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Vorteile mit Phasenfütterung Digital Plus

Die Düngeverordnung verkompliziert die Fütterung leistungsstarker Kühe. Die Herausforderung ist, übermäßige Stickstoff- und Phosphor-Ausscheidungen zu verhindern, ohne Milch zu verlieren. Mussten Futterbaubetriebe in der Vergangenheit vor allem die Beschränkung der 170 kg- N-Regel im Blick haben (max. Stickstoffanfall aus tierischer Herkunft je Hektar), gilt es jetzt, die Einhaltung der Stickstoff- und Phosphor-Bilanzsalden zu beachten. Am einfachsten gelingt dies, wenn sowohl der Stickstoff(N)- als auch der Phosphor(P)-Gehalt in der Futtermischung abgesenkt wird. Doch Vorsicht: Wird den Kühen zu viel Protein vorenthalten, sinkt schon bald die Milchleistung. Eine knappe Versorgung mit Phosphor kann die Tiergesundheit nachhaltig negativ beeinträchtigen. Was also tun? Die Nährstoffdichte in den Futterrationen lässt sich vielfach noch etwas absenken, ohne dass dies zulasten der Milchleistung oder Tiergesundheit geht. Zu diesen Schlussfolgerungen kann man bei der Durchsicht der Ergebnisse neuerer Fütterungsversuche gelangen. Die größten Erfolge lassen sich durch eine Phasenfütterung erreichen! Die Laktationsphase wird dazu in drei Abschnitte aufgeteilt. Anstatt eine (Basis-)Ration an alle Kühe zu füttern, wird in jeder der drei Phasen die Nährstoffdichte der Milchleistung entsprechend angepasst. So lässt sich sicherstellen, dass die Kühe nicht mit zu vielen, aber auch nicht mit zu wenigen Nährstoffen versorgt werden. Laut Berechnungen der Landwirtschaftskammer NRW lassen sich so die Nährstoffausscheidungen beim Stickstoff um ca. 7 bis 11% und 17 bis 20% beim Phosphor pro Kuh reduzieren! 15% Rohprotein und 160 g nXP Im Projekt N-Reduk wurden im VBZL Haus Riswick in drei Fütterungsversuchen (à 150 Tage) über 18 Monate hinweg mehrere Proteinversorgungsintensitäten und der Einsatz von pansenstabilen Aminosäuren geprüft. Die 48 Kühe der Kontrollgruppe erhielten eine Futterration mit 160 g Rohprotein (XP) bzw. 160 g nXP pro kg TM. Der RNB wurde auf 0 g eingestellt. In dem ersten Fütterungsversuch (48 Kühe) wurde zusätzlich die Aminosäure Methionin der Ration zugegeben. Im zweiten Fütterungsversuch wurde an 48 Milchkühe eine Ration mit 140 g XP bzw. 160 g nXP/kg TM (-3 g RNB) gefüttert. Zusätz

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Die Düngeverordnung verkompliziert die Fütterung leistungsstarker Kühe. Die Herausforderung ist, übermäßige Stickstoff- und Phosphor-Ausscheidungen zu verhindern, ohne Milch zu verlieren. Mussten Futterbaubetriebe in der Vergangenheit vor allem die Beschränkung der 170 kg- N-Regel im Blick haben (max. Stickstoffanfall aus tierischer Herkunft je Hektar), gilt es jetzt, die Einhaltung der Stickstoff- und Phosphor-Bilanzsalden zu beachten. Am einfachsten gelingt dies, wenn sowohl der Stickstoff(N)- als auch der Phosphor(P)-Gehalt in der Futtermischung abgesenkt wird. Doch Vorsicht: Wird den Kühen zu viel Protein vorenthalten, sinkt schon bald die Milchleistung. Eine knappe Versorgung mit Phosphor kann die Tiergesundheit nachhaltig negativ beeinträchtigen. Was also tun? Die Nährstoffdichte in den Futterrationen lässt sich vielfach noch etwas absenken, ohne dass dies zulasten