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Elite 6/2018

Umdenken im Futterbau Digital Plus

Hier finden Sie noch weitere, detaillierte Ausführungen zu den möglichen Konsequenzen des Klimawandels für den Futterbau sowie zu den klimaangepasste(ere)n alternativen Pflanzen im Ackerfutterbau und Dauergrünland.

Hier finden Sie die ausführlichen Antworten von Herrn Prof. Dr. Isselstein und Dr. Ralf Loges zu den Fragestellungen für den Beitrag "Umdenken im Futterbau" in der Elite 6/2018. Begrenzt im Umfang, konnten wir nicht alle der sehr interessanten Aussagen der Grünland- und Ackerfutterbau-Experten im gedruckten Heft unterbringen. Denn Beitrag "Umdenken im Futterbau" finden Sie als Elite-Abonnent im eMagazin unter diesem Link. Prof. Dr. Johannes Isselstein, Grünland-Wissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttingen, im Interview, ungekürzt: Elite: Herr Isselstein, welchen Einfluss hat die Klimaveränderung auf das Grünland? Isselstein: Die derzeitig am meisten akzeptierten Prognosen für das zukünftige Klima in Mitteleuropa sagen voraus, dass es im Sommerhalbjahr weniger und im Winterhalb mehr Niederschlag wird als bisher. Die Jahresniederschlagsmenge wird sich demgegenüber nur wenig verändern. Dies wird für den Futterbau und insbesondere die Grünlandwirtschaft deutliche Konsequenzen haben. Höchste Ertragsleistungen werden grundsätzlich schwer zu erzielen sein. Im Sommerhalbjahr, wenn das Wasser für das Pflanzenwachstum benötigt wird, wird es eher im Mangel sein. Und im Winterhalbjahr, wenn es nur für den Erhalt benötigt wird, wird es eher zuviel da sein. Darunter wird möglicherweise wird die Ausdauerfähigkeit der Grasnarben leiden und die Erwärmung der Böden im Frühjahr wird langsamer erfolgen. Es wird aber starke Unterschiede zwischen den Standorten geben. Generell wird die Standort- bzw. Bodenabhängigkeit der Produktion zunehmen. Auf Grundwasser-beeinflussten Böden bzw. solchen mit einer hohen Wasserhaltefähigkeit und guten Durchwurzelbarkeit – also Moorböden bzw. tiefgründigen Lössböden – wird die Produktivität weniger leiden als auf Grundwasser–fernen Sandböden und flachgründigen Verwitterungsböden. Extreme Trockenheiten, wie etwa im Sommerhalbjahr 2018, verbunden mit hohen Temperaturen werden aber auch auf den günstigeren Standorten zu Ertragseinbußen führen. Die im Grünland angesäten bzw. vorkommenden Pflanzenarten reagieren unterschiedlich auf Wassermangel und hohe Temperaturen im Sommer und Wasserüberschuss im Winter. Es ist zu erwarten, dass sich hohe Weidelgrasanteile in den Grasnarben zukünftig schwieriger erhalten lassen. Ähnliches wird für den Weißklee zutreffen. Trockenheits-tolerantere Gras- und Kräuterarten werden zunehmen. Das werden vielfach Arten sein, die futterbaulich gesehen weniger wertvoll sind. Elite: Wie kann bzw. sollte man die Bestandszusammensetzung im Grünland verändern, um das Risiko von Ertragsausfällen zu verringern? Sollte man, um sich breiter aufzustellen, auch „neuartige“ Futterpflanzen wie z.B. Zichorie oder Spitzwegerich in die Fruchtfolge aufnehmen? Isselstein: Sich breiter bei den angebauten Pflanzen aufzustellen, das erscheint bei augenblicklichem Kenntnisstand unbedingt sinnvoll. Wie oben beschrieben, werden Deutsches Weidelgras und Weißklee an Bedeutung verlieren – wenn man nicht den Aufwand für deren Erhaltung in den Grasnarben deutlich erhöhen will, durch Nachsaaten, Neuansaaten aber auch durch geändertes Management, wie etwa die Einführung konsequenter Weidewirtschaft. Neuartige bzw. voraussichtlich wichtiger werdende Futterpflanzenarten kommen aus allen Artengruppen, die im Grünland wichtig sind, also den Gräsern, den Kräutern und den Leguminosen. Auf tiefgründigen und auch auf Standorten mit Grundwasser unterhalb von 1 bis 1,5 m werden tiefwurzelnde Arten gewinnen. Jüngste Forschungsergebnisse auch aus Mitteleuropa zeigen, dass manche futterbaulich durchaus attraktive Kräuter in dieser Hinsicht Vorteile haben. Hierzu zählen etwa die Futterzichorie, der Spitzwegerich, aber etwa auch der Löwenzahn. Bei den Gräsern sind es etwa das Knaulgras oder der Rohrschwingel. Auch bei den Leguminosen gibt es solche Alternativen wie bspw. der Hornklee, der Gelbklee oder ausdauerndere Formen des Rotklees. Auf flachgründigen Boden oder Sandstandorten gibt es weniger gute Anpassungsmöglichkeiten, neben der Fähigkeit zu tieferer Bodendurchdringung wäre hier auch die spezifische Trockentoleranz von Arten wichtig. Insgesamt muss im Hinblick auf die genannten alternativen Arten aber gesagt werden, dass dringend Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Angriff genommen werden muss. So sind die züchterischen Möglichkeiten bei diesen Arten bisher nur ansatzweise ergründet! Elite: Macht die Klimaveränderung ein Umdenken in puncto Ansaatzeitpunkt und Nachsaatzeitpunkt von Grünland erforderlich? Isselstein: Bisher wird empfohlen, Neuansaaten und Nachsaaten nach der ersten oder der zweiten Nutzung des Grünlandes vorzunehmen. Dann hat man in dem entsprechenden Jahr noch einen gewissen Ertrag und verliert insgesamt weniger produktive Zeit. Bei Nachsaaten ist die Sommersaat sinnvoll, da die auflaufenden Keimlinge weniger der starken Konkurrenz der Altnarbe im Frühjahr ausgesetzt sind. Eine generelle Änderung dieser grundsätzlichen Verfahrensregel ist derzeit nicht in Sicht. Da das Ende der Vegetationsperiode zukünftig später einsetzen wird, könnte es sinnvoll erscheinen, mit Nach- und Neuansaaten noch weiter in den Spätsommer bzw. Frühherbst zu gehen. Elite: Macht die Klimaveränderung auch ein Umdenken in puncto Düngung im Grünland erforderlich? Isselstein: Die Düngung muss auch unter Klimawandelbedingungen vorrangig am Nährstoffbedarf und dem Ziel minimierter Nährstoffverluste ausgerichtet sein. Bei zu erwartender geringerer Produktivität wird die Düngung entsprechend zurückgefahren werden müssen. Gegebenenfalls kann das auch bedeuten, dass der Tierbesatz je ha Grünland reduziert werden muss. Interessant könnte in diesem Zusammenhang sein, dass Leguminosen-Stickstoff zukünftig eine größere Rolle spielen wird als heute. Tiefwurzelnde Leguminosen werden bei Wasserknappheit eine höhere Produktivität erzielen können als manche produktiven, aber wenig Trockenheits-toleranten Gräser. Zugleich sind Leguminosen besser an höhere Temperaturen angepasst und können unter diesen Bedingungen längere hohe Wachstumsraten erzielen. Unterdiesen Bedingungen ließe sich also der Düngeaufwand reduzieren. Elite: Welche Aussichten sehen Sie für Pflege- und Pflanzenschutzmaßnahmen im Grünland, konventionelle und ökologische Methoden? Isselstein: Hier sehe ich keine gravierenden Änderungen gegenüber heute. Elite: Welche technischen Maßnahmen werden auf welchen Standorten notwendiger? Isselstein: Es wird immer wieder diskutiert, ob Beregnung im Grünland sinnvoll ist. Das ist – und wird so bleiben – eine Frage der Zugänglichkeit von Beregnungswasser und der Kosten pro erzeugter Milch. Grundsätzlich kann man mit Beregnung die Erträge in vielen Fällen deutlich erhöhen – das ist schon jetzt so. Möglicherweise verändern sich die Kosten-Nutzen Relationen in Zukunft. Höhere Temperaturen könnten – genügend Wasser vorausgesetzt – die Grünlanderträge deutlich erhöhen. Je Einhei

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Hier finden Sie die ausführlichen Antworten von Herrn Prof. Dr. Isselstein und Dr. Ralf Loges zu den Fragestellungen für den Beitrag "Umdenken im Futterbau" in der Elite 6/2018. Begrenzt im Umfang, konnten wir nicht alle der sehr interessanten Aussagen der Grünland- und Ackerfutterbau-Experten im gedruckten Heft unterbringen. Denn Beitrag "Umdenken im Futterbau" finden Sie als Elite-Abonnent im eMagazin unter diesem Link. Prof. Dr. Johannes Isselstein, Grünland-Wissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttingen, im Interview, ungekürzt: Elite: Herr Isselstein, welchen Einfluss hat die Klimaveränderung auf das Grünland? Isselstein: Die derzeitig am meisten akzeptierten Prognosen für das zukünftige Klima in Mitteleuropa sagen voraus, dass es im Sommerhalbjahr weniger und im Winterhalb mehr Niederschlag wird als bisher. Die Jahresniederschlagsmenge wird sich demgegenüber nur wenig verändern. Dies wird für den Futterbau und insbesondere die Grünlandwirtschaft deutliche Konsequenzen haben. Höchste Ertragsleistungen werden grundsätzlich schwer zu erzielen sein. Im Sommerhalbjahr, wenn das Wasser für das Pflanzenwachstum benötigt wird, wird es eher im Mangel sein. Und im Winterhalbjahr, wenn es nur für den Erhalt benötigt wird, wird es eher zuviel da sein. Darunter wird möglicherweise wird die Ausdauerfähigkeit der Grasnarben leiden und die Erwärmung der Böden im Frühjahr wird langsamer erfolgen. Es wird aber starke Unterschiede zwischen den Standorten geben. Generell wird die Standort- bzw. Bodenabhängigkeit der Produktion zunehmen. Auf Grundwasser-beeinflussten Böden bzw. solchen mit einer hohen Wasserhaltefähigkeit und guten Durchwurzelbarkeit – also Moorböden bzw. tiefgründigen Lössböden – wird die Produktivität weniger leiden als auf Grundwasser–fernen Sandböden und flachgründigen Verwitterungsböden. Extreme Trockenheiten, wie etwa im Sommerhalbjahr 2018, verbunden mit hohen Temperaturen werden aber auch auf den günstigeren Standorten zu Ertragseinbußen führen. Die im Grünland angesäten bzw. vorkommenden Pflanzenarten reagieren unterschiedlich auf Wassermangel und hohe Temperaturen im Sommer und Wasserüberschuss im Winter. Es ist zu erwarten, dass sich hohe Weidelgrasanteile in den Grasnarben zukünftig schwieriger erhalten lassen. Ähnliches wird für den Weißklee zutreffen. Trockenheits-tolerantere Gras- und Kräuterarten werden zunehmen. Das werden vielfach Arten sein, die futterbaulich gesehen weniger wertvoll sind. Elite: Wie kann bzw. sollte man die Bestandszusammensetzung im Grünland verändern, um das Risiko von Ertragsausfällen zu verringern? Sollte man, um sich breiter aufzustellen, auch „neuartige“ Futterpflanzen wie z.B. Zichorie oder Spitzwegerich in die Fruchtfolge aufnehmen? Isselstein: Sich breiter bei den angebauten Pflanzen aufzustellen, das erscheint bei augenblicklichem Kenntnisstand unbedingt sinnvoll. Wie oben beschrieben, werden Deutsches Weidelgras und Weißklee an Bedeutung verlieren – wenn man nicht den Aufwand für deren Erhaltung in den Grasnarben deutlich erhöhen will, durch Nachsaaten, Neuansaaten aber auch durch geändertes Management, wie etwa die Einführung konsequenter Weidewirtschaft. Neuartige bzw. voraussichtlich wichtiger werdende Futterpflanzenarten kommen aus allen Artengruppen, die im Grünland wichtig sind, also den Gräsern, den Kräutern und den Leguminosen. Auf tiefgründigen und auch auf Standorten mit Grundwasser unterhalb von 1 bis 1,5 m werden tiefwurzelnde Arten gewinnen. Jüngste Forschungsergebnisse auch aus Mitteleuropa zeigen, dass manche futterbaulich durchaus attraktive Kräuter in dieser Hinsicht Vorteile haben. Hierzu zählen etwa die Futterzichorie, der Spitzwegerich, aber etwa auch der Löwenzahn. Bei den Gräsern sind es etwa das Knaulgras oder der Rohrschwingel. Auch bei den Leguminosen gibt es solche Alternativen wie bspw. der Hornklee, der Gelbklee oder ausdauerndere Formen des Rotklees. Auf flachgründigen Boden oder Sandstandorten gibt es weniger gute Anpassungsmöglichkeiten, neben der Fähigkeit zu tieferer Bodendurchdringung wäre hier auch die spezifische Trockentoleranz von Arten wichtig. Insgesamt muss im Hinblick auf die genannten alternativen Arten aber gesagt werden, dass dringend Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Angriff genommen werden muss. So sind die züchterischen Möglichkeiten bei diesen Arten bisher nur ansatzweise ergründet! Elite: Macht die Klimaveränderung ein Umdenken in puncto Ansaatzeitpunkt und Nachsaatzeitpunkt von Grünland erforderlich? Isselstein: Bisher wird empfohlen, Neuansaaten und Nachsaaten nach der ersten oder der zweiten Nutzung des Grünlandes vorzunehmen. Dann hat man in dem entsprechenden Jahr noch einen gewissen Ertrag und verliert insgesamt weniger produktive Zeit. Bei Nachsaaten ist die Sommersaat sinnvoll, da die auflaufenden Keimlinge weniger der starken Konkurrenz der Altnarbe im Frühjahr ausgesetzt sind. Eine generelle Änderung dieser grundsätzlichen Verfahrensregel ist derzeit nicht in Sicht. Da das Ende der Vegetationsperiode zukünftig später einsetzen wird, könnte es sinnvoll erscheinen, mit Nach- und Neuansaaten noch weiter in den Spätsommer bzw. Frühherbst zu gehen. Elite: Macht die Klimaveränderung auch ein Umdenken in puncto Düngung im Grünland erforderlich? Isselstein: Die Düngung muss auch unter Klimawandelbedingungen vorrangig am Nährstoffbedarf und dem Ziel minimierter Nährstoffverluste ausgerichtet sein. Bei zu erwartender geringerer Produktivität wird die Düngung entsprechend zurückgefahren werden müssen. Gegebenenfalls kann das auch bedeuten, dass der Tierbesatz je ha Grünland reduziert werden muss. Interessant könnte in diesem Zusammenhang sein, dass Leguminosen-Stickstoff zukünftig eine größere Rolle spielen wird als heute. Tiefwurzelnde Leguminosen werden bei Wasserknappheit eine höhere Produktivität erzielen können als manche produktiven, aber wenig Trockenheits-toleranten Gräser. Zugleich sind Leguminosen besser an höhere Temperaturen angepasst und können unter diesen Bedingungen längere hohe Wachstumsraten erzielen. Unterdiesen Bedingungen ließe sich also der Düngeaufwand reduzieren. Elite: Welche Aussichten sehen Sie für Pflege- und Pflanzenschutzmaßnahmen im Grünland, konventionelle und ökologische Methoden? Isselstein: Hier sehe ich keine gravierenden Änderungen gegenüber heute. Elite: Welche technischen Maßnahmen werden auf welchen Standorten notwendiger? Isselstein: Es wird immer wieder diskutiert, ob Beregnung im Grünland sinnvoll ist. Das ist – und wird so bleiben – eine Frage der Zugänglichkeit von Beregnungswasser und der Kosten pro erzeugter Milch. Grundsätzlich kann man mit Beregnung die Erträge in vielen Fällen deutlich erhöhen – das ist schon jetzt so. Möglicherweise verändern sich die Kosten-Nutzen Relationen in Zukunft. Höhere Temperaturen könnten – genügend Wasser vorausgesetzt – die Grünlanderträge deutlich erhöhen. Je Einheit zugeführtem Wasser könnte also ein guter Ertragszuwachs resultieren. Wenn das in Milch umgesetzt werden kann, dann wird das die Attraktivität des Beregnens steigern. Wenn man, wie die Iren, mit einem spezialisierten Weidesystem bis zu 12.000 oder sogar 15.000 kg Mich je ha Grünland erzeugen kann, dann wird man eher über Beregnung nachdenken als wenn man Heu für Pferdehalter produziert. Dr. Ralf Loges, Experte für Grünland und Ackerfutterbau, mit Schwerpunkt im ökologischen Landbau, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, in Interview, ungekürzt: Elite: Welche Chancen und Grenzen bringen Kräuter im Dauergrünland und Ackerfutter mit, um in Extremjahren Erträge absichern zu können? Loges: Es stellt sich die Frage, wo holt man die Landwirte ab, um über den Einsatz von Kräutern zu diskutieren. Für den Ökobetrieb, der nicht ohne Klee kann und gar nicht den Stickstoff hat, um Grünland – oder Maishöchsterträge zu erzielen, fällt der Sprung zum Kräutereinsatz viel leichter. Ein Weidebetrieb schaut vielleicht auch anders auf die Kräuter als ein Stallhaltungsbetrieb. Elite: Gut, dann erst zum Dauergrünland. Loges: Für Dauergrünland gibt es unter den Norddeutschen Standortverhältnissen bisher noch keine Alternative zu Deutschem Weidelgras und Weißklee, wenn Ertrag- und Qualität im Vordergrund stehen sollen. Wenn die Dauergrünlandstandorte unsicherer werden, empfehlen wir auch die Standardmischungen der Landwirtschaftskammern. Für Ökos natürlich mit Weißkleezusatz. Anders sieht es aus, wenn es um extreme Witterungsverhältnisse geht, wie phasenweise Trockenheit, hohe Nässe oder extreme Wechsel aus Trockenheit und Staunässe. Dann kommt für uns auf dem Lindhof der Rohrschwingel im Dauergrünland mehr und mehr in Betracht. Je extremer der Standort desto mehr wir das Dt. Weidelgras durch äquivalente Mengen Rohrschwingel ersetzt. Rohschwingel toleriert beides Nässe wie Trockenheit, wenn er ersteinmal – langsame Jugendentwicklung – etabliert ist, sind seine Erträge gerade in Extremjahren top. Steht die Futterqualität im Vordergrund muss man auf moderne „Soft-leaf-Typen" des Rohschwingels zurückgreifen. Das ist unsere erste Anpassungsstrategie an Witterungsextreme. Aber Achtung, ich denke, auf sicheren Standorten bei hohen Qualitätsansprüchen kommt man zumindest bisher an den Standardmischungen der Landwirtschaftskammern nicht vorbei! Geht es um Mutterkuhfütterung oder Winteraußenhaltung rückt Rohrschwingel wieder weiter nach vorne, da er Wintergrün bleibt und sich nach Schneelast wieder aufrichtet. Die Alternativen bei der Pflanzenwahl im Dauergrünland sind rar, denn es geht um ausdauernde Bestände und das sind nicht die Stärken der Wiesenkräuter und anderer tiefwurzelnder Leguminosen. Elite: Im Ackerfutterbau sieht das anders aus? Loges: Genau. Hier steht eine größere Breite von Handlungsoptionen zur Verfügung, um sich an drohende Trockenphasen anzupassen. Tiefwurzler wie Luzerne und Rotklee wären die erste Antwort auf längere Trockenperioden. Wertvolle Futtergräser und auch der hochverdauliche Weißklee sind Flachwurzler und das Wurzelsystem des Maises hat auch seine Grenzen wie der vergangene Sommer zeigte. Verlockend ist es natürlich, auf den Mais und die wertvollen Futtergräser in Kombination mit hoher N-Düngung zu setzten und die Beurteilung auf die erzielbaren Energieerträge bzw., Energiekonzentrationen zu beschränken. Der Rohproteingehalt ist meiner Meinung nach viel zu selten in die Berwertung mit einbezogen. Ich denke, gerade wenn man Milch liefert, die ohne gentechnisch verändertes Soja auskommt, sollte man wissen, dass das Proteinertragspotential von tiefwurzelnder Luzerne (Medicago sativa) oder Rotklee (Trifolium pratense) das Proteinertragspotential aller heimischen Körnerleguminosen (Erbse, Ackerbohne Lupine) schlägt. Beim Rotklee kommt noch eine dem Soja nicht unähnliche hohe Pansenstabilität des Proteins dazu. Rotklee und Luzerne sind im Ertrag dem Weißklee überlegen. Die Standard-Saatgutmischung für gut trockenheittolerierendes Schnittkleegras in zweijähriger Nutzung – ohne jegliche Zudüngung von Stickstoff – ist bei uns auf dem Lindhof folgende: 20 kg/ha Dt Weidelgras + 7 kg/ha Rotklee + 1 kg/ha Weißklee. Bei Untersaat reduzieren wir das Weidelgras auf 15 kg/ha. Auf trockene Standorten werden Teile des Dt. Weidelgrases durch gleiche Saatmengen Soft-leaf-Rohrschwingel ersetzt. Diese Mischung ist ideal für die Schnittnutzung. Soll das Kleegras aber auch über Weide genutzt werden, haben Rotklee und Luzerne ihre Grenzen Und auch die angepriesenen Weidetypen sind bei weitem nicht so weidefest wie Weißklee und Dt. Weidelgras! Bei Weidenutzung reduzieren wir daher den Rotklee auf 6 kg/ha und fahren dafür den Weißklee auf 2 kg /ha hoch. Elite: Am Lindhof arbeiten Sie seit einigen Jahren auch mit Kräuter-Kleegras. Wie sieht diese Mischung aus und welche Chancen sehen Sie in Bezug auf die Klimaveränderung? Loges: Zusätzlich zu Dt. Weidelgras, Weißklee und Rotklee – wo der Rotklee schon die erste Anpassung an Trockenheit ist –, werden Wegwarte (Zichorie= Cichorium intybus), Spitzwegerich (=Plantago lanceolata) sowie Hornschotenklee (Lotus Corniculatis) der Saatmischung zu gesetzt, im Gegenzug werden Weißklee, Dt.Weidelgras und Rotklee in der Saatmischung zurückgefahren. Das sieht dann so aus: 15 kg/ha Dt Weidelgras + 4 kg/ha Rotklee + 1 kg/ha Weißklee + 4 kg/ha Hornschotenklee + 3 kg/ha Zichorie + 1,5 kg/ha Spitzwegerich. Zu den Chancen. Es gibt viele Gründe für diese Mischung, nicht alle sind rein auf Produktivität ausgerichtet. Zunächst sind Rotklee, Hornschotenklee, Zichorie und Spitzwegerich Tiefwurzler und damit deutlich trockenheitstoleranter als Weidelgras und Weißklee, deshalb können Sie auch als Anpassung an verlängerte Trockenperioden gesehen werden. Hornschotenklee verträgt auch nasse Verhältnisse und ist etwas weidefester als Rotklee und er beinhaltet Tannine, die der Gefahr der Blähsucht von kleegrasweidenden Tieren entgegenwirkt. Zichorie und Spitzwegerich sind deutlich besser an Trockenheiten angepasst als Gräser und sind wie letztere für häufige Beweidung geeignet. Von Zichorie und Spitzwegerich genauso wie von Hornschotenklee gibt es Zuchtsorten, die im Gegensatz zu anderen Alternativen Kräutern eine Landwirtschaftliche Nutzung unter extremeren Verhältnissen interessant machen können. Andere interessante Wiesenkräuter, für die jedoch keine an die gewohnten Nutzungsintensitäten angepassten Zuchtsorten vorliegen, wären auch noch Wiesenkümmel, Scharfgarbe, Wiesensalbei oder der Kleine Wiesenknopf. Die genannten Kräuter werden von Weidenden Tieren im jungen Zustand bevorzugt gefressen und so selektiert, dass selbst Deutsches Weidelgras im Zweifelsfall stehen bleibt. Im Jungen Zustand können Zichorie und Spitzwegerich sehr hohe Energiekonzentrationen aufweisen, die bis in den Bereich von 6,8 MJ NEL reichen. Schieben diese allerdings ihre Blütenstände, verschlechtert sich die Futterqualität dramatisch. Also ist auch hier eine häufige Nutzung angesagt. Die Stärke des Rotklees sind die stabilen Erträge, vor allen Dingen an pansenstabilen Rohprotein. Kräuter – und Kleeartige sind Gräsern und Mais deutlich im Mineralstoffgehalt überlegen, eine Halbierung der Mineralstoffzufütterung ist bei entsprechenden Anteilen möglich. Ich rate dazu, Futteranalysen auf Mineralstoffgehalte zu machen und entsprechend Zufütterung reduzieren. Die Kosten der Analyse sind schnell eingespart. Zichorie- Spitzwegerich und Hornschotenklee enthalten außerdem gesundheitsförderliche Inhaltstoffe. Spitzwegerich mildert Durchfall, Hornschotenklee und Zichorie bremsen die Vermehrung von Magen- Darm-Parasiten der Weidetiere. Das Zuwachsmuster von Gras im Vergleich zu Rotklee, Zichorie und Spitzwegerich weicht etwas voneinander ab. Das Zuwachsoptimum der Gräser liegt früher, Vielartengemenge geben gleichmäßigeren Zuwachs, was gerade für Weidebetriebe wichtig ist. Trockenheitstoleranter Ackerfutterbau kann auf Rotklee- und Luzernereinsaaten – bei entsprechender Konservierungstechnik – beruhen. Neue Rohrsschwingelsorten sind für mich ein weiterer Teil des Werkzeugkastens für die Klimaanpassung. Für den Einstieg in exotischere Mischungen empfehlen wir Zichorie und Spitzwegerich. Elite: Was konnten Sie bisher in den Anbau- und Nutzungsversuchen beobachten? Rohrsschwingel startet langsam nach der Neuansaat, hält bei Trockenheit aber länger durch. Wirklich dem Weidelgras überlegen ist er nur in trockenen Extremsituation. Gute Erfahrungen sammelten wir mit Zuchtsorten von Zichorie (= Wegwarte) und Spitzwegerich im Ackerfutteranbau, natürlich auch dort mit dem tiefwurzelnden Rotklee und der Luzerne. Im Gegensatz zu Luzerne und Rotklee vertragen Zichorie und Spitzwegerich die häufige Nutzung gut, dafür sind letztere selbstversorgend mit Stickstoff. Aber: Alle dieser Arten sind nicht für das Intensiv-Dauergrünland gemacht! Tiefwurzler treiben aus einem Wurzelknopf aus, erkrankt dieser oder wird durch Nutzung und Pflegemaßnahmen verletzt sterben die Arten ab. Sie können sich nicht wie Weißklee oder einige Gräser durch Ausläufer vermehren, bzw. nicht echt bestocken. 30 % Pflanzenverluste je Jahr sind zu kalkulieren, also alle 3 Jahre müsste spätestens neu angelegt werden. Da bei intensiver Nutzung diese Arten nicht zur Blüte und Samenabreife kommen, kann nur durch regelmäßige Nachsaat ein entsprechender Anteil gehalten werden. In normalen Zuwachsphasen der Gräser fällt die Etablierung von Kräuter- oder Leguminosennachsaaten schwer aus. Ist viel Stickstoff im Spiel haben Leguminosennachsaaten keine Chance. Nach einer Neuansaat starten Leguminosen (Rotklee, Luzerne, Hornschotenklee und Schwedenklee) langsam, während Zichorie und Spitzwegerich eigentlich schnell sind. Alle halten bei Trockenheit aber länger durch. Eine reine Energieertragsüberlegenheit ist nur in trockenen Extremsituation gegeben, in normalen Jahren kommen die Kräutermischungen vom Masseertrag nicht mit Gräserbeständen mit. Die Wachstumskurve von Kräuter-Kleegras-Mischungen können unter normalen Bedingungen mit klassischen Klee-Gras-Mischungen mithalten. Die genannten Arten haben enorme Humuslieferungen auch in den unteren Bodenschichten, was klimafreundlich ist, da sie den Düngeaufwandreduzieren und zusätzlich mit der Humusbindung (gerade gegenüber dem Mais) CO2- aus der Atmosphäre im Boden festlegen. Die Biodiversität der Flächen zeigt sich deutlich durch mehr Blütenbesucher. Elite: Wie kommen die Kräuter in Phasen mit hohen Niederschlägen zurecht? Ist die Konkurrenz durch Gräser zu hoch? Loges: Bei feuchten und nassen Bedingungen sind die Flachwurzler in ihrem Element und der Vorteil der Teifwurzler ist nicht gegeben. Tiefe Wurzeln sind auch eine Investition für die Pflanze. Bei feuchten Bedingungen ist der Konkurrenzdruck der Gräser also deutlich höher. Rotklee, Zichorie und Spitzwegerich kommen zwar auch gut mit feuchten Verhältnissen zurecht, aber wenn ausreichend Nährstoffe da sind, ist der Vorteil weg und das Gras hat bessere Karten im Konkurrenzkampf. Reinsaaten wären dann eine Alternative, aber bei feuchten Verhältnissen ist das Verletzungsrisiko für den Wurzelkopf der Tiefwurzler zu hoch. Elite: Gibt es denn potentielle „Allrounder“-Kräuter, wie auf der Gräserseite beispielsweise der Rohrschwingel? Loges: Ausdauer ist die große Schwäche der Kräuter und tiefwurzelnden Leguminosen. Am ehesten ist es der Spitzwegerich, den wir im Dauergrünland auch ein paar Jahre halten können. Hornschotenklee kann auch beides, ist aber nicht besonders Konkurrenzstark und wird im Normaljahr verdrängt. Im maximal 3-jährigen Ackerfutterbau wäre Schwedenklee (Trifolium hybridum) der Allrounder von extrem Nass bis ziemlich Trocken, wie beim Rohrschwingel sind dann aber auch Abstriche bei der Futterqualität einzuberechnen. Elite: Welche Ansprüche konnten Sie bislang bei den untersuchten Kräutern an Nutzung, Pflege, Ansaat und Düngung erkennen? Loges: Kräuter wie Zichorie- und Spitzwegerich sind nicht für reine Schnittnutzungssysteme kreiert, sie starten relativ spät im Frühjahr, können enorme Wachstumsraten bei optimalen Bedingungen im Sommer zeigen, treten aber nach einer Nutzung im Sommer schnell wieder in die generative Phase und wollen blühen. Die Stängelbildung ist dann mit schneller Qualitätsverschlechterung gekoppel, die auch die Konservierung durch schlechte Welkeeigenschaften behindert. Die Nutzungsfrequenz im Sommer müsste sehr hoch sein, was sich eher durch ein intensives Weidesystem realisieren lässt, wo dann allerdings auch die Geilstellen ab und an gemährt werden müssen. Im intensiven Portionsweidesystem kann man das Potential der Wiesenkräuter am optimalsten ausnutzen. Zur Düngung: Die Wiesenkräuter z.B. Zichorie- und Spitzwegerich, aber auch viel andere dieser Arten, sind keine Leguminosen. Hohe Erträge benötigen entsprechend hohe Düngung, sicherlich können sich die Tiefwurzler aus dem Unterboden zusätzlich bedienen. Im Regelfall gelten typischen Wiesenkräuter als Güllebegleitflora, d.h. sie vertragen hohe Güllegaben gut, allerdings muss die Verschmutzung der Blattoberfläche reduziert werden. Schleppschlauch ist Minimum, Schleppschuh besser. Scheibenschar ist aber wieder schwierig, wegen Verletzung des Wurzelkopfes. Zum Boden: Leichtere, gut dränende Standorte sind von Vorteil für die Tiefwurzler, die zusätzlich durch den Humuseintrag in größere Bodenschichten die Böden aufbauen. Staunässe- sowie kalten nasse schwere Tonböden sind von Nachteil für tiefwurzelnde Kräuter. Elite: Was raten Sie Grünland- und Futterbaubetrieben, jetzt zu tun? Loges: Wenn Wasser produktions-limitierender Faktor wird, wenn neben dem Energieertrag auch andere Futterqualitätsparameter wie Mineralstoffgehalt und Rohproteinertrag zählen oder im Biobetrieb der Medikamenteneinsatz reduziert werden soll z.B., wenn Entwurmung nur bei langer Wartezeit möglich ist oder die Kunden und Abnehmer der Milch mehr Biodiversität wünschen, dann ist es meiner Meinung nach an der Zeit, sich mit Kräutern oder Multispezies- Mischungen auseinander zusetzten. Ist der Ausgangspunkt intensivstes Grünlandmanagement, werden Kräuter (und Leguminosen) es schwer haben sich gegen Gras durchzusetzen. Für diese Zwecke gäbe es die Möglichkeit Teilschläge damit Anzusaen, um selbst zu beurteilen welche Leistung erbracht werden kann. Betriebe sollten einfach mal Mischungen ausprobieren, um zu beobachten, wie diese an ihrem Standort und den dort vorherrschenden Bedingungen zurechtkommen. Man muss die Grenzen der Kräuter kennen. Daher einfach mal drei Streifen Kräutermischung oder Kräuter pur anbauen und beobachten, wie diese z.B. von den Kühen unter Weidegang angenommen werden oder miteinsilieren. Im Ökobetrieb wäre eher zu Mischbeständen zu raten. Leguminosen werden als Motor für das Bestandeswachstum benötigt. Bei knapper N-Versorgung ist das Wachstum der Gräser eher begrenzt, tiefwurzelnde Kräuter können sich den Unterboden als (Wasser- und) Nährstoffrerserve erschließen. Unterschiedliche Wurzel- und Sproßstruktur haben das Potential die Wachstumsfaktoren gemeinsam besser auszunutzen als Reinbestände dies könnten. Nur wenn viel flüssige Wirtschaftsdünger im Ökobetrieb anfallen, könnten Reinsaaten der nicht Luftstickstoff-sammelnden Kräuter Spitzwegerich und Zichorie unter trockenen Bedingungen Alternativen zu reinen Gräsern sein. Bei starker Variation der Bodenverhältnisse wird dann gerade auf Schlägen mit ausgeprägter Trockenheit eine der beiden Kräuterarten angebaut (etwaig sogar als Teil einer Fruchtfolge). Bei hoher N-Düngung und limitiertem Wasserangebot können beide Arten durchaus dann dem Dt.Weidelgras überlegen sein und sind dabei besser verdaulich als Rohrschwingel. Wegen der Schwierigkeit bei der Silonutzung dieser Kräuter, sind das keine Optionen für reine Stallhaltungsbetriebe, bei Weidehaltung schon. Es kommt auf den Versuch an diese Arten bei intensiver Düngung mal auf trockenen Standorten in Deutschland zu prüfen. Aber nie vergessen, dass wir andere Tiefwurzler wie Luzerne und Rotklee haben. Dazu kommt, dass im Normaljahr in Deutschland das Produktionsniveau solcher Kräuteransaaten im Vergleich zu Gräserbeständen zu niedrig ist.