Ballast abwerfen

Reserven finden, Betriebsabläufe optimieren: Mit Hilfe des Lean-Managements können Milchkuhhalter Arbeitsabläufe verschlanken, aber auch Futterzukauf oder -lagerung verbessern.
Wir haben das immer schon so gemacht! Dieser Satz kann jede Veränderung in einem Unternehmen und damit auch auf einem Milchkuhbetrieb im Keim ersticken. Wer aber nicht offen für Veränderungen ist, kann Ressourcen schnell übersehen und wertvolles Geld liegen lassen. Doch wie lässt sich der Teufelskreis durchbrechen?
Den Input verringern und dabei den Output erhöhen. Diese Strategie machte den Autohersteller Toyota zu einem der erfolgreichsten Unternehmen in seiner Branche, denn sie führte zu sehr geringen Produktionskosten und somit zu max. Gewinnmargen. Das Erfolgsrezept dahinter: Lean-Management (verschlanktes Management). Dieses Managementsystem hat das Ziel, alle Aktivitäten, die für die Wertschöpfungskette eines Unternehmens notwendig sind, optimal aufeinander abzustimmen und überflüssige Schritte und Zeitfresser auszuschalten.
Auch in der Landwirtschaft kann dieses erfolgreiche Konzept angewendet werden. Die dänische Beraterin Susanne Pejstrup (Lean Farming) beispielsweise unterstützt Milchkuhbetriebe bei der Neuordnung ihrer Arbeitsorganisation und wendet dazu das Lean-System an. Wie das genau vonstatten geht, zeigen wir hier anhand des Arbeitsprozesses Melken.

Zeitfresser finden

Das Lean-System kennt verschiedene Methoden, um Prozesse zu durchleuchten. Für die Beurteilung des Melkprozesses bietet sich beispielsweise die sogenannte Wertstrom-Analyse an (ein Flussdiagramm, das Prozessschritte und Verbesserungsmöglichkeiten darstellt). Beim Melken wird hierzu das Rantreiben der Kühe, die Boxenpflege, Anrüsten der Euter, Unterhängen der Melkzeuge, aber auch das anschließende Säubern des Melkstands, bewertet. Eine Analyse läuft wie folgt ab:
  • Spaghetti-Diagramm: Um die Laufwege der Melker nachvollziehen zu können, kann ein sogenanntes Spaghetti-Diagramm erstellt werden (siehe Foto Seite 24), bei dem man auf einem Lageplan des Stalls bzw. des Melkstands die Wege einzeichnet. Hier wird oft auf den ersten Blick deutlich: Je verworrener die Linien, also die Arbeitswege, aufgemalt wurden, desto unproduktiver ist der Arbeitsprozess organisiert/ausgeführt.
  • Zeitbudget einzelner Arbeitsschritte: Neben dem Spaghetti-Diagramm werden alle Arbeitsschritte wie Rein- und Umtreiben, Anrüsten, Melkzeug unterhängen, notiert und die jeweils benötigte Zeit gestoppt. Zu den auffälligen Zeitfressern werden zusätzliche Notizen gemacht. Zeitfresser beim Melken, die oft erst bei genauem Hinsehen gefunden werden, können dann sein: Wartezeiten bei zu vielen Melkern, unnötige Wege beim Treiben, im Melkstand schlecht platzierte Eutertücher und Dippbecher etc.
  • Beobachtungen festhalten: Unnötige Arbeiten, komplizierte Arbeitsschritte sollten mit Fotos oder Videos dokumentiert werden. So gibt es bei der Auswertung eine gemeinsame Diskussionsgrundlage.
  • Arbeitsabläufe visualisieren: Anschließend werden die Informationen mit allen Beteiligten ausgewertet. Dazu werden die einzelnen Arbeitsschritte an einer Posterwand mit gelben Post-its dargestellt (siehe Foto Seite 24) und der jeweilige Zeitaufwand an den Arbeitsschritten vermerkt. Mit grünen (Verschwendung) und roten (Verbesserungsvorschläge) Klebezetteln werden die Arbeitsschritte überarbeitet und verbessert. Am Ende werden dann konkrete Ziele und veränderte Arbeitsschritte schriftlich fixiert.

