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Die Lösung steckt im Detail Digital Plus

In vielen Rationen schlummern noch Reserven. Um diese zu finden haben sich vier Milchkuhhalter sechs Monate lang intensiv um ihre Fütterung gekümmert. Wir berichten wie es ihnen ergangen ist.

Wie schnell die Zeit vergeht! Vor mehr als sieben Monaten haben wir Milchkuhhalter gesucht, die ihre Fütterung ein halbes Jahr lang unter den Gesichtspunkten Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Leistung unter die Lupe nehmen wollten. Dabei sollten sie Futterrationen, wenn möglich selbst, nach eigenen Bedürfnissen gestalten und die Fütterung regelmäßig kontrollieren. Hierzu stellten wir den Milchprofis eine spezielle Software (fodjan Smart Feeding, siehe Kasten Seite 50) zur Verfügung. Zusätzlich wurden die Projektteilnehmer einen Tag lang von einem ausgewiesenen Fütterungsexperten über Möglichkeiten beim Fütterungscontrolling geschult. Und sie erhielten eine Schüttelbox. Lesen Sie hier, welche Erfahrungen die vier Milchprofis gemacht haben.

Dass die Fütterung tatsächlich vielen unter den Nägeln brennt, konnten wir an den zahlreichen Anmeldungen für unser Projekt erkennen. Weit mehr als 100 Milcherzeuger meldeten sich auf unseren Aufruf. Die Wahl fiel schwer und am Ende entschieden wir uns, aus jeder „Himmelsrichtung“ einen Betrieb auszusuchen.

Was wir beim Projektstart nicht absehen konnten, war die Dürre die uns über die Sommermonate heimgesucht hat. Diese hat die Milcherzeuger letztlich zu dem ein oder anderen unabsichtlichen „Manöver“ bewegt. Vor allem der Betrieb Thomßen mit einem großen Weideanteil, aber auch die Grundfutterqualität bei Familie Buschhaus und Tine de Schutter haben unter der Trockenheit gelitten. Allein bei Josef Hirschvogl (Landkreis Garmisch Partenkirchen) fielen die Ernteverluste moderat aus.

Zum Projektstart wurden die vier Milchprofis in einem Tagesseminar von einem Fütterungsexperten nochmals in Sachen Fütterungscontrolling fit gemacht. Dabei bekamen sie u.a. folgende wichtige Punkte mit auf den Weg:

  • Die beste berechnete Ration bringt nichts, wenn sie nicht korrekt umgesetzt wird (berechnete = gefressene Ration). Deshalb: Kontrolle der Ration mithilfe der Schüttelbox und TM-Bestimmung durchführen.
  • Die Ration muss der Kuh und dem Pansen gerecht werden (Struktur- geht vor Energieversorgung).
  • Es ist wichtig nach dem Flaschenhals zu suchen (Übersicht 1), also den Faktor zu ermitteln, der die Fütterung/Leistung am meisten begrenzt.

Stabiles Leistungsniveau

Tine de Schutter bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Benoit Didion eine Herde mit 620 Kühen. Die Milchleistung lag zu Beginn des Fütterungsprojekts bei ca. 28 Litern pro Tag. Als konstantes Ziel hat sie sich 29 bis 30 Liter gesetzt. Den Kühen wird eine Voll-TMR (Kompakt-TMR) gefüttert, zu Beginn des Jahres vor der Melkschicht um 4.00 Uhr morgens.

Gemeinsam mit ihrem Tierarzt hat Tine de Schutter bereits vor Projektbeginn begonnen die Fütterung zu kontrollieren. Dazu gehört einmal pro...

