Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Algen im Euter nehmen zu Digital Plus

In Ungarn werden vermehrt Prototheken bei klinischen Mastitisfällen gefunden. Was Sie über die bisher selten nachgewiesenen Erreger wissen sollten, erklärt Wissenschaftler Dr. Peter Kovacs. Prototheken, vor allem Prototheca zopfii, gehören zu den Mastitiserregern. Es ist die einzige Pflanze (Algen), die in der Lage ist, das Euter für längere Zeit zu infizieren. In den meisten europäischen Ländern ist es immer noch ein seltener Befund. In Ungarn und Portugal werden die Algen in letzter Zeit vermehrt nachgewiesen. Es gibt keine zugelassenen Therapien zur Bekämpfung der Infektion. Meistens ist das Euterviertel so stark geschädigt, dass es sich zurückbildet. Manche Herden durchseuchen nach einer ersten Protothekeninfektion in sehr kurzer Zeit. Woher kommen die Algen im Kuhstall? Dr. Kovacs: Sie sind Bewohner des Bodens und gelangen über Einstreu oder Futter in den Betrieb. Oft findet man die Algen an feuchten Stellen im Stall, z.B. in der Nähe der Wassertränken. Dort vermehren sie sich sehr gut. Hat die Kuh die Erreger erst mal aufgenommen, scheidet sie diese mit dem Kot aus und verbreitet sie auf dem Weg im Stall. Neue Studien zeigen, dass Prototheken im Euter häufiger werden und neben P. zopfii Genotyp II auch P. blaschkea- und P. wickerhami-Mastitiden verursachen. Der Unterschied zwischen diesen Erreger ist noch nicht ganz klar und leider ist es in der routinemäßigen Labordiagnose unmöglich, die Arten zu unterscheiden. Sind die Prototheken umwelt- oder kuhassoziiert? Dr. Kovacs: Sie sind beides: Zu Beginn des Problems verhält sich die Alge wie ein Umweltmastitis-Erreger. Die ersten Infektionen passieren im Stall aus der schmutzigen Umgebun