  • Spaghetti-Diagramm: Um die Laufwege der Melker nachvollziehen zu können, kann ein sogenanntes Spaghetti-Diagramm erstellt werden (siehe Foto Seite 24), bei dem man auf einem Lageplan des Stalls bzw. des Melkstands die Wege einzeichnet. Hier wird oft auf den ersten Blick deutlich: Je verworrener die Linien, also die Arbeitswege, aufgemalt wurden, desto unproduktiver ist der Arbeitsprozess organisiert/ausgeführt.
  • Zeitbudget einzelner Arbeitsschritte: Neben dem Spaghetti-Diagramm werden alle Arbeitsschritte wie Rein- und Umtreiben, Anrüsten, Melkzeug unterhängen, notiert und die jeweils benötigte Zeit gestoppt. Zu den auffälligen Zeitfressern werden zusätzliche Notizen gemacht. Zeitfresser beim Melken, die oft erst bei genauem Hinsehen gefunden werden, können dann sein: Wartezeiten bei zu vielen Melkern, unnötige Wege beim Treiben, im Melkstand schlecht platzierte Eutertücher und Dippbecher etc.
  • Beobachtungen festhalten: Unnötige Arbeiten, komplizierte Arbeitsschritte sollten mit Fotos oder Videos dokumentiert werden. So gibt es bei der Auswertung eine gemeinsame Diskussionsgrundlage.
  • Arbeitsabläufe visualisieren: Anschließend werden die Informationen mit allen Beteiligten ausgewertet. Dazu werden die einzelnen Arbeitsschritte an einer Posterwand mit gelben Post-its dargestellt (siehe Foto Seite 24) und der jeweilige Zeitaufwand an den Arbeitsschritten vermerkt. Mit grünen (Verschwendung) und roten (Verbesserungsvorschläge) Klebezetteln werden die Arbeitsschritte überarbeitet und verbessert. Am Ende werden dann konkrete Ziele und veränderte Arbeitsschritte schriftlich fixiert.

Das Vorgehen bzw. die Auswertung der Prozesse sollte dabei von dem Betriebsleiter moderiert werden. Beim ersten Mal bietet es sich auch an, Unterstützung durch einen externen Berater einzuholen. Mit der Wert-Strom-Analyse lässt sich aber nicht nur der Melkprozess bewerten. Alle Arbeiten, die auf einem Milchkuhbetrieb anfallen, können so Schritt für Schritt beurteilt werden. Bei der Anwendung des Lean-Managements sollte immer ein abgegrenzter Prozess begutachtet werden. Ansonsten verzettelt man sich leicht. Von Vorteil ist es, wenn am Anfang des Prozesses ein konkrete Frage steht.
Wichtig: Wendet man das Lean-Management an, sollten Familienarbeitskräfte und Mitarbeiter in die Prozessoptimierung eingebunden sein. Nicht nur, dass so mehr als ein Paar Augen offen sind für Reserven und Verbesserungen, auch die Motivation und Identifikation mit der eigenen Arbeit steigen.

Überproduktion aufdecken

Neben einer neugeordneten Arbeitsorganisation können mit dem Lean-Management aber auch andere Produktionsressourcen aufgedeckt werden. Dazu kann z.B. gehören ungenutzte Talente von Mitarbeitern zu erkennen und diese gewinnbringend einzusetzen. Aber auch eine Überproduktion (z.B. Anzahl an Kuhkälbern, die man tatsächlich für die Reproduktion benötigt) oder zu viel Inventar (unnötiger Maschinenpark) kann gefunden und auf das richtige Maß reduziert werden.
B. Ostermann-Palz


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