Jungrinder trocken füttern

Rinder können ausschließlich mit Stroh und Kraftfutter aufgezogen werden. Tipps zur Zusammensetzung des Kraftfutters.
Stroh ad libitum und dazu bis 3,5 Kilogramm Kraftfutter täglich – so einfach werden in Italien, Frankreich und Spanien auf vielen Milchfarmen die Rinder groß gefüttert. Das Kraftfutter deckt dabei den gesamten Nährstoffbedarf der Rinder ab. Langstroh dient dabei nur als Sättigungskomponente, es wird nicht geschnitten oder gar in eine TMR eingemischt!
Erfunden wurde das Fütterungskonzept schon vor über 20 Jahren in Israel. In Europa findet es überall dort Anklang, wo Grassilagen knapp sind. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Fütterungsvariante hingegen noch weithin unbekannt. Das könnte sich aber bald ändern, wenn Grassilage wegen ausbleibender Niederschläge knapper zu werden droht.
Die Vorteile einer reinen Stroh-Kraftfutter-Fütterung liegen auf der Hand:
  • Gras-, Maissilage und Heu können komplett den Milchkühen zugeschlagen werden.
  • Die Ration ist einfach aufgebaut, es wird keine besondere Fütterungstechnik benötigt, auch ist nur wenig Lagerraum erforderlich.

  • Gras-, Maissilage und Heu können komplett den Milchkühen zugeschlagen werden.
  • Die Ration ist einfach aufgebaut, es wird keine besondere Fütterungstechnik benötigt, auch ist nur wenig Lagerraum erforderlich.

Am besten mit eigenem Getreide

Welche Anforderung muss das Kraftfutter erfüllen? Wir haben uns mit zwei Fütterungsexperten darüber ausgetauscht: Mit Ernst Rizolli, der dieses Konzept in der italienischen Po-Ebene bereits seit Längerem erfolgreich umsetzt und mit Franz Tiefenthaller, Fütterungsexperte der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
Damit die Rinder während der gesamten Aufzucht ausreichend versorgt sind, muss das Kraftfutter einen besonders hohen Energie- und Eiweißgehalt haben. „In Italien wird z.B. eine spezielle Kraftfuttermischung mit einem Eiweißgehalt von 21% gefüttert. Das Eiweiß stammt aus verschiedenen Eiweißquellen, da es den Bedarf an essenziellen Aminosäuren abdecken muss“, erklärt Ernst Rizolli.
Mit einem 20/3er-Standard-Kraftfutter funktioniert die Aufzucht nicht, weiß Franz Tiefenthaller. Würde ein 350 kg schweres Rind mit rund 5,5 kg Gerstenstroh und knapp 3,0 kg eines Standard-Kraftfutters versorgt, könnten theoretisch zwar Tageszunahmen von 700 g erfüttert werden, doch die Versorgung mit Mineralstoffen wäre suboptimal. „Beim Carotin wird nur ein Zehntel der benötigten Menge abgedeckt“, so Tiefenthaller. Der Fütterungsexperte hat deshalb eine Kraftfutter-Eigenmischung entwickelt, die mithilfe von mobilen Mahl- und Mischanlagen auf dem Betrieb hergestellt werden kann. Das Kraftfutter enthält 21% Rohprotein und 11,3 MJ ME. Es setzt sich wie folgt zusammen:
  • 27% Gerste zweizeilig
  • 25% Sojaextrationsschrot (44% RP)
  • 20% Körnermais
  • 15% Weizen
  • 10% Rapsextraktionsschrot
  • 2% Mineralfutter
  • 1% Betacarotin bzw. Wirkstoffergänzer

  • 27% Gerste zweizeilig
  • 25% Sojaextrationsschrot (44% RP)
  • 20% Körnermais
  • 15% Weizen
  • 10% Rapsextraktionsschrot
  • 2% Mineralfutter
  • 1% Betacarotin bzw. Wirkstoffergänzer

Bis zu 4 kg Kraftfutter täglich

Den jüngsten Rindern (150 bis 250 kg Lebendmasse) werden täglich etwa 2,0 kg der Kraftfuttermischung angeboten. Mit zunehmendem Gewicht wird die Kraftfuttermenge gesteigert. Rinder im besamungsfähigen Alter erhalten 3,3 kg täglich, hochtragende Tiere bis zu 4,0 kg (Übersicht 1). „Wenn nach diesem Schema gefüttert wird, passen die Tageszunahmen“, resümiert Fütterungsexperte Tiefenthaller.
Die Menge an Stroh wird über die gesamte Aufzuchtphase hinweg von 3,5 bis auf gut 7,0 kg gesteigert. „Beim erstmaligen Rechnen der Futtermischung habe ich mich gefragt, ob denn die jungen Rinder derart große Mengen an Stroh wirklich fressen, aber es funktioniert.“ Allerdings empfiehlt es sich mit der Trockenfütterung schon unmittelbar nach dem Abtränken zu beginnen, denn so gewöhnen sich die Rinder schon von klein auf an die Strohmengen. „Das Stroh kurz häckseln und mit Melasse zu verbessern halte ich nicht für sinnvoll“, ergänzt der Berater. „Es soll ja keine Kälber-TMR werden.“F. Greil


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