der Milchleistung oder Tiergesundheit geht. Zu diesen Schlussfolgerungen kann man bei der Durchsicht der Ergebnisse neuerer Fütterungsversuche gelangen. Die größten Erfolge lassen sich durch eine Phasenfütterung erreichen! Die Laktationsphase wird dazu in drei Abschnitte aufgeteilt. Anstatt eine (Basis-)Ration an alle Kühe zu füttern, wird in jeder der drei Phasen die Nährstoffdichte der Milchleistung entsprechend angepasst. So lässt sich sicherstellen, dass die Kühe nicht mit zu vielen, aber auch nicht mit zu wenigen Nährstoffen versorgt werden. Laut Berechnungen der Landwirtschaftskammer NRW lassen sich so die Nährstoffausscheidungen beim Stickstoff um ca. 7 bis 11% und 17 bis 20% beim Phosphor pro Kuh reduzieren! 15% Rohprotein und 160 g nXP Im Projekt N-Reduk wurden im VBZL Haus Riswick in drei Fütterungsversuchen (à 150 Tage) über 18 Monate hinweg mehrere Proteinversorgungsintensitäten und der Einsatz von pansenstabilen Aminosäuren geprüft. Die 48 Kühe der Kontrollgruppe erhielten eine Futterration mit 160 g Rohprotein (XP) bzw. 160 g nXP pro kg TM. Der RNB wurde auf 0 g eingestellt. In dem ersten Fütterungsversuch (48 Kühe) wurde zusätzlich die Aminosäure Methionin der Ration zugegeben. Im zweiten Fütterungsversuch wurde an 48 Milchkühe eine Ration mit 140 g XP bzw. 160 g nXP/kg TM (-3 g RNB) gefüttert. Zusätzlich wurden die Aminosäuren Methionin (3,4/4,1 g) und Lysin (10,8 g) ergänzt. In Fütterungsversuch 3 (48 Kühe) enthielt die Ration ebenfalls 140 g XP, allerdings wurde der nXP-Gehalt auf 140 g/kg abgesenkt (-3 g RNB). Zusätzlich wurde die Aminosäure Methionin ergänzt. Alle Futterrationen wurden für eine ECM-Leistung von 35 kg je Kuh und Tag berechnet. Ergebnis: Mit der Absenkung des Rohproteingehaltes verringerte sich auch die Milchmenge. Allerdings reduzierten sich auch die N-Ausscheidungen deutlich. Harnstoff in die TMR Auch auf dem Milchkuhbetrieb des Zentrums für Tierhaltung und Technik Iden (ZTT) wurden mehrere Fütterungsversuche zum Thema Proteinabsenkung durchgeführt. In einer Studie wurden 76 Hochleistungskühe mit zwei unterschiedlichen Ration versorgt: Gruppe A: Rohproteingehalt reduziert (147 g), RNB negativ, keine Harnstoffzulage. Gruppe B: Rohproteingehalt bedarfsgerecht (157 g), RNB ausgeglichen, Harnstoffzulage. Ergebnis: Die Kühe beider Gruppen realisierten hohe Futteraufnahmen (27 kg TM) und auch hohe Milch- und Milcheiweißleistungen. Zwischen den Gruppen ließen sich für diese Parameter keine signifikanten Differenzen beobachten. Aus den Versuchsergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass auch mit einem knapperen Rohproteinangebot ein hohes Produktionsniveau sichergestellt werden kann. Gleichzeitig lässt sich durch eine solche Versorgungsstrategie die N-Ausscheidung reduzieren. Letzteres lässt sich aus den Milchharnstoffgehalten sowie der N-Bilanzen ableiten. Bei Anwendung der Formel von Bannink und Hindle ergibt sich eine Differenz der N-Ausscheidungen von ca. 10% (Gruppe A: 367 g/Kuh vs. Gruppe B: 407 g/Kuh/Tag). Empfehlung für die Praxis: Hochleistungskühe (≥40 kg) können knapp am ausgewiesenen Proteinbedarf (Rohprotein bzw. nXP ca. je 160 g/kg TM) gefüttert werden. Das Vorhalten von Rohprotein ist nicht notwendig. Ein N-Luxuskonsum ist in jeder