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In vielen Rationen schlummern noch Reserven. Um diese zu finden haben sich vier Milchkuhhalter sechs Monate lang intensiv um ihre Fütterung gekümmert. Wir berichten wie es ihnen ergangen ist. Wie schnell die Zeit vergeht! Vor mehr als sieben Monaten haben wir Milchkuhhalter gesucht, die ihre Fütterung ein halbes Jahr lang unter den Gesichtspunkten Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Leistung unter die Lupe nehmen wollten. Dabei sollten sie Futterrationen, wenn möglich selbst, nach eigenen Bedürfnissen gestalten und die Fütterung regelmäßig kontrollieren. Hierzu stellten wir den Milchprofis eine spezielle Software (fodjan Smart Feeding, siehe Kasten Seite 50) zur Verfügung. Zusätzlich wurden die Projektteilnehmer einen Tag lang von einem ausgewiesenen Fütterungsexperten über Möglichkeiten beim Fütterungscontrolling geschult. Und sie erhielten eine Schüttelbox. Lesen Sie hier, welche Erfahrungen die vier Milchprofis gemacht haben. Dass die Fütterung tatsächlich vielen unter den Nägeln brennt, konnten wir an den zahlreichen Anmeldungen für unser Projekt erkennen. Weit mehr als 100 Milcherzeuger meldeten sich auf unseren Aufruf. Die Wahl fiel schwer und am Ende entschieden wir uns, aus jeder „Himmelsrichtung“ einen Betrieb auszusuchen. Was wir beim Projektstart nicht absehen konnten, war die Dürre die uns über die Sommermonate heimgesucht hat. Diese hat die Milcherzeuger letztlich zu dem ein oder anderen unabsichtlichen „Manöver“ bewegt. Vor allem der Betrieb Thomßen mit einem großen Weideanteil, aber auch die Grundfutterqualität bei Familie Buschhaus und Tine de Schutter haben unter der Trockenheit gelitten. Allein bei Josef Hirschvogl (Landkreis Garmisch Partenkirchen) fielen die Ernteverluste moderat aus. Zum Projektstart wurden die vier Milchprofis in einem Tagesseminar von einem Fütterungsexperten nochmals in Sachen Fütterungscontrolling fit gemacht. Dabei bekamen sie u.a. folgende wichtige Punkte mit auf den Weg: Die beste berechnete Ration bringt nichts, wenn sie nicht korrekt umgesetzt wird (berechnete = gefressene Ration). Deshalb: Kontrolle der Ration mithilfe der Schüttelbox und TM-Bestimmung durchführen. Die Ration muss der Kuh und dem Pansen gerecht werden (Struktur- geht vor Energieversorgung). Es ist wichtig nach dem Flaschenhals zu suchen (Übersicht 1), also den Faktor zu ermitteln, der die Fütterung/Leistung am meisten begrenzt. Stabiles Leistungsniveau Tine de Schutter bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Benoit Didion eine Herde mit 620 Kühen. Die Milchleistung lag zu Beginn des Fütterungsprojekts bei ca. 28 Litern pro Tag. Als konstantes Ziel hat sie sich 29 bis 30 Liter gesetzt. Den Kühen wird eine Voll-TMR (Kompakt-TMR) gefüttert, zu Beginn des Jahres vor der Melkschicht um 4.00 Uhr morgens. Gemeinsam mit ihrem Tierarzt hat Tine de Schutter bereits vor Projektbeginn begonnen die Fütterung zu kontrollieren. Dazu gehört einmal pro Monat die Beurteilung der Körperkondition, der Ration und des Kots. Tine de Schutter bestimmt nun auch die Trockenmasse der Futtermittel regelmäßig, um die Feuchtigkeit der Kompakt-TMR anzupassen und die Futteraufnahme zu kontrollieren (Durchschnitt 23,7 kg). Das Fütterungsprogramm hat Tine de Schutter nicht genutzt. Die Ration war die gesamte Zeit über konstant zusammengesetzt. Geändert hat Tine de Schutter die Fütterungszeit. So wird jetzt nicht mehr am frühen Morgen um 04.00 Uhr, sondern nachmittags gegen 15.00 Uhr gefüttert. „Wir konnten bei der Fütterung so früh morgens nicht beurteilen, wie lange die Kühe schon vor einem fast leeren Futtertisch stehen.“ Durch das Füttern am Nachmittag kann jetzt die Futtermenge besser angepasst werden. Auch lässt sich die Beladung des Mischwagens und die Durchführung der Fütterung besser überwachen. Durch diese Maßnahmen hat Tine de Schutter es geschafft, ihr Ziel, die Leistung konstant über 30 kg zu halten, erreicht. Stellschrauben bei hohem Niveau Die Herde von Familie Buschhaus umfasst inzwischen 220 Milchkühe. Die Leistung lag bei knapp 11.000 kg. Gemolken wurden die Kühe zu Projektbeginn mit drei, inzwischen mit vier Lely-Robotern. Buschhaus füttern eine Teil-TMR. Trotz des bereits hohen Leistungsniveaus wollte die Familie Buschhaus weiter an der Fütterung feilen: „Wir möchten unsere Fütterung regelmäßiger kontrollieren, Fehler vermeiden und Kosten senken.