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Ohne Krach geht es nicht Digital Plus

Führungswechsel auf dem Familienbetrieb: Friedrich und Fraederk Meppen haben die Hofübergabe hinter sich. Beide sind mit ihren neuen Aufgaben zufrieden. Doch der Weg dahin war steinig. Ich hatte nie Angst, dass er es nicht schafft“, sagt Friedrich Meppen und schaut aus dem Fenster. Mit dem „es“ meint er den Familienbetrieb in Ostfriesland mit 85 Kühen. Vor zwei Jahren hat er den Betrieb an seinen Sohn Fraederk weitergegeben. Einfach war das nicht, das gibt er offen zu. „Wir sind beide impulsiv. Da flogen schon mal die Telefonbücher durch die Küche“, erklärt er und beginnt leise zu lachen. Dann wird er wieder ernst. „Bei den meisten Schwierigkeiten sind die Väter schuld. Viele ältere Landwirte haben Angst, dass die Söhne das nicht schaffen und geben deswegen nichts ab.“ Friedrich Meppen weiß, wovon er redet. Er war selbst gerade 18 Jahre alt, als er den Hof von seinem Vater übernahm. Als er dann heiraten wollte, war die ursprüngliche Abmachung des Baus eines Altenteils plötzlich nicht mehr aktuell. Stattdessen planten seine Eltern einen „Umbau“ im Haus. Für Friedrich und seine Frau kam das Zusammenleben mit den Eltern unter einem Dach jedoch nicht infrage. Kurzerhand zogen die beiden in eine Wohnung im Dorf – 800 Meter von der Hofstelle entfernt. Dort arbeitete er weiter. Als es seinem Vater überdrüssig wurde, abends immer selber in den Stall zu gehen, um nach den Kühen zu schauen, wurde der Altenteil schließlich gebaut. Friedrich und seine Frau zogen auf den Betrieb zurück, übernahmen ihn kurz darauf. Die eigenen Erfahrungen haben ihn geprägt. Er schwor sich, es einmal besser zu machen. Als sein Sohn Fraederk anfing, auf dem Hof mehr Verantwortung zu übernehmen, begannen Friedrich und seine Frau deswegen, im Nachbarort ein Haus zu bauen. Zwei Jahre wohnten sie während des Hausbaus noch zusammen unter einem Dach: die Eltern, der Sohn und die Schiegertochter. Eine nervenaufreibende Zeit, in der der Familienfrieden oft auf dem Spiel stand. Dass sie nach der Hofübergabe nicht mehr zusammenwohnen würden, hatten Fraederk und seine Eltern von Anfang an abgesprochen. Immer wieder ha

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Führungswechsel auf dem Familienbetrieb: Friedrich und Fraederk Meppen haben die Hofübergabe hinter sich. Beide sind mit ihren neuen Aufgaben zufrieden. Doch der Weg dahin war steinig. Ich hatte nie Angst, dass er es nicht schafft“, sagt Friedrich Meppen und schaut aus dem Fenster. Mit dem „es“ meint er den Familienbetrieb in Ostfriesland mit 85 Kühen. Vor zwei Jahren hat er den Betrieb an seinen Sohn Fraederk weitergegeben. Einfach war das nicht, das gibt er offen zu. „Wir sind beide impulsiv. Da flogen schon mal die Telefonbücher durch die Küche“, erklärt er und beginnt leise zu lachen. Dann wird er wieder ernst. „Bei den meisten Schwierigkeiten sind die Väter schuld. Viele ältere Landwirte haben Angst, dass die Söhne das nicht schaffen und geben deswegen nichts ab.“ Friedrich Meppen weiß, wovon er redet. Er war selbst gerade 18 Jahre alt, als er den Hof von seinem Vater übernahm. Als er dann heiraten wollte, war die ursprüngliche Abmachung des Baus eines Altenteils plötzlich nicht mehr aktuell. Stattdessen planten seine Eltern einen „Umbau“ im Haus. Für Friedrich und seine Frau kam das Zusammenleben mit den Eltern unter einem Dach jedoch nicht infrage. Kurzerhand zogen die beiden in eine Wohnung im Dorf – 800 Meter von der Hofstelle entfernt. Dort arbeitete er weiter. Als es seinem Vater überdrüssig wurde, abends immer selber in den Stall zu gehen, um nach den Kühen zu schauen, wurde der Altenteil schließlich gebaut. Friedrich und seine Frau zogen auf den Betrieb zurück, übernahmen ihn kurz darauf. Die eigenen Erfahrungen haben ihn geprägt. Er schwor sich, es einmal besser zu machen. Als sein Sohn Fraederk anfing, auf dem Hof mehr Verantwortung zu übernehmen, begannen Friedrich und seine Frau deswegen, im Nachbarort ein Haus zu bauen. Zwei Jahre wohnten sie während des Hausbaus noch zusammen unter einem Dach: die Eltern, der Sohn und die Schiegertochter. Eine nervenaufreibende Zeit, in der der Familienfrieden oft auf dem Spiel stand. Dass sie nach der Hofübergabe nicht mehr zusammenwohnen würden, hatten Fraederk und seine Eltern von Anfang an abgesprochen. Immer wieder haben sie offen miteinander darüber gesprochen. „Wenn man sich besuchen möchte, sollte man mindestens einen Mantel und einen Hut brauchen“, erinnert sich Fraederk an den Leitgedanken der vielen Gespräche, die sie vor und während der Übergabe führten. Heute ist er dankbar dafür, dass