Digital Plus

Dieser Inhalt ist exklusiv für Elite Abonnenten

Login

Benutzername oder Email-Adresse
Passwort
In Ungarn werden vermehrt Prototheken bei klinischen Mastitisfällen gefunden. Was Sie über die bisher selten nachgewiesenen Erreger wissen sollten, erklärt Wissenschaftler Dr. Peter Kovacs. Prototheken, vor allem Prototheca zopfii, gehören zu den Mastitiserregern. Es ist die einzige Pflanze (Algen), die in der Lage ist, das Euter für längere Zeit zu infizieren. In den meisten europäischen Ländern ist es immer noch ein seltener Befund. In Ungarn und Portugal werden die Algen in letzter Zeit vermehrt nachgewiesen. Es gibt keine zugelassenen Therapien zur Bekämpfung der Infektion. Meistens ist das Euterviertel so stark geschädigt, dass es sich zurückbildet. Manche Herden durchseuchen nach einer ersten Protothekeninfektion in sehr kurzer Zeit. Woher kommen die Algen im Kuhstall? Dr. Kovacs: Sie sind Bewohner des Bodens und gelangen über Einstreu oder Futter in den Betrieb. Oft findet man die Algen an feuchten Stellen im Stall, z.B. in der Nähe der Wassertränken. Dort vermehren sie sich sehr gut. Hat die Kuh die Erreger erst mal aufgenommen, scheidet sie diese mit dem Kot aus und verbreitet sie auf dem Weg im Stall. Neue Studien zeigen, dass Prototheken im Euter häufiger werden und neben P. zopfii Genotyp II auch P. blaschkea- und P. wickerhami-Mastitiden verursachen. Der Unterschied zwischen diesen Erreger ist noch nicht ganz klar und leider ist es in der routinemäßigen Labordiagnose unmöglich, die Arten zu unterscheiden. Sind die Prototheken umwelt- oder kuhassoziiert? Dr. Kovacs: Sie sind beides: Zu Beginn des Problems verhält sich die Alge wie ein Umweltmastitis-Erreger. Die ersten Infektionen passieren im Stall aus der schmutzigen Umgebung. Die Algen besiedeln das Euter für eine lange Zeit, die kranken Tiere verteilen die Algen über ihre Milch und durch die infizierte Milch verbreiteten sich die Algen im Melkstand mithilfe von Überträgern, wie Melkerhände oder mehrmals genutzten Eutertüchern. In diesem Fall können wir über eine ansteckende Art der Infektion sprechen. Trifft es eher Einzelkühe oder die Herde? Dr. Kovacs: Auf einigen Betrieben sehen wir das sporadische Erscheinungsbild von Algen infizierter Kühe, aber in den meisten Fällen ist es ein Bestandsproblem. Wenn der Herdenmanager die Bedrohung nicht erkennt und die Algen die Zeit haben, können sie 30 bis 40% der Herde infizieren. In diesem Fall ist die Bekämpfung von der Infektion ein sehr langer und teurer Kampf. Gibt es ganz typische Prototheken-Mastitis-Symptome? Dr. Kovacs: Die Algen können klinische und subklinische Mastitiden verursachen. Manchmal sind die klassischen Anzeichen einer Entzündung sichtbar, aber nicht immer. Die Milchproduktion nimmt aufgrund der Entzündungen und Gewebeschäden ab. In chronischen Fällen atrophiert das betroffene Viertel. Die Milchproduktion nimmt drastisch ab oder stoppt ganz. Ein weiteres klassisches Zeichen ist das Therapieversagen. Die klinischen Zeichen können verschwinden, aber der hohe Zellgehalt bleibt. Von Zeit zu Zeit kann die klinische Mastitis im betroffenen Quartal wieder aufflammen. Die mikrobiologische Untersuchung der unheilbaren Fälle kann die Infektion bestätigen. Ist eine effektive Therapie verfügbar? Kovacs: Im Augenblick gibt es keine zugelassenen Arzneimittel gegen die Algen, mit denen wir sie aus dem Euter entfernen können, ohne das Gewebe zu beschädigen. Im Falle eines sehr wertvollen Tieres könnte man das Viertel trockenstellen, aber ein 100%iger Schutz gegen die Kreuzinfektion zwischen den Vierteln ist damit nicht gegeben und in der Herde können wir nicht viele Tiere mit nur zwei oder drei funktionsfähigen Vierteln laufen lassen. Wie schütze ich eine Herde vor einem Prototheken-Problem? Dr. Kovacs: Nach unseren Erkenntnissen sind jodbasierte Desinfektionsmittel am effektivsten gegen die Algen im Stall. Die richtige Melkhygiene mit gereinigten und desinfizierten Zitzen vor dem Melken ist sehr wichtig, um Neuinfektionen zu verhindern. Die Melker sollten Handschuhe tragen und sie müssen Einweg-Papiertücher benutzen, um die Zitzen zu reinigen. Wenn es möglich ist, verringert sich die Anzahl der neuen Mastitisfälle, wenn die Zwischendesinfektion der Melkzeuge nach dem Melken infizierter Tiere eingehalten wird. Das desinfizierende Dippen nach dem Melken ist ebenfalls sehr wichtig. Die infizierten Tiere sollten in jedem Fall vom Rest der Herde getrennt werden. Sie müssen die letzten Tiere in der Melkordnung sein und nach ihnen müssen die Leitungen gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Die Milch der kranken Tiere sollte auf keinen Fall an neugeborene Kälber gegeben werden, denn einige Studien sagen, dass sie die Algen in ihren Fäkalien übertragen. Muss ich eine Kuh mit Prototheken merzen? Dr. Kovacs: Wegen des hohen Ansteckungspotenzials, der geringen Selbstheilung und dem Mangel an wirksamen Arzneimitteln, ist die Merzung dieses Tieres oft die einzige Möglichkeit. ​​Wenn die Größe der Herde und die Anzahl der infizierten Kühe es möglich und notwendig machen, kann eine getrennte Gruppe eingerichtet werden. So können infizierte Kühe bis zum Ende der Laktation in der Herde bleiben, müssen aber immer zuletzt gemolken werden. Die infizierten aber trächtigen Kühe werden auch in dieser Gruppe gehalten, bis sie trockengestellt werden. Die Kühe in dieser letzten Gruppe sollten nicht besamt werden und wenn die Milchleistung zu niedrig ist oder die Eutergesundheit dieser Tiere es notwendig macht, dann sollten sie gemerzt werden. Wenn wir nur ein bis zwei infizierte Kühe finden, sollten diese umgehend aus dem Bestand genommen werden. -mw-