“ Bastian Buschhaus hat u.a. die frisch vorgelegte Ration ausgeschüttelt. Dabei stellte er fest, dass der Futtermischwagen zu vollgeladen war und dadurch die Mischgenauigkeit litt. Da aber bereits im Frühjahr ein größerer Selbstfahrer bestellt wurde, hat sich dieses Problem inzwischen erledigt. Zudem messen Buschhaus den Trockenmasse-Gehalt der Komponenten mithilfe eines Dörrobst-Trockners und wiegen in Abständen die gefütterten Mengen zurück. Die Ration haben sie in den vergangenen Monaten immer wieder geändert, auch weil Komponenten (Wickelballen) zu Ende gingen oder die neue Maissilage nicht richtig „melkt“. Für die Berechnung hat Bastian Buschhaus zuletzt eine Excel-Anwendung genutzt, da ihm die Bedienung der Fütterungs-Software (fodjan) zu aufwendig (zu viele Einstellungsmöglichkeiten) erschien. Das Ziel, die Ration regelmäßig unter die Lupe zu nehmen, hat Familie Buschhaus erreicht. „Mal eben so nebenbei“ sei das aber nicht zu machen. Ob durch das Controlling die Futterkosten gesenkt werden können, muss sich zeigen. Weide stellte Graswachstum ein Zusammen mit seinen Eltern managt Jörgen Thomßen 120 Kühe mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 9.800 kg. Trotz der guten Leistung, bei Vollweide im Sommer, sieht der junge Milchkuhhalter noch Verbesserungsbedarf. „Wir sind ein reiner Pachtbetrieb, mein Ziel ist es deshalb die Futterkosten weiter zu optimieren.“ Die Kühe fütterte der junge Betriebsleiter im Frühjahr mit einer Teil-TMR. Mit dem Projekt hat der Milchkuhhalter angefangen, Restfutter einmal pro Woche zurückzuwiegen und mit der Schüttelbox die Homogenität der Ration zu justieren. Jörgen Thomßen hat regelmäßig die Fütterungs-Software, vor allem die „Jetzt füttern“-Funktion (siehe Kasten) genutzt. Leider war für ihn nicht daran zu denken, seine Futterkosten weiter zu senken. Denn durch die Dürre fehlte ihm massiv (Weide-)Futter, sodass er Grassilage (2. Schnitt) zukaufen musste. Dennoch waren für ihn die Ergebnisse aus der regelmäßigen Fütterungskontrolle wie ein Weckruf. „Erst wenn man regelmäßig hinschaut, sieht man, was nicht passt.“ Mehrlaktierende sollen Gas geben Josef Hirschvogl bewirtschaftet mit seiner Frau einen Betrieb mit 65 Fleckvieh- und Holsteinkühen. Die Herde erreicht eine Leistung von ca. 8.600 kg. Die Färsen steigen mit einer sehr guten Milchleistung ein. In der zweiten und dritten Laktation nimmt die Leistung aber nicht an Fahrt auf. Sein Ziel war es, gerade die Mehrlaktierenden bedarfsgerechter auszufüttern. Die Kühe bekommen eine Teil-TMR, die im Frühjahr auf eine Milchleistung von 25 Liter ausgelegt war. Während der Projektphase hat der Betriebsleiter die Energie in der Ration erhöht (ca. 33 kg), nur Kühe mit einer Leistung ab 36 kg erhalten jetzt Kraftfutter an der Station. „Die Drängeleien am Futtertisch haben aufgehört. Die Kühe sind ruhiger.“ Josef Hirschvogl hat sich die Mischgenauigkeit seiner Ration angeschaut (Übers. 4) und die Restfuttermengen regelmäßig zurückgewogen bzw. abgeschätzt. Beim Schütteln fiel auf, dass die frisch vorgelegte Ration sehr deutlich Abweichungen aufwies. Gründe könnten sein, dass der Mischwagen zu voll beladen wird, Messer und/oder Schnecken verschlissen sind oder die Ration nicht ausreichend lange gemischt wird. Bei der Kontrolle des Mischwagens zeigte sich, dass die Messer verschlissen waren. Josef Hirschvogls Erwartungen haben sich erfüllt. So hat sich die Stoffwechselgesundheit seiner Herde verbessert, Nachgeburtsverhaltungen sind nicht aufgetreten. Durch das Projekt hat er sein „Auge für die Fütterung und das Fressverhalten der Kühe geschärft“. Die Umstellungen hat Josef Hirschvogl zusammen mit seinem Fütterungsberater umgesetzt. „Ich finde es wichtig, dass der Berater als Außenstehender auf die Fütterung und die Herde schaut.“ Fazit Alle vier Milcherzeuger haben angefangen Restfuttermengen zu wiegen bzw. abzuschätzen. Mithilfe der Schüttelbox wurden Schwachstellen aufgedeckt wie z.B. abgenutzte Messer im Mischwagen oder zu starkes Beladen des Futtermischwagen. Die Trockenmasse-Gehalte der Futtermittel bzw. der Futtermischungen werden regelmäßig gemessen. Anhand der Daten werden die Rationen nachjustiert. Das Rationsberechnungs-Programm wurde nur sporadisch genutzt. Sich intensiver mit der Rationsplanung und Fütterungskontrolle zu beschäftigen, ist eine Option, die im Fütterungsmanagement noch gegeben ist. Alle Betriebsleiter waren sich einig, dass es oftmals nur Kleinigkeiten sind, welche die Leistung ausbremsen (Flaschenhals). Deshalb muss die Fütterung kontinuierlich kontrolliert werden. Letztlich zeigte sich bei diesem Projekt, dass die Fütterung der Kühe nur dann nachhaltig verbessert werden kann, wenn Kontroll-Systeme eingeführt werden. Kontinuierlich und konsequent! Und zwar das gesamte Jahr über, Tag für Tag auch in der Erntezeit! Birte Ostermann-Palz, Gregor Veauthier