Energiedefizit hemmt die Fruchtbarkeit Plus

Bei 30 bis 40 % der Kühe ist in den ersten Wochen nach der Besamung ein früher Fruchttod zu beobachten. Schuld ist vor allem die negative Energiebilanz zum Laktationsstart.
Die Trächtigkeitsraten sind in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Inzwischen ist bekannt, dass viele Fruchtbarkeitsprobleme auf der negativen Energiebilanz zu Beginn der Laktation beruhen. Die Züchtung auf hohe Milchleistungen hat es mit sich gebracht, dass der Bedarf der Kühe an Energie und Nährstoffen in der Frühlaktation durch die Futteraufnahme allein nicht gedeckt werden kann. Trotz starkem Energiedefizit und insgesamt kataboler (abbauender) Stoffwechsellage gibt die Kuh aber immer mehr Milch. Dies ist möglich, weil die Milchdrüse die für die Synthese der Lactose notwendige Glucose hauptsächlich durch den Glucosetransporter GLUT1 aufnimmt, der völlig unabhängig von der sonstigen Glucose-Regulation im Organismus funktioniert. Während in dieser Phase andere Gewebe kaum Glucose aufnehmen, wird die verfügbare Glucose aus der Gluconeogenese (Glucoseneubildung) in der Leber fast vollständig durch die Milchdrüse aufgenommen und zur Milchzuckerbildung (Lactose) herangezogen.
Da wegen des Glucosemangels (bzw. Oxalacetat) im Organismus die Oxidation (Abbau) freier Fettsäuren (NEFA) gehemmt ist, produziert die Leber immer mehr Ketonkörper. Diese sind zwar alternative Energieträger, es existiert aber kein Stoffwechselweg, der Ketonkörper in Glucose als Substrat für die Lactosesynthese in der Milchdrüse umwandelt. Hohe Ketonkörperspiegel signalisieren im Gesamtstoffwechsel fatalerweise ein Übermaß an vorhandener Energie. Dieses „falsche“ Signal eines Energieüberschusses ist vermutlich dafür verantwortlich, dass die Futteraufnahme paradoxerweise, trotz Energiemangels, noch weiter gehemmt wird. Gleichzeitig kommt es durch Absenken der Glucagon-Sekretion zu einer reduzierten Gluconeogenese in der Leber. Dies hilft, die Neubildung von Ketonkörpern zu reduzieren, andererseits aber verschärft sich dadurch der Glucosemangel weiter.

Genetisch robuste Kühe

Da ein Schutzmechanismus zugunsten des Gesamtstoffwechsels, der die Nährstoffaufnahme (Glucose) der Milchdrüse beschränken würde, nicht existiert, ist das Risiko für Stoffwechselentgleisungen und damit das Auftreten von Produktionskrankheiten (Mastitis, Metritis, Fettleber, Klauenerkrankungen) in der Phase einer negativen Energiebilanz am höchsten.
Es reagieren aber bei Weitem nicht alle Kühe mit einer übermässigen Lipolyse (Fettmobilisation). Viele Kühe mobilisieren „bedarfsgerecht“, und die Konzentrationen freier Fettsäuren und Ketonkörper bleiben weitgehend im Normalbereich. Das zeigt, dass hohe Leistungen nicht automatisch mit Stoffwechselstörungen bzw. Fruchtbarkeitsproblemen einhergehen. Zukünftig sollten diese Tiere genetisch charakterisiert und in...


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