Hinsicht von Nachteil (Tiergesundheit, Nährstoffausscheidungen, Kosten). Hochleistungsrationen mit maßvoll reduziertem Rohproteinangebot (ca. 150 g/kg TM) erlauben durchaus hohe Milch- und Eiweißleistungen. Allerdings können bei diesem abgesenkten Versorgungsniveau Milchleistungseinbußen schneller auftreten. Leistungseinbußen können bei einer Rohproteinreduzierung voraussichtlich vermieden werden, sofern der nXP-Gehalt auf 160 g angehoben wird (z.B. durch erhöhte UDP-Gehalte in Futtermitteln). Anhand des Milchharnstoff- und des Milcheiweißgehaltes sollte die Proteinversorgung im Rahmen des Fütterungscontrollings „feingesteuert“ werden. Weniger Phosphor „zukaufen“ Mit steigenden Milchleistungen gelangt über das Kraftfutter zumeist auch zunehmend Phosphor in die Ration. Letztlich nehmen dadurch die Phosphor-Ausscheidungen zu (aus P kann durch Multiplikation mit dem Faktor 2,291 die P2O5-Menge berechnet werden). Dieser Effekt ist besonders auffällig bei einer GVO-freien Fütterung. Denn Milcherzeuger, die sich der GVO-freien Fütterung verpflichtet haben, setzen Rapsextraktionsschrot (RES) oft als alleiniges Eiweißfuttermittel ein. Raps enthält viel Phosphor. Hinzu kommt noch, dass bei einer GVO-freien Fütterung oftmals vermehrt auch noch andere Ölschrote und Mühlennachprodukte eingesetzt werden, die ebenfalls viel Phosphor in die Ration eintragen. Der überschüssige Phosphor wird von den Kühen vollständig ausgeschieden, er findet sich in Mist und Gülle wieder – nicht selten rund 65% der zuvor aufgenommenen Phosphormenge! Die Düngeverordnung zwingt jedoch zu einer Phosphor-Restriktion. In 2018 wurden die tolerierbaren Phosphat-Überhänge von 20 kg auf 10 kg/ha halbiert. Da stellt sich die Frage nach der optimalen Fütterungsstrategie. Ein Lösungsansatz kann der Einsatz von pansengeschütztem Rapsextraktionsschrot (RES) sein. Die tägliche Einsatzmenge an Rapsschrot lässt sich so bei konstantem Angebot an nutzbarem Protein vermindern und der Phosphor-Eintrag in die Tagesration reduzieren. Beispielsweise können 4,0 kg RES mit 35% UDP ersetzt werden durch 3,2 kg geschütztes RES mit 65% UDP. Die Phosphor-Lieferung verringert sich dadurch von 45 g auf 36 g Phosphor. Eine weitere Möglichkeit zur Reduktion der Phosphor-Ausscheidungen besteht in einer Absenkung der Phosphor-Gehalte in den Milchleistungsfuttern (MLF). Ein Phosphor-Gehalt im MLF von etwa 4,5 g/kg genügt völlig zur adäquaten Versorgung der Kühe, um eine über den Bedarf hinausgehende Versorgung zu vermeiden. Das Mineralfutter sollte keinen Phosphor enthalten, denn ein Phosphor-Ausgleich des Grobfutters ist nicht erforderlich. Empfehlung für die Praxis: Erfahrungen mit einer restriktiven Phophor-Fütterung liegen in den Niederlanden vor. Seit 2018 reguliert eine Phosphat-Quote die Emissionen. Aus den Niederlanden stammt auch die Beratungsempfehlung, den Phosphor-Gehalt in den Futterrationen auf 3,5 bis 4,0 g P/kg TM zu begrenzen. Angeblich führt dies bei Milchkühen nicht zu Leistungseinbußen oder Gesundheitsproblemen. Im ersten Laktationsmonat ist jedoch eine höhere Konzentration (etwa 4,5 g/kg TM) sinnvoll. Wichtig: Um exakt kalkulieren zu können, müssen regelmäßig alle Grundfuttermittel auf ihren Mineralstoffgehalt analysiert werden.G. Veauthier