seine Eltern ausgezogen sind. „Man reift ganz anders, wenn man nicht mit seinen Eltern unter einem Dach wohnt. Denn Eltern nehmen Kindern doch immer wieder gewisse Sachen ab“, erklärt er die Vorteile der räumlichen Entfernung. Bereits vor der Hofübergabe schickte Friedrich seinen Sohn zum Steuerberater, um die Betriebszahlen durchzugehen. Friedrich war es wichtig, dass der Sohn genau wusste, wie der Hof finanziell dasteht und worauf er sich einlässt. „Ich wollte auch, dass Fraederk erst eine Ausbildung macht“, erklärt er. Erleichtert war Friedrich zudem, dass sein Sohn eine Partnerin hat und sich Zeit zum Reisen genommen hat. Er weiß, dass sich sein Sohn nun ganz auf den Hof konzentrieren kann. Volle Kraft voraus Mit fortlaufender Ausbildung nahmen auch die Veränderungen zu. Je weiter Fraederk im Studium voranschritt, umso mehr Vorschläge brachte er mit: „Papa, wir müssen das jetzt ausprobieren!“ Zusammen mit dem Futterberater veränderte er die Ration. „Ab und zu habe ich nachgefragt, ob da wirklich so viel Stroh oder Wasser in die Ration soll. Das kannte ich gar nicht“, erinnert sich Friedrich. Fraederk ging bei der Entwicklung des Betriebs strategisch vor. „Das Ziel war immer, die Strukturen auf dem Betrieb zu verbessern. Einerseits um meinen Vater zu entlasten, wenn ich zum Studieren weg war. Andererseits wollte ich den Betrieb optimieren, sodass ich nach der Übergabe sofort durchstarten kann“, erklärt Fraederk. Er investierte in einen Futtermischwagen, neue Liegeboxen und machte sich ein Bild über den genetischen Zustand der Kühe. Die Spannungen nahmen zu, je näher die Hofübergabe rückte. Bei vielen Entscheidungen setzte Fraederk sich durch. Als die Eltern einmal in den Urlaub fuhren, trommelte er Freunde zusammen. Innerhalb von zwei Tagen entkernten sie den Heuboden und rissen die Unterdecke aus dem Kuhstall heraus. „Mein Vater hat nicht schlecht gestaunt als er wieder nach Hause kam. Zuerst war er nicht überzeugt, jetzt sagt er: ‘Gott sei Dank haben wir das gemacht‘.“ Die Konflikte traten immer wieder auf. Der Sohn wolle alles „wegschmeißen“, der Vater nie etwas verändern. Die beiden haben viel geredet, immer wieder offen und offensiv. Seine Mutter sei während dieser Zeit eine Schlüsselfigur gewesen, erklärt Fraederk. „Sie hat sich nie auf eine Seite gestellt, sondern hat immer Verständnis gezeigt. Dadurch hat sich bei Konflikten nie einer in die Ecke gedrängt gefühlt.“ Dass er so früh Verantwortung übernehmen durfte, ist auch ein Grund dafür, dass die beiden wieder ein gutes Verhältnis haben und mit sich im Reinen sind. Davon ist Fraederk überzeugt: „Ins kalte Wasser geworfen zu werden, hat dazu geführt, dass ich mich schnell entwickeln konnte und für meine Entscheidung selber geradestehen musste“, erklärt er. Friedrich Meppen produzierte die Milch zu sehr geringen Kosten - im Sommer mit Weidehaltung und ohne Zufütterung und während der Wintermonate mit wenig Kraftfutter. Zudem führte er die meisten Reparaturen auf dem Betrieb mit geringen Materialkosten selber durch. Fraederk hingegen begann schon während der Hofübernahme an vielen Stellen zu optimieren und intensiver zu produzieren. Er passte die Fütterung an und achtete mehr auf die Qualität des ersten Schnitts. Dann wechselte er vom Deckbullen zur künstlichen Besamung, startete mit dem Projekt KuhVision und investierte in ein Herdenmanagementprogramm mit Brunsterkennung. Innerhalb eines Jahres steigerte er die Milchleistung von knapp 8.700 kg auf 10.400 kg pro Kuh. Neue Herausforderungen suchen Senior Friedrich fand indes eine neue Herausforderung beim Bau des Altenteilerhauses. Das half ihm, nicht in ein Loch zu fallen. Das Schwierigste an der Hofübergabe war für ihn, dass sein ganzes Wissen auf einmal nichts mehr wert schien. „Wenn der Tierarzt auf den Hof kommt, bist du nicht mehr Ansprechpartner, das ist schwer. Aber dieses Loslassen ist wichtig“, erklärt er. Er hat sich vorgenommen, in seiner neuen Freizeit das Ferienhaus zu renovieren, das er und seine Frau besitzen. „Fraederk ist jetzt der Betriebsleiter. Wenn es mal eng wird, ruft er an.“ Dann lässt Friedrich alles stehen und liegen und steht ihm zur Seite. „Fraederk hat viele Pläne und Ideen. Ich unterstütze ihn dabei, wo ich kann“, sagt er mit Stolz in der Stimme. Zweifel an den Fähigkeiten seines Sohns hat er nicht. Denn Fraederks Zahlen sprechen für ihn. „Die Ausbildung, die Fraederk genossen hat, ist wirklich toll. Dadurch kann ich sagen: ‚Jawohl, der Junge hat wohl recht‘“, sagt Friedrich Meppen, lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Er lächelt. „Auch, wenn ich zum Schluss immernoch das letzte Wort habe.“S. Oehler