Grassilage

Frischgrasproben ziehen: Was bringt das?

Für das Feintuning ihrer Grassilagen ziehen Profis immer öfter Proben von Frischgras. Wir haben nachgefragt, was man damit noch rausholen kann.

In diesen Tagen geht es wieder los: Die ersten Betriebe und Berater ziehen Frischgrasproben und lassen sie im Labor untersuchen, um den idealen Erntezeitpunkt festlegen zu können. „Für mich sind die Ergebnisse ein wichtiger Anhaltspunkt für den Erntetermin. Denn der 1. Schnitt ist entscheidend, wir füttern ihn acht Monate lang“, erklärt Milchkuhhalter Christoph Braun aus Gailenkirchen, Landkreis Schwäbisch-Hall.
Bisher hat er an seinem Standort oft zehn Tage nach dem Durchschieben des Fuchsschwanzes geschnitten. Damit war er in seiner Region oft einer der ersten. „Diese Regel war prinzipiell schon passend. Doch mit der Frischgrasprobe sehe ich noch genauer, wie schnell sich der Bestand weiterentwickelt. Mit dem Auge geht das nicht so präzise. So zeigte die Analyse im letzten Jahr etwa, dass die Gräser deutlich weiter waren als ich dachte.“ Mit der Qualität war er 2022 zufrieden, mit der Erntemenge dagegen weniger.

Was ist der Mehrwert von Frischgrasproben?

„Die Betriebe erhalten mit den Ergebnissen aus der Frischgrasprobe einen handfesten Wert über die Entwicklung ihres Pflanzenbestandes und eine bessere Entscheidungsgrundlage für den 1. Schnitttermin. Für die Optimierung der Grundfutterqualität ist das meiner Ansicht nach eine wichtige Reserve“, sagt Marvin Baier, Brauns Berater vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Rindvieh Ilshofen e.V.. Er und sein Team schicken seit letztem Jahr für einen Teil ihrer Betriebe von repräsentativen Standorten in der Region – also früh, mittelfrüh und spät – gemeinsam Frischgrasproben ein und versenden die Ergebnisse dann im Rundschreiben an alle.
„Betriebe, die bisher vor allem auf Masse geschaut haben, werden durch die Frischgras-Ergebnisse sensibler für die Rohfaserqualität der Silage“, fügt Beraterin Alexandra Mädicke von der Milchviehberatung Schwäbisch Alb-Donau e.V. hinzu. Schon allein, den Bestand beim Durchlaufen zu sehen und nicht nur vom Schlepper aus zu bewerten, bringe die Betriebe weiter.
Beim Beratungsdienst für Milchvieh Biberach-Sigmaringen-Bodensee e.V., der vor vier Jahren mit der gemeinsamen Probenahme angefangen hatte, schneiden heute viele Betriebe deutlich früher als in der Vergangenheit: „Die Analysen haben den Betrieben ein genaueres Zeitfenster für die Ernte gezeigt“, berichtet Milchviehspezialberater Florian Schneider-Wild.
Viele unserer Betriebe schneiden durch die Frischgrasproben früher als in der Vergangenheit.
Florian Schneider-Wild, Beratungsdienst für Milchvieh Biberach-Sigmaringen-Bodensee e.V.
Und letztlich seien die Probenergebnisse bei schwachen Ergebnissen auch zur Ursachenforschung nützlich: „Wenn ein Betrieb z.B. generell mit den Inhaltsstoffen seines 2. Schnittes nicht zufrieden ist, sollte er Proben einschicken“, empfiehlt Marvin Baier. Die Ergebnisse könnten außerdem ein Hinweis darauf sein, dass die Bestandszusammensetzung nicht optimal passt.

Gemeinsam Proben ziehen

„Wir starten dieses Schnittzeitmonitoring ungefähr drei bis vier Wochen vor dem üblichen Zeitraum des 1. Schnittes in der Region“, sagt Baier. Er zieht die Proben für das Schnittzeitmonitoring immer im gleichen Bereich im Bestand, da hier Bodenqualität, Pflanzenbestand, Witterungseinflüsse, etc. nahezu identisch sind. „Dadurch können wir die Entwicklung der Bestände bei der Beprobung über mehrere Wochen besser nachvollziehen.“ Eine Markierung der Stelle ist unverzichtbar.
Geschnitten werden sollte das Gras mit der Schere dabei genauso tief wie bei der Mahd, also z.B. auf 7 oder 8 cm Höhe. Das Erntegut – mind. 500 g – sollte dann in eine Tüte gepackt und noch am gleichen Tag direkt ins Labor geschickt werden. Zum Teil stellen die Labors auch Tüten mit Adressaufkleber und Probenbegleitschein zur Verfügung. Die Beratungsdienste im Südwesten schicken ihre Proben bevorzugt ins LKS-Labor nach Lichtenwalde. Schon nach drei bis vier Tagen läge das Ergebnis vor, das den optimalen Schnitttermin bei 22 % Rohfaser in der TM in Tagen ausweise.

Suchen Sie sich für die Frischgrasprobe eine möglichst repräsentative Stelle in Ihren Beständen aus und markieren Sie sie für die wöchentlichen Folgeproben. (Bildquelle: elite)

Wer als Einzelbetrieb Frischgrasproben ziehen möchte, kann auch von zwei bis drei Standorten eine Mischprobe nehmen. Wichtig ist dabei allerdings, dass es sich bei allen um intensive Silagewiesen handelt und nicht etwa auch extensive Standorte dabei sind. Auch von Ackergras und Dauergrünland-Standorten sollte man getrennt Proben nehmen. „Gehen Sie für eine Mischprobe quer über die Fläche und schneiden Sie alle 10 bis 15 m ein Büschel ab“, rät Baier. Die Kosten für die Proben sind ähnlich hoch wie für normale Futteruntersuchungen – ca. zwischen 20 und 30 € - und werden bei der gemeinsamen Probenahme durch die Beratungsdienste auf die interessierten Betriebe umgelegt.
Frischgrasproben könnten in Zukunft noch wichtiger werden, wenn wir durch Hitze schneller abreifende Bestände bekommen.
Milcherzeuger Christoph Braun
Sinnvoll ist auch, von Frischgrasproben eine Vollanalyse durchführen zu lassen. „Energie, Trockenmasse, Zucker, Protein und Rohfaser sind zentrale Parameter, die man untersuchen lassen sollte“, so Schneider-Wild. Manche Berater empfehlen auch, zusätzlich ADF und NDF mituntersuchen zu lassen.
Für die Präzisierung der Folgeschnitte hat Milchkuhhalter Christoph Braun auch vor dem 2. Schnitt selbst Proben eingeschickt. Damit sollte man laut Beratung auf den meisten Standorten abhängig vom Wetter ca. drei Wochen nach dem ersten Schnitt beginnen und dann ebenfalls wöchentlich wiederholen.

Werden Frischgrasproben künftig wichtiger?

Die Praktiker, die das zusätzliche Instrument der Frischgras-Beprobung zur Optimierung ihrer Silagen schon nutzen, wollen nicht mehr darauf verzichten. Christoph Braun: „Wenn wir in Zukunft mehr Hitzewellen bekommen, die zu einer schnelleren Abreife der Grasbestände führen, dann könnten die Proben künftig noch wichtiger werden.“

Seit Jahren weist der 1. Schnitt von Milcherzeuger Alfons Göbel mindestens 6,5 MJ NEL auf. Sein Erfolgsrezept: Bestände kontrollieren und konsequent nachsäen.

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