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Selektieren unmöglich Digital Plus

Vor vier Jahren hat Dr. Kristensen mit der Kompakt-TMR die TMR-Philosophie neu aufgemischt: Durch Einweichen der trockenen Komponenten und eine lange Mischdauer entsteht eine homogene, kurzfasrige und klebrige TMR. Mittelweile liegt sie auch auf deutschen Futtertischen.

Der Futterfahrer gibt Gas, die Zapfwelle klingelt – für die meisten Milchkühe das Signal zum Aufstehen und Fressen gehen. Doch es bleibt ruhig, nur vereinzelt stehen Kühe auf und gehen zum Futtertisch. Entspannt fressen sie Bissen für Bissen von der Spitze des frischen Futterbergs ab. „From the top, kein hektisches Rumwühlen mehr“, erklärt Dr. Niels Bastian Kristensen vom dänischen Kompetenzzentrum für Landwirtschaft (SEGES). „Nicht mehr als 25% der Kühe sollen aufstehen, wenn frisch gefüttert wird“, genau so soll es bei dem von ihm entwickelten Konzept der Kompakt-TMR sein.

Jeder Bissen zu jeder Zeit gleich gut

Das Ziel der Kompakt-TMR ist es, über ein Einweichen der Kraftfutterkomponenten mit Wasser und ein sehr intensives Mischen, das Ausselektieren einzelner Rationsbestandteile zu verhindern. Also zu ermöglichen, dass die Kuh immer mit jedem Bissen das in der Berechnung angestrebte Verhältnis von Grundfutter und Kraftfutter aufnimmt. Die riskante tägliche Variation von Stärke- und Proteingehalten, der eine Kuh die selektieren kann ausgesetzt ist, wird damit ausgeschaltet – vorausgesetzt der Futterfahrer lädt gewissenhaft.

Die Kühe lernen mit der Kompakt-TMR, dass egal wann und wo sie an den Futtertisch treten, sie dort die Ration in konstanter Qualität vorfinden und sich satt fressen können – eine Restfuttermenge von 2% (1 kg/Kuh) ist Pflicht bei dem Konzept! Die Futterreste müssen dabei selbst immer eine gute Qualität aufweisen. Diese Effekte bringen neben einer effizienteren Verwertung der Ration auch mehr Ruhe in die Herde. Mehr Zeit zum Liegen und mehr Platz am Trog, weil die Kühe ohne selektieren weniger Zeit für ihre Futteraufnahme brauchen, erklärt Kristensen.

Das berichten auch Milcherzeuger, die die Fütterung ihrer melkenden Kühe auf die kompakte TMR umgestellt haben. Sie erklären, dass besonders Färsen und rangniedrige Kühe deutlich höhere Milchleistungen erreichen und die Kondition der Herde einheitlicher wird. Sowie dass sich die Milchinhaltsstoffe und der Harnstoffgehalt stabilisieren und sich die Klauengesundheit verbessert. So auch die Familien Offermann (375 Kühe, 9.000 kg Milch) und Martens (170 Kühe, 11.500 kg Milch) aus Niedersachsen, die ihre Voll- und Teil-TMR vor über einem Jahr gemeinsam mit ihrem Futterberater Luuk Marissink (Trede und von Pein) auf die kompakte Mischration umgestellt haben. Elite hat sie auf ihren Betrieben...

