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Holsteinzucht

Gehen Holstein-Legenden in der Flut junger Bullen unter?

In der Holsteinzucht werden seit gut drei Jahren verstärkt genomische Bullen eingesetzt. Liegt der Fokus damit endgültig auf jungen, genomischen Bullen und werden damit Holstein-Legenden als Phänomen verschwinden? Zuchttechnik-Manager Ryan Starkenburg und Züchter Enrico Dadati erklären, warum es auch in Zukunft Ikonen in der Holsteinzucht geben wird, wenn auch über andere Wege.

Holstein-Legenden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Rasse. Bullen wie Ivanhoe, Chief, Elevation, Blackstar oder Starbuck haben großen Einfluss auf die Entwicklung der Rasse genommen und werden deshalb oft als Holstein-Helden bezeichnet. Beispiele für „Helden“ neuerer Zeit sind Shottle, O-Man, Goldwyn, Jocko, Durham, Mtoto, Bell Elton und Rudolph. Zuchtorganisationen, Züchter und zahlreiche Milchviehhalter haben viel Zeit und Energie aufgewendet, die wertvollen Merkmale dieser Bullen in die Population zu integrieren. Seit 2009 werden in vielen Ländern DNA-Zuchtwerte veröffentlicht. Innerhalb kurzer Zeit haben diese genomisch getesteten Bullen enorm an Einfluss gewonnen. In den USA werden beispielsweise 48 % aller Erstbesamungen mit genomischen Bullen durchgeführt. Der Anteil DNA-getesteter Bullenväter ist in einigen Zuchtprogrammen sogar noch größer. Genomische Bullen ermöglichen mehr Streuung beim Bulleneinsatz, das bestätigen diverse Zuchttechniker. Somit hat sich der Fokus von einflussreichen töchtergeprüften Bullen hin zu einer Flut von jungen genomischen Vererbern verschoben.

Viele halten nicht was sie versprechen

Mit jeder Zuchtwertschätzung kommen neue genomische Bullen hervor, die sich durch sehr hohe Zuchtwerte auszeichnen. Sehr viele dieser Bullen fallen jedoch mit der Zeit durch, weil sie in einem oder mehreren Merkmalen bzw. im Gesamtzuchtwert die Erwartungen nicht erfüllen können. Aus diesem Grund stehen Bullen, die hohe genomische Zuchtwerte in allen Merkmalen aufweisen können, anschließend unter strenger Beobachtung. Die tatsächlichen Stärken und Schwächen der DNA-getesteten Bullen können erst nach einiger Zeit festgestellt werden. Bei einigen werden erste Veränderungen schnell sichtbar, bei anderen zeigen sie sich erst, wenn die Töchter in die Milch kommen.

Holstein-Helden“ früher erkennen

Ryan Starkenburg kann in den Pedigrees der genomischen Top-Bullen Einflüsse neuer Holstein-Helden erkennen. Bullen wie Shottle, O-Man, Goldwyn und Planet spielen eine auffällige Rolle in den Pedigrees hoher genomisch getesteter Bullen. Holstein-Legenden wird es auch weiterhin geben, sie können aber bereits eine Generation früher erkannt werden. Die früh erhältlichen getesteten Söhne spielen dabei eine große Rolle.

Während man sich früher auf die Suche nach den besten Töchtern gemacht hat, konzentrieren sich die Zuchttechniker heute auf die Enkelinnen. So haben Bullen, die auf der Basis von Töchterleistungen sehr gute Zuchtwerte notieren konnten, heute oft viele Töchter, die schon als Färsen gespült wurden. Die Zucht hat seit der Einführung der genomischen Selektion zwei Gänge höher geschaltet. In Milchviehherden werden zukünftig weniger Töchter und mehr Enkelinnen von Top-Bullen stehen. So könnte beispielsweise Snowman, von dem es nur wenig Sperma gab, über seine hohen getesteten Töchter und Söhne zu einer neuen Ikone werden.

Selektion wird intensiver

Für Züchter Enrico Dadati bedeutet die Verfügbarkeit genomischer Bullen nicht das Ende des Phänomens Holstein-Legenden. Ändern wird sich jedoch die Zeit, um solche Top-Bullen zu erkennen, da sie heute wesentlich früher viele Töchter aufweisen können. Eine zweite Veränderung liegt laut Dadati in der stärkeren Konkurrenz. Mit der genomischen Selektion werden viel mehr Bullen getestet, gleichzeitig muss die Selektion sehr viel intensiver sein, um Top-Bullen herauszufiltern. Damit Holstein-Helden herausgefiltert werden können, braucht es aber nach wie vor mehrere Tausend Töchter, die in Milch sind.

 

Quelle: Ryan Starkenburg, Enrico Dadati (Holstein International)