen lassen sich digital über die „DD-Check-App“ notieren und auswerten. Sie erstellt neben Grafiken zur momentanen Erkrankungssituation auch einen Rückblick über die letzten Monate und berechnet einen Trend für die kommende Woche (Früherkennung bevorstehender Ausbrüche!). Klauenbäder: Wirkstoff richtig wählen Meist setzen Milcherzeuger in Klauenbädern gezielt Biozide ein, d.h. Wirkstoffe, die Keime reduzieren. Diese können als Klauenbad, Klauenmatte oder über eine Rückenspritze auf die Klauen aufgebracht werden. Zugelassene Produkte (z.B. 4Hooves, EasyStrideTM und HOOF-FIT Liquid) bieten die Sicherheit, dass keine Wartezeiten auf Milch und Fleisch anfallen. Zusätzlich sind der Erwerb sowie die Anwendung am Tier rechtlich unbedenklich. Kupfersulfat ist nicht mehr zugelassen, Formalin ist krebserregend – daher besser auf die Alternativen ausweichen. Schon die bloße Reinigung der Klauen hat einen positiven Effekt. Ein Seifenbad aus pH-neutraler Seife und Wasser kann die Pflegeroutine ergänzen. Es löst den Schmutz, beseitigt die dort gebundenen Keime, schont die Haut und spart Wirkstoffe ein. Tipp: Mit drei Bädern pro Woche beginnen, dann abbauen und prüfen, wie die Infektionsraten sich entwickeln! Grundsätzlich gilt: Damit das Klauenbad auch tatsächlich so wirkt, wie es vorgesehen ist (Vorbeugung und Pflege zur Stärkung der Hautbarriere, keine Mortellaro-Behandlung), muss der Wirkstoff entsprechend der Herstellervorgaben angewendet werden. Während ein niedriger pH-Wert Mortellaro-Erreger hemmt, schädigt und schwächt ein pH-Wert unter 3 die Haut – daher mit pH-Teststreifen kontrollieren! Trockenklauenbäder sollten nicht dazu führen, dass Mittel und Klaue miteinander „verbacken“. Korrekt befüllte Klauenmatten können hingegen gut funktionieren (sparsam, einfacher sauber zu halten). Weitere Tipps zu Aufbau, Dosierung oder Anwendung im AMS folgen auf den nächsten Seiten!