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Vor vier Jahren hat Dr. Kristensen mit der Kompakt-TMR die TMR-Philosophie neu aufgemischt: Durch Einweichen der trockenen Komponenten und eine lange Mischdauer entsteht eine homogene, kurzfasrige und klebrige TMR. Mittelweile liegt sie auch auf deutschen Futtertischen. Der Futterfahrer gibt Gas, die Zapfwelle klingelt – für die meisten Milchkühe das Signal zum Aufstehen und Fressen gehen. Doch es bleibt ruhig, nur vereinzelt stehen Kühe auf und gehen zum Futtertisch. Entspannt fressen sie Bissen für Bissen von der Spitze des frischen Futterbergs ab. „From the top, kein hektisches Rumwühlen mehr“, erklärt Dr. Niels Bastian Kristensen vom dänischen Kompetenzzentrum für Landwirtschaft (SEGES). „Nicht mehr als 25% der Kühe sollen aufstehen, wenn frisch gefüttert wird“, genau so soll es bei dem von ihm entwickelten Konzept der Kompakt-TMR sein. Jeder Bissen zu jeder Zeit gleich gut Das Ziel der Kompakt-TMR ist es, über ein Einweichen der Kraftfutterkomponenten mit Wasser und ein sehr intensives Mischen, das Ausselektieren einzelner Rationsbestandteile zu verhindern. Also zu ermöglichen, dass die Kuh immer mit jedem Bissen das in der Berechnung angestrebte Verhältnis von Grundfutter und Kraftfutter aufnimmt. Die riskante tägliche Variation von Stärke- und Proteingehalten, der eine Kuh die selektieren kann ausgesetzt ist, wird damit ausgeschaltet – vorausgesetzt der Futterfahrer lädt gewissenhaft. Die Kühe lernen mit der Kompakt-TMR, dass egal wann und wo sie an den Futtertisch treten, sie dort die Ration in konstanter Qualität vorfinden und sich satt fressen können – eine Restfuttermenge von 2% (1 kg/Kuh) ist Pflicht bei dem Konzept! Die Futterreste müssen dabei selbst immer eine gute Qualität aufweisen. Diese Effekte bringen neben einer effizienteren Verwertung der Ration auch mehr Ruhe in die Herde. Mehr Zeit zum Liegen und mehr Platz am Trog, weil die Kühe ohne selektieren weniger Zeit für ihre Futteraufnahme brauchen, erklärt Kristensen. Das berichten auch Milcherzeuger, die die Fütterung ihrer melkenden Kühe auf die kompakte TMR umgestellt haben. Sie erklären, dass besonders Färsen und rangniedrige Kühe deutlich höhere Milchleistungen erreichen und die Kondition der Herde einheitlicher wird. Sowie dass sich die Milchinhaltsstoffe und der Harnstoffgehalt stabilisieren und sich die Klauengesundheit verbessert. So auch die Familien Offermann (375 Kühe, 9.000 kg Milch) und Martens (170 Kühe, 11.500 kg Milch) aus Niedersachsen, die ihre Voll- und Teil-TMR vor über einem Jahr gemeinsam mit ihrem Futterberater Luuk Marissink (Trede und von Pein) auf die kompakte Mischration umgestellt haben. Elite hat sie auf ihren Betrieben besucht und sich das Konzept in der Praxis angeschaut: Ohne Disziplin funktioniert es nicht Die besondere Homogenität der Kompakt-TMR entsteht durch ein spezielles Mischverfahren. „Das Konzept funktioniert nur als Ganzes, man kann nicht einfach nur etwas Wasser in den Mischwagen laufen lassen und fertig“, warnt Dr. Kristensen, „das Mischen erfordert täglich eine hohe Disziplin.“ Sprich, das erprobte Mischprotokoll (Übersicht 1) ist Tag für Tag exakt einzuhalten: Dann muss die Masse stehend einweichen. Mindestens eine Stunde und bis zu zwölf Stunden bei Trockenschnitzeln, sodass am Ende alle Pellets komplett aufgelöst und keine Wasserpfützen mehr zu sehen sind (siehe Seite 44). Feuchte Komponenten wie Biertreber werden vor der Zugabe der Grassilage mit dem Premix vermischt. Tipp: Muss aus Kapazitätsgründen öfter am Tag für die laktierenden Kühe geladen werden, sollte der Premix komplett angesetzt werden. Diese vor der Phase 2 anteilig ausladen und entsprechend zur nächsten Mischung zuladen. Zu beachten: Zu wenig Wasser zuzugeben ist der schlimmste Fehler. Es bilden sich Klumpen, die halbnasse Vormischung klebt im Mischer fest und vermischt sich später nicht ausreichend mit der Silage. Bei Trockenschnitzelpellets und Getreidemehl mehr Wasser hinzufügen, etwa im Verhältnis 1:1,2. Das Ergebnis ist, dass die Futterkörnchen durch ihre klebrige Feuchtigkeit an den Silagepartikeln festhängen. Der TM-Gehalt der Ration soll zwischen 36% (Horizontal-) und 38% (Vertikalmischer) liegen. „Bis auf kurze Grassilagepartikel soll kein Futtermittel mehr auszumachen sein“, definiert Dr. Kristensen ein Gesamtbild. Die Partikellängen der Silagen spielen dabei eine dem Klebeeffekt untergeordnete Rolle. Je kürzer sie aber sind, desto besser, sagt Kristensen. Er empfiehlt Längen von 8 bis 10 mm. Seine Untersuchungen und Praxiserfahrungen zeigen, dass es keinen „pieksenden“ Struktureffekt benötigt, solange die Kühe nicht selektieren können (siehe Kasten). Betriebe, die auf Kompakt-TMR umgestellt haben, nehmen das Stroh oft komplett aus der Ration. Problemlos, wie auch Robert Offermann berichtet: „Wir haben vorher 700 bis 800 g Stroh gefüttert. Mit dem Wechsel auf die Kompakt-TMR haben wir es komplett aus der Ration genommen und die Kühe sind heute gesünder.“ Wichtig ist, dass der Grundfutteranteil hoch genug ist. Dr. Kristensen verweist auf die grassilagebetonten Rationen in Dänemark. Bei den von uns besuchten Betrieben werden Gras- und Maissilage im Verhältnis 30:70 Prozent gefüttert. Es bedarf hier keiner zusätzlichen Pansenpuffer-Substanzen. Erfahrungen aus der Praxis Konzept-Umstellung: Vor einer Umstellung sollte zunächst die alte Mischration beurteilt werden: Wie sieht das gemischte Futter aus? Lässt es sich selektieren (Krümmel am Boden, Grasbüschel)? Wie verhalten sich die Kühe beim Fressen? Wie gut arbeitet der Mischwagen (siehe TMR-Audit Elite 2/2016)? Nur so lassen sich bestehende Probleme sowie Veränderungen zum Ausgangsniveau im Wechsel feststellen. Gewöhnungszeit: Die Kühe brauchen zwei bis drei Wochen, um sich an die neue Ration zu gewöhnen. „Anfangs waren sie richtig beleidigt, dass sie nicht selektieren konnten und haben gesucht, ob sie wirklich nicht an einem anderen Platz etwas finden“, berichtet Jens Marten. „Diese Zeit muss man durchhalten, doch es wird Tag für Tag besser.“ Das Verhalten der Kühe muss immer gut im Blick behalten werden. Sehr gut eingestellt ist die Kompakt-TMR, wenn: die Kühe von oben abfressen und nicht vom Futtertischboden auslesen (das Futter bleibt „gehäuft“); die Futteraufnahme stabil bleibt oder steigt; die Kühe kaum auf die Futtervorlage und das Nachschieben reagieren (max. 25% der Herde am Fressgitter, außer die Kühe kommen vom Melken); die Futterreste und die frisch vorgelegte Mischung nahezu identisch aussehen und riechen. Dr. Kristensen behauptet: „Das klassiche Gruppenverhalten, dass alle Kühe gleichzeitig fressen wollen, gibt es nicht, wenn sich die Ration nicht entmischt.“ Ein frequenzweise vollbelegter Futtertisch ist für ihn ein Desaster, ein Hinweis auf zu wenig Futtervorlage und schlecht gemischte Rationen. Technik: Vertikale und horizontale Schneckenmischer eignen sich beide. Zu Paddelmischern passt das Konzept nicht. Doch jeder Mischwagen ist anders, wichtig ist, dass er die Ration sicher komplett umschlagen kann. Tipp: Nach zehn Minuten Mischzeit einen Eimer Futterkalk in die Mitte des Mischbehälters geben und schauen wie schnell er sich verteilt und verschwindet. Das Mischen von Premix und Ration bei jeder Mischung kontrollieren. Vertikale Schnecken üben weniger Druck auf die Ration aus als horizontale. Letztere umwälzen die Ration langsamer, hier jeweils die 20 Minuten einhalten. Messer/Mitnehmer: Gute Messer und Räumer/Mitnehmer auf den Schnecken sind unabdinglich, um das Futter richtig zu mischen und zu verhindern, dass sich Reste in den Ecken festsetzen. Spezialfuttermittel: Mineralfutter, Hefen etc. nicht in den Premix. Sie können ihre Wirkung verlieren. Nacherwärmung: Bei jeder TMR hängt die Neigung zur Nacherwärmung von der Ausgangsqualität der Silagen ab, auch hier. Da der Premix das Wasser festhält, wird der für die aerobe Stabilität wichtige Säuregehalt der Silagen nicht verdünnt. Präventiv im Sommer den Premix nicht länger als nötig und im Schatten einweichen. Gegebenenfalls, wie in normaler TMR auch, stabilisierende Zusätze (z.B. propionsäurehaltig) einsetzen. Nachteil: Dadurch, dass der Futterwagen länger mischen muss, steigt der Dieselverbrauch. Doch die Milcherzeuger sagen, dass der höhere Verbrauch aufgrund der positiven Effekte, die die Kompakt-TMR mit sich bringt, akzeptabel ist. K